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Triaton kostet 340 Millionen Euro

24.02.2004
HP ging überraschend als Sieger im Bieterwettstreit um Triaton hervor. Der Computerrriese stärkt damit seine Position im deutschen IT-Services-Markt - und hofft auf einträgliche Geschäfte mit ThyssenKrupp.

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Hewlett-Packard (HP) ging überraschend als Sieger im Bieterwettstreit um den zum ThyssenKrupp-Konzern gehörenden IT-Dienstleister Triaton hervor (Computerwoche.de berichtete). Der US-amerikanische Computerrriese stärkt damit seine Position im deutschen IT-Services-Markt - und hofft auf einträgliche Geschäfte mit ThyssenKrupp.

Entsprechende Spekulationen hatten sich bereits am vergangenen Wochenende verdichtet, dennoch kam die Nachricht selbst für Branchenkenner überraschend: HP übernimmt die Thyssenkrupp-IT-Tochter Triaton. Viele namhafte Wettbewerber, die Insidern zufolge ebenfalls an Triaton interessiert waren, darunter T-Systems, CSC, IBM und Cap Gemini, haben das Nachsehen. Zuletzt galten Cap Gemini Ernst & Young sowie der US-amerikanische IT-Dienstleister Affiliated Computer Services (ACS) als heißeste Favoriten für den Zuschlag des Essener Mischkonzerns, der im Juni vergangenen Jahres aufgrund der geplanten stärkeren Fokussierung auf das Kerngeschäft angekündigt hatte, sich unter anderem von seiner IT-Tochter zu trennen.

Nachdem über den Kaufpreis zunächst Stillschweigen vereinbart wurde, bestätigte ein ThyssenKrupp-Sprecher wenig später jedoch die entsprechende Summe von 340 Millionen Euro, die zuvor schon gerüchteweise gehandelt wurde. Jörg Menno Harms, Geschäftsführer der deutschen Hewlett-Packard GmbH, sprach gegenüber der CW von einem Preis, der "die Marktsituation fair widerspiegelt". Der Merger soll bis Anfang April abgewickelt sein. Zuvor müssen noch die beiden Aufsichtsräte und die Kartellbehörden zustimmen. Harms zufolge wird Triaton mit seinen rund 2200 Mitarbeitern zunächst als selbständige organisatorische Einheit unter dem Dach der europäischen HP-Holding weitergeführt; mittelfristig sei jedoch geplant, Triaton voll in den HP-Konzern zu integrieren.

Triaton war 1999 als Spinoff des Essener Stahl- und Maschinenbau-Konzerns gestartet und hatte seine Wurzeln in einer noch früheren Ausgründung der IT-Abteilung der Thyssen Stahl AG, die bereits 1994 als Thyssen Informatik GmbH firmiert hatte. Im Jahr 2000 sorgte Triaton erstmals für Schlagzeilen, als mit Hiserv die IT-Tochter des Pharmariesen Aventis übernommen wurde. Mit zuletzt 370 Millionen Euro Umsatz, knapp 60 Prozent davon außerhalb des ThyssenKrupp-Konzerns, und aufgrund seiner breiten Palette von Dienstleistungen galt Triaton als "Perle" unter den so genannten IT-Ausgründungen. Nur Siemens Business Services (SBS) und T-Systems waren in Deutschland bei der Akquise von Kunden außerhalb des Mutterkonzerns erfolgreicher.

HP-Deutschland-Chef Harms sprach in seiner Einschätzung des Deals von "zwei guten Seiten einer Medaille". Zum einen stärke die Akquisition von Triaton die "strategische Beziehung" zu ThyssenKrupp - ein Faktor, der nicht hoch genug einzuschätzen sein dürfte. Denn mit deutlich über 100 Millionen Euro pro Jahr waren und sind die Geschäfte von Triaton mit dem Mutterkonzern sowie anderen ThyssenKrupp-Töchtern mehr als einträglich. Zudem banden sich die Essener im Zuge des Mergers mit einem siebenjährigen Rahmenvertrag weiter an die künftige HP-Tochter. Neben den langfristig gesicherten Einnahmen bei Thyssenkrupp profitiert HP laut Harms aber auch vom Know-how Triatons, etwa im Automotive-, Chemie- und Maschinenbau-Sektor. "Wir haben ganz bewusst Köpfe gekauft", betonte er mit Blick auf die starke Position der bisherigen Thyssenkrupp-Tochter in den Bereichen SAP-Integration und Outsourcing.

Gleichzeitig hofft HP, sein Standing im deutschen respektive europäischen Markt für IT-Dienstleistungen ausbauen zu können. Bis 2006 wolle man hierzulande von der Nummer vier zur Nummer drei aufsteigen, europaweit sich von Position drei auf den zweiten Platz verbessern, erklärte Harms. Mit insgesamt 6000 Mitarbeitern habe die Service-Sparte von HP Deutschland jetzt "genug Power", um auch das "Adaptive-Enterprise"-Konzept entsprechend vermarkten zu können. Grundsätzlich bleibe es bei der Strategie seines Konzerns, über große Outsourcing-Projekte wie zuletzt bei Procter & Gamble oder Ericsson im Services-Markt zu wachsen. Die eine oder andere weitere Übernahme à la Triaton könne er jedoch nicht ausschließen.

Nach Ansicht von Karsten Leclerque, Analyst des Beratungsunternehmens Pierre Audoin Consultants (PAC), dürfte HP zusammen mit Triaton bei den so genannten nicht-captiven Umsätzen, also Einnahmen außerhalb des jeweiligen Mutterkonzerns, SBS und EDS in Deutschland bereits 2003 überrundet haben und damit zur Nummer drei im Markt aufgestiegen sein. Leclerque zufolge war es trotz des zuletzt "ganz ordentlichen Wachstums" von HP in Geschäftsbereichen wie Managed Services schon lange klar, dass "HP auf die Übernahme-Schiene wechseln muss, um wirklich zu den führenden Anbietern im Projekt- und Outsourcing-Geschäft zu gehören". Den Preis von 340 Millionen Euro, der von vielen Finanzanalysten in ersten Reaktionen als zu hoch eingestuft wurde, hält der PAC-Experte für vertretbar. Man hätte sich auch eine "noch höhere Summe vorstellen können". (gh)