Training bis zur Verzweiflung

14.11.2005
Wo Seminare und Rollenspiele enden, setzt das "Reality Training" ein. Die Teilnehmer müssen in einem fast realen Unternehmen zurechtkommen.

Manche Tage sind wie verhext. Der externe Berater Peter Korda arbeitet gerade bis tief in die Nacht hinein. Seine Aufgabe ist nicht leicht. Er soll als Projekt-Manager bei der Kronau Druckmaschinen AG ein Risiko-Management-System einführen. Kürzlich ist die Beteiligungsfirma Mant Odea & Partner GmbH zu 49 Prozent beim Hersteller eingestiegen, und seitdem herrscht erhebliche Unruhe im Unternehmen.

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- was sich hinter dem Reality-Training verbirgt;
- wie Teilnehmer durch persönliches Erleben geschult werden;
- wie ein Training auch die wichtigen Mechanismen und Rückkoppelungen in Firmen berücksichtigen kann;

Ebenso muss Korda in zwei Tagen einen Ansatz vorlegen, wie die IT-Landschaft unternehmensweit standardisiert werden kann. Der Berater hat gerade auf Englisch zähe Verhandlungen mit einer russischen Softwarefirma geführt, die - aufgrund einer falsch berechneten Anwenderzahl ? für die Lizenz des neuen, moderneