Leo Hintersteiner, CIO bei Bene

Triathlet stemmt Marathon-Projekt

Karin Quack arbeitet als freie Autorin und Editorial Consultant vor allem zu IT-strategische und Innovations-Themen. Zuvor war sie viele Jahre lang in leitender redaktioneller Position bei der COMPUTERWOCHE tätig.
Leo Hintersteiner hat die IT des Büromöbelherstellers Bene auf Harmonisierungskurs gebracht.

Der Projektname "BE:Bene" bedeutet in englisch-italienischem Kauderwelsch etwa "Sei:Gut". Zur vollständigen Bezeichnung gehört auch die Jahreszahl 2015. Doch ob das Projekt bis dahin abgeschlossen sein wird, ist noch nicht sicher. BE: Bene ist das, was gemeinhin ein Mammutprojekt geheißen wird. Es umfasst die völlige Neuorientierung der IT-Strategie und in der Folge auch die Umgestaltung der IT-Landschaft.

Das Ziel auf der Business-Seite hieß "Mass Customization", also höchste Flexibitität bei hoher Effektivität. Das sollte die Antwort des in Waidhofen an der Ybbs ansässigen Büromöbelherstellers Bene AG auf die drängenden Fragen der Wirtschaftskrise sein. Technisch wurde das durch eine integrierte Architektur ermöglicht. Zu den Technikzielen gehört auch die private Bene-Cloud, die künftig alle IT-Services in einer virtualisierten Umgebung anbieten soll.

Im Einzelnen sind unter dem BE:Bene-Dach acht Teilprojekte angesiedelt - angefangen von der Umstellung der ERP-Systeme auf Dynamics AX 2012 über eine neue Desktop-Umgebung auf Basis von Windows 7 mit Outlook und Sharepoint Collaboration bis hin zu Unified Communications und einer Optimierung des Wide Area Network (WAN). Ein Teil dieser Projekte ist auch bereits up and running. Allerdings konnte die Realität nicht immer mit der Planung mithalten.

"Das letzte Jahr war noch einmal schwierig", erläutert Leo Hintersteiner, bis vor wenigen Wochen CIO bei Bene. Für den Mut, ein solches Vorhaben inmitten der Wirtschaftskrise zu beginnen, erreichte er beim "CIO des Jahres" eine Platzierung unter den zehn besten CIOs des deutschsprachigen Raums in der Kategorie Mittelstand.

Seit März dieses Jahres hat Hintersteiner seinen Projektleiter Jörg Baumgartner in die CIO-Aufgaben eingearbeitet. Ihn selbst hat es nun ein paar Kilometer weiter nach Scheibbs zum Aufzugkomponenten-Hersteller Wittur gezogen.

Alles auf Anfang

Dort fängt Hintersteiner quasi wieder von vorn an: Die Funktion des Corporate CIO wurde eigens für ihn geschaffen, damit er die disparaten IT-Stränge der elf Produktionsstandorte zusammenführt. "Die Her-ausforderung ist eher noch größer als bei Bene", erläutert der 47-Jährige. Es gilt, zunächst den Unterbau zu harmonisieren, beispielsweise ein einheitliches Stammdaten-Management einzuführen, bevor überhaupt Standardapplikationen implementiert werden können.

Dass es Wittur mit diesem Anliegen ernst ist, belegt die Installation einer neuen Führungsstruktur. Neben Hintersteiner wurden auch globale Top-Executives für die Bereiche Supply Chain, Beschaffung, Logistik und Qualitäts-Management angeheuert. Offenbar haben die Niederösterreicher erkannt, dass Wachstum ohne eine auf Harmonisierung und Standardisierung angelegte IT-Strategie schwer möglich ist.

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CIO des Jahres 2013

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Für den Ironman qualifiziert

Hintersteiner traut sich diese Aufgabe durchaus zu. Zum einen hat er bei Bene ja schon einmal den Ernstfall proben können. Zum anderen liebt er die Herausforderung. Er ist begeisterter Triathlet und hat sich sogar für den diesjährigen "Ironman"-Wettbewerb auf Hawaii qualifiziert. Den will er auch absolvieren - "aber mehr als Tourist", wie er einräumt. Für ein intensives Training fehlt ihm aus beruflichen Gründen heuer die Zeit. (mhr)