Google, IT-Konzerne und Autohersteller

Traumarbeitergeber der Young Professionals 2015

Hans Königes ist Ressortleiter Jobs & Karriere und damit zuständig für alle Themen rund um Arbeitsmarkt, Jobs, Berufe, Gehälter, Personalmanagement, Recruiting, Social Media im Berufsleben. Zusätzlich betreut das Karriereressort inhaltlich das Karrierezentrum auf der Cebit.
Der Wunscharbeitgeber für junge Informatiker ist und bleibt Google. Unter den ersten zehn Arbeitgebern, bei denen der IT-Nachwuchs unterzukommen hofft, finden sich – bis auf eine Ausnahme – nur IT- und Autofirmen sowie ein Zulieferer.

Fußballfans dürfte das Bild bekannt vorkommen: Ein Club beherrscht die Liga und schaut von oben auf die Konkurrenten herab. Die Rede ist vom FC Bayern München, dem die Talente aus aller Welt in Scharen zulaufen. In der ITK-Branche dominiert Google als attraktivster Arbeitgeber seine "Gegner" seit Jahren ebenfalls so eindeutig, dass eine Wachablösung kaum vorstellbar ist. Über ein Drittel des IT-Nachwuchses mit ein bis acht Jahren Berufserfahrung will laut den Marktforschern von Trendence beim Suchmaschinenprimus arbeiten.

CIOs und Personaler aus Anwenderunternehmen werden sich in den nächsten Jahren ­etwas einfallen lassen müssen, wenn sie den ­begehrten IT-Nachwuchs für sich gewinnen wollen - vor allem dann, wenn sie nicht mit der Autoproduktion zu tun haben. Unter den ersten zehn dominieren mit Google (Platz 1), Microsoft (3), SAP (4), Apple (5) und IBM (7) die IT-Firmen das Geschehen. Senkrechtstarter und inoffizieller Sieger dürfte der Zulieferer Bosch sein, der einen Sprung von Rang 16 auf sechs schafft. Kaum ein anderes Unternehmen hat das Thema Industrie 4.0 so offensiv besetzt und nützt jede erdenkliche Möglichkeit, um für interessante IT-Jobs zu werben. Nobelmarken wie BMW (2), Audi (8), Porsche (10) und Mercedes (11) haben sich längst daran gewöhnt, weit vorne zu landen. Die Mischung aus coolem Produkt, gutem Arbeitgeber-Image und interessanten und innovativen Aufgaben spricht für diese Branche.

Es gibt aber auch positive Beispiele unter den anderen Anwenderunternehmen, die zeigen, dass sich Investitionen in Personalarbeit und Employer Branding lohnen. So zählt die Deutsche Bahn neben Bosch zu den großen Aufsteigern in diesem Jahr. Der Staatskonzern - obwohl immer wieder in der Kritik wegen Streiks und Verspätungen - schaffte in der Beliebtheitsskala unter jungen Informatikern den Sprung vom 35. auf den 21. Platz. Das Unternehmen hat es geschafft, sein Image als träger Verwaltungsmoloch abzustreifen, und gilt jetzt als interessanter, innovativer Konzern. Die Bahn hat vor allem mit ihrer Digitalisierungsoffensive viel Boden gutgemacht bei den Informatikbewerbern.

Allianz und Adidas schneiden besser ab

Das Gleiche gilt für den Versicherungskonzern Allianz, der offenbar alles andere als langweilig ist - zumindest gelang den Münchnern ein Sprung nach vorne vom 33. auf den 23. Platz. Einen Riesenschritt hat auch Adidas gemacht, das mit seinen Kampagnen vor allem in den sozialen Netzen gezielt junge Menschen erfolgreich anspricht. Adidas ist 25. im Ranking (Vorjahr 38.).

Auch auf den hinteren Rängen hat sich ei­niges bewegt. So gelang dem mittelständischen Maschinenbauer Trumpf ein Satz vom 96. auf den 50. Rang - punktgleich mit Aldi Süd, das von Platz 70 kommt. Die Deutsche Bundesbank sprang vom 63. auf den 38. Platz - genau das Gegenteil passierte der Deutschen Bank, die zu den großen ­Verlierern gehört und von Platz 24 auf 46 ­abstürzte.

