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Nur Trainer bremsen

Twitter als WM-Schwatzbude

15.06.2010
Die Plauder-Plattform Twitter kann bei der WM den Ansturm kaum bewältigen. Fußball-Stars, Fans und sogar der FIFA-Boss "zwitschern" aus Südafrika.
Sepp Blatter: Kaum losgetwittert, schon 20.000+ Follower.
Sepp Blatter: Kaum losgetwittert, schon 20.000+ Follower.

Einige Trainer haben ihre Spieler jedoch mit einem Twitter-Bann belegt. Hollands Elia sorgte für einen Eklat. Kaká und Diego Maradonas Schwiegersohn senden Liebesgrüße, Sepp Blatter schwärmt von Südafrika, nur Cristiano Ronaldo kommt vor lauter Training kaum zum "Zwitschern" - das Phänomen Twitter hat die WM erreicht.

Auch der Deutsche Fußball-Bund (DFB) gibt via Internet-Schwatzbude Einblicke ins Turnier-Leben der Nationalmannschaft. "Die Spieler werden langsam wach. Um kurz nach drei war das Team heute früh zurück im Hotel", hieß die DFB-Botschaft am Morgen nach der 4:0-Show gegen Australien.

Während die DFB-"Tweets" allerdings zumeist ziemlich nüchtern daherkommen, sind die Südamerikaner wie gewohnt heißblütiger. "Ich liebe Dich", schrieb Brasiliens Superstar Kaká seiner Frau Caroline. Die Gattin hatte zuvor sehnsüchtig beteuert: "Du bist die Liebe meines Lebens." Auch Argentiniens Sergio Agüero textete seinen Liebsten in der Heimat. "Habe einen super Geburtstag gehabt, vermisse aber meine Familie", ließ der Maradona-Schwiegersohn wissen.

Glühende Kurz-Mitteilungen versendet auch Uruguay-Torjäger Diego Forlan. "Wir sind Uruguay. Auf diesen Tag haben alle Urus lange gewartet. Lasst ihn uns genießen", dichtete der 31-Jährige zum WM-Start und versah seine Nachricht mit 14 Ausrufezeichen. Portugal-Schwarm Cristiano Ronaldo ließ seine Fan-Gemeinde indes mit Bedauern wissen: "Wegen der ganzen Vorbereitung konnte ich zuletzt kaum twittern."

So mancher Nationaltrainer stellt sich den modernen Netzwerken ohnehin entgegen. Englands Coach Fabio Capello hat seinen Spielern ebenso die Nutzung von Twitter und Facebook verboten wie sein gestrenger spanischer Kollege Vicente del Bosque. Auch die Mexikaner müssen die Tippfinger stillhalten. Chiles Trainer Marcelo Bielsa untersagte seinen Schützlingen sogar, nachts im Internet zu surfen.

Hollands Bondscoach Bert van Marwijk schritt kurz vor der WM ein, nachdem der Hamburger Eljero Elia für einen Twitter-Eklat gesorgt hatte. In einem Internet-Video, zu dem Teamkollege Ryan Babel verlinkt hatte, sprach Elia von "Krebs-Marokkanern". Der 23-Jährige entschuldigte sich zwar für "eine riesengroße Dummheit". Van Marwijk verhängte dennoch einen Twitter-Bann über die "Elftal".

Weltfußball-Verbandschef Blatter dagegen hat die Plauder-Plattform gerade erst für sich entdeckt. "Das ist die erste Weltmeisterschaft, bei der sich die Fans verbreitet über soziale Netzwerke miteinander austauschen. Ich freue mich, meine Erfahrungen der Weltmeisterschaft 2010 mit Fans aus aller Welt zu teilen", sagte der FIFA-Boss.

Mehr als 20.000 sogenannte "Follower" hat der 71-Jährige binnen weniger Tage um sich geschart. Blatter schreibt, in welchem Stadion er gerade ist, dass er ein Vuvuzela-Verbot ablehnt und wie sehr ihn die Atmosphäre in Südafrika bewegt.

Auch tausende Fans senden via Twitter ihre WM-Eindrücke in die Netzwelt. Aus der Top-Ten-Liste der meistdiskutierten Themen ist "Fifa World Cup" derzeit nicht zu verdrängen. "Der Sound der Vuvuzelas ist das einzige Geräusch, das auch im All gehört werden kann", meinte ein Nutzer. "Ich habe mich in Südafrika verliebt", schrieb eine WM-Touristin aus London.

Vor allem das WM-Gezwitscher beschert Twitter in diesen Tagen einen nie dagewesenen Ansturm. Schon am Eröffnungstag hatten die Seiten-Betreiber daher gewarnt, es könne in den Turniertagen vermehrt zu längeren Ladezeiten oder sogar Ausfällen der Plattform kommen. (dpa/tc)