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Aufstieg in die Cloud

Trends im Systemhaus-Markt 2012

Regina Böckle
Regina Böckle durchforstet den Markt für Infrastruktur und Cloud nach Themen, die für Systemhäuser und Service Provider relevant sind - oder es werden könnten. Besonders spannend findet sie, welche Geschäftsmodelle Vertriebspartner entwickeln und wie sie die Strategie und Produkte der Anbieter bewerten.
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Die Systemhäuser verfolgen mit ihren Cloud-Angeboten hohe Ziele. Die Kunden überzeugt das noch nicht, sie halten sich zurück.
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Deutschlands Systemhäuser rüsten sich für die Zukunft. Cloud Computing ist mit Abstand das beherrschende Thema. Knapp 85 Prozent der befragten Unternehmen bringen sich derzeit als Cloud-Anbieter in Stellung, weitere zehn Prozent planen, hier schon in naher Zukunft aktiv zu werden. Sogar 88,4 Prozent erachten die Wolken-IT als den wichtigsten Trend für den Systemhausmarkt.

Wie rasant sich dieses Betriebsmodell die führende Stellung erobert hat, zeigt ein Blick zurück: Noch 2009 war Cloud Computing für die meisten Systemhäuser nur als vage Vision am Horizont zu erkennen. Auch 2010 lagen Server-Virtualisierung (69,5 Prozent) und Managed Services (71,2 Prozent) in ihrer Gunst weit vor dem Thema Cloud (59,3 Prozent). Doch 2011 wendete sich das Blatt. Seitdem überstrahlt die Cloud alle anderen Trends. In ihrem Schatten gewannen auch die Managed Services weiter an Bedeutung, weil die Grenzen zwischen den beiden Sourcing-Modellen oft fließend verlaufen.

Infrastruktur im Visier

So sehr die Cloud die Zukunftspläne der Systemhäuser und der gesamten ITK-Branche dominiert, so selten war sie in den aktuellen Projekten der Anwender mit ihren Systemhäusern ein Thema. Mit 9,49 Prozent bildeten Cloud- und Managed-Services das Schlusslicht im Projekt-Ranking, wie die aktuelle Umfrage der COMPUTERWOCHE unter knapp 1700 Unternehmenskunden ergab.

Eine Trendwende ist nicht in Sicht: Nur 8,43 Prozent der befragten Endkunden planen in den kommenden zwölf Monaten Projekte im Bereich Cloud Computing oder Managed Services, das ist der niedrigste Wert aller abgefragten Projektkategorien. Bei keinem anderen Thema gehen die Einschätzungen der Systemhäuser und die konkreten Planungen der Endkunden so weit auseinander. Deutlich wird aber auch: Alle großen Systemhäuser trauen sich zu, ihre Kunden umfassend zu beraten, und sind eigener Einschätzung zufolge schon heute fähig, die ITK-Architektur ihrer Kunden für das Cloud-Zeitalter zu planen. Immerhin knapp drei Viertel der Systemhäuser bieten bereits Infrastructure as a Service (IaaS) an.

Server-Virtualisierung legt zu

Das Brot- und Buttergeschäft für die IT-Partner bleiben vorerst Projekte rund um klassische Infrastrukturlösungen, fast jedes Haus führt entsprechende Leistungen im Portfolio (96,9 Prozent). Das deckt sich mit dem Bedarf auf Kundenseite, denn über 61 Prozent der Anwender haben zusammen mit ihrem Dienstleister die PC- und Server-Infrastruktur erneuert, gut 37 Prozent planen es. Zum Großteil geht es dabei um die Virtualisierung der Server-Landschaft, als entsprechend bedeutend erachten auch Systemhäuser dieses Thema.

Sie haben die Server-Virtualisierung in der aktuellen Erhebung auf Platz drei unter den Top-Trends gehievt. Das war zuletzt etwas anders. Zwar maßen in der letztjährigen Umfrage 54,4 Prozent der IT-Partner der Server-Virtualisierung ebenfalls eine gewichtige Rolle zu, doch rangierte sie weit hinter Cloud Computing (89,5 Prozent) und Managed Services (63,2 Prozent). Selbst die von Anwendern oft verschmähte Desktop-Virtualisierung ließ ihr Server-Pendant 2011 noch hinter sich (56,1 Prozent).

Für die Anbieter sind auchSpeicherprojekte ein wichtiges Standbein. Storage-Lösungen und Managed-Storage-Services gehören in 91,8 Prozent respektive 54,4 Prozent der befragten Häuser fest zum Portfolio. Dass sich das lohnt, zeigt ein Blick auf die Kundenprojekte. Der Anwenderumfrage der COMPUTERWOCHE zufolge haben knapp 47 Prozent der Unternehmen in den vergangenen zwei Jahren ihren Systemhaus-Partner beauftragt, ihre Storage-Installationen zu überarbeiten, etwa 27 Prozent planen das in den kommenden zwölf Monaten.

Managed Security schrumpft

Eine erstaunliche Entwicklung zeigt sich im Angebot von Security-Diensten. Obwohl die Systemhäuser Managed Services zum zweitwichtigsten Trend erkoren haben, geben erste Häuser dieses Bereitstellungsmodell im Bereich Security auf: Der Anteil derjenigen, die eigenen Angaben zufolge Managed Security betreiben, ging von 61,4 Prozent im Vorjahr auf nun 40,8 Prozent zurück. Dennoch gaben 90 Prozent der befragten Systemhäuser an, dass sie im Security-Geschäft aktiv sind, offenbar vornehmlich im Produkt-, Beratungs- und Projektgeschäft.

Newcomer: ByoD

Dass Mitarbeiter mit ihren Privatgeräten Zugriff auf die Unternehmens-IT wollen und auch bekommen, ist ein relativ neues Phänomen, das in der Branche mit dem Begriff "Bring your own Device" (ByoD) beschrieben wird. 2012 floss dieses Thema erstmals in die Befragung ein und belegt nun gleich Rang vier (56,1 Prozent) unter den von Systemhäusern bewerteten Megatrends. Anwender messen IT-Lösungen rund um mobile Endgeräte in der Tat eine steigende Bedeutung zu: 13,5 Prozent nannten im Rahmen der COMPUTERWOCHE-Umfrage ein in den vergangenen zwei Jahren betriebenes Mobility-Projekt, und 17,2 Prozent der Unternehmen gaben zu Protokoll, in absehbarer Zeit ein dementsprechendes Vorhaben starten zu wollen. Viele Unternehmen beschäftigen sich etwa mit dem Aufbau von WLANs in ihren Firmengebäuden, um ihren Mitarbeiten den mobilen Zugang zur internen IT zu ermöglichen.

Ein Weg, das User- und Endgeräte-Management zu erleichtern und gleichzeitig Applikationen und Dienste sicher bereitzustellen, ist die Desktop-Virtua-lisierung. Diese Technologie nimmt bei den Systemhäusern im Ranking der Megatrends jedoch nur noch Rang sechs ein (Vorjahr: Rang drei). Offenbar rechnen sie nicht damit, dass der Trend zu ByoD die Desktop-Virtualisierung beflügeln wird. (jha)