Auffällig ist das gute Abschneiden der Management-Beratung McKinsey, die sich im Zuge des Digitalisierungstrends verstärkt um Informatiker bemüht. Digitalisierung ist mittlerweile das Topstrategie-Thema, das in den Vorstandsetagen und Geschäftsführungen der Firmen angekommen ist. Junge Informatiker werden für die Umsetzung überall gebraucht, nicht nur in den IT-Abteilungen.

Neun Plätze schlechter platziert ist der ­direkte Wettbewerber Boston Consulting Group. Unter den Beratungshäusern fällt zudem das Abrutschen von Capgemini auf: Das weltweit tätige Consulting-Unternehmen fiel vom 15. auf den 26. Rang ab. Auch der direkte Wettbewerber Accenture hat sich verschlechtert: Das im Vorjahr auf Platz 9 geführte Unternehmen musste die Top Ten verlassen und liegt nun - immer noch gut - auf dem 12. Platz.

Neben diesen Rankings liefert die Studie jede Menge Material darüber, wie junge Mitarbeiter ticken. Und die Ergebnisse verdeutlichen eines ganz klar: Arbeitgeber müssen sich auf eine selbstbewusste Klientel einstellen, die weiß, was sie will. Zum Beispiel Dauerbrenner Gehalt: Die jungen Informatiker arbeiten laut Befragung weniger als Nichtinformatiker (44,7 Wochenstunden versus 45,9 Stunden), verdienen dabei aber mehr (57.000 Euro Jahresgehalt versus 56.500 Euro).

Headhunter buhlen um Informatiker

Ebenfalls keine große Überraschung: Die Mehrheit der Informatiker schätzt ihren Marktwert als sehr hoch ein - deutlich ­höher als der Durchschnitt der anderen ­studierten Berufsanfänger. Dass sie damit richtig liegt, zeigt eine andere Tatsache: Der IT-Nachwuchs wird deutlich häufiger von Headhuntern und künftigen Arbeit­gebern angesprochen als andere Berufs­gruppen.

Unabhängig von ihrem zurückliegenden Studiengang sind sich alle Befragten einig, dass sie bei einem Arbeitgeber in erster ­Linie attraktive Aufgaben und persönliche Entwicklungsmöglichkeiten suchen. Es gibt aber auch Unterschiede bei den Präferenzen zwischen Informatikern und den anderen. Den jungen IT-Fachleuten ist die Innovations­kraft eines Unternehmens deutlich wichtiger als anderen Young Professionals. Gleichzeitig verzichten sie eher auf ein internationales Umfeld oder eine sichere Anstellung. Letzteres vermutlich deshalb, weil ihnen das große Interesse nicht entgangen ist, das auf dem Arbeitsmarkt an ihnen besteht.

Wünsche der Absolventen heute und 2010

In einer Sonderauswertung hat Trendence die Einstellungen und Wünsche der Absolventen vor fünf Jahren (Trendence Graduate Barometer 2010) mit den Wünschen der Young Professionals von heute verglichen (Trendence Young Professional Barometer 2015). Der Jahrgang 1986 wurde ein zweites Mal befragt. Es zeigen sich vier große Veränderungen:

1.Den Young Professionals von heute ist der Führungsstil ihres Chefs deutlich wichtiger bei der Arbeitgeberwahl als seinerzeit den Absolventen. 85 Prozent der IT-Absolventen von 2010 fanden den Führungsstil bereits wichtig, diese Zahl ist bei den jungen Berufstätigen auf 93 Prozent geklettert. Im Berufsalltag merkt der IT-Nachwuchs demnach, wie wichtig ein guter Chef für die eigene Arbeit und für das Betriebs­klima ist.

2. Ebenfalls relevanter ist der Standort geworden. 69 Prozent der IT-Absolventen von 2010 fanden ihn wichtig, heute bei den IT-Young-Professionals sind es 77 Prozent.

3. An Bedeutung verliert indes die Arbeitsplatzsicherheit. 85 Prozent der IT-Absolventen von 2010 fanden sie wichtig, aber nur noch 67 Prozent der IT-Young-Professionals von heute denken so. Da IT-Profis händeringend gesucht werden, müssen sie sich um ihre Jobsicherheit offenbar keine allzu großen Gedanken machen.

4. Auch die Bedeutung von Corporate Social Responsibility (CSR) eines Unternehmens oder der Chancengleichheit nehmen ab. Die Young Professionals scheinen entweder desillusionierter oder weniger idealistisch als noch vor fünf Jahren zu sein. Die Realität des Arbeitslebens hat sie eben eingeholt.