Tüfteln im Dienste der Innovation

15.04.2009
Von Anja Dilk  und Heike Littger 
Wenn du eine Familie gründen willst, bist du im öffentlichen Dienst richtig, riet ihm einst sein Schwiegervater. Kausik Munsi ist diesem Tipp gefolgt.

Kausik Munsi leitet das Referat Softwareentwicklung beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) in Nürnberg (Foto). Heute hat er nur vier Stunden geschlafen, klingt aber frisch. Vielleicht liegt es an dieser Leidenschaft, die ihn bis drei Uhr nachts an den Firmencomputer fesselte, die ihn tüfteln ließ, bis das Problem gelöst war. Vielleicht liegt es auch daran, dass er es mit Mahatma Gandhi hält, dem großen Vorbild seines Heimatlandes: My Life is my message.

Zweite Arbeitsphase ab 16 Uhr

Auch Munsi will Vorbild sein, an seinem Arbeitsplatz als Chef von 24 Mitarbeitern. Deshalb beißt er sich durch, knackt auch harte Nüsse, im Extremfall bis in die Nacht. Und manchmal drängt ein unaufschiebbarer Termin: Wenn der IT-Profi die Software für die humanitäre Hilfsaktion zur Aufnahme irakischer Flüchtlinge fertig stellen muss, kann er nicht um 17 Uhr gehen.

Es ist ein sonniger Tag in Nürnberg. In der Kantine des BAMF klappern die Teller der letzten Gäste. Kausik Munsi hat heute schon viel geschafft. Hat das neue Projekt mit dem Chef besprochen, die Programmierarbeiten einiger Kollegen gecheckt, hat Azubis gecoacht und ein Meeting geleitet. Planung, Mitarbeiter führen, das Team zusammenhalten – damit verbringt er meist den ersten Teil des Tages. Ab 16 Uhr, wenn sich die Belegschaft ausdünnt und die IT-Experten ungestört an die Rechner können, geht es ans Programme einspielen, testen, optimieren. Munsi lacht. "Natürlich meist nicht bis drei Uhr nachts. Normalerweise arbeiten wir hier von 9 bis 19 Uhr. Wer nicht zum Führungsteam gehört, kann früher gehen." Für Überstunden gibt es Freizeitausgleich, im Gegenzug erwartet die Behörde Flexibilität. Daneben bestehen jede Menge Teilzeitmodelle, sogar ein Spielzimmer mit Computerarbeitsplätzen für den Notfall. Ein paar Mal schon hat der Vater von fünf Kindern diese Möglichkeit bisher in Anspruch genommen.

Technik für den Einbürgerungstest

Als sich der Diplomingenieur 2001 nach neun Jahren bei Unternehmen wie KPMG, SAP oder der Deutschen Bahn für das BAMF entschied, zählte für Munsi ein Arbeitsumfeld, in dem Innovation ganz oben steht. Munsi ist für den Aufbau einer Softwarearchitektur im BAMF zuständig, die den unkomplizierten Datenaustausch zwischen Gerichten, Asylämtern, Ministerien und Behörden in 29 europäischen Ländern ermöglichen soll. Er entwickelte auch Konzepte, wie Mitarbeiter einfach Berichte aus den verschiedenen operativen Systemen zusammenstellen, diese mit Daten zu Wanderungsbewegungen und Geodaten verknüpfen sowie wichtige Informationen für Parlamente und Forschungsabteilungen zusammenklicken konnten. Später arbeitete er an der Technik für den Einbürgerungstest.

Vielfalt und Freiheit im Beruf

Dass es dafür weniger Geld gibt als in einem großen Unternehmen, spielt für den 43-jährigen Familienvater keine Rolle. Da ist ihm die Sicherheit lieber, die ihm die Arbeit in einer Behörde bietet. Jetzt, in der Krise, ist er doppelt froh, damals dem Rat des Schwiegervaters gefolgt zu sein: Wenn du eine Familie gründen willst, bist du im öffentlichen Dienst richtig. Zumal er seit der Verbeamtung netto viel mehr auf dem Konto hat – und trotzdem Zeit für die Familie. Inzwischen ist er so lange beim BAMF wie vorher noch nie bei einem Arbeitgeber. "Das Arbeitsklima hier ist wunderbar. Und wo sonst hätte ich so viel Vielfalt und Freiheit zugleich im Job?" (am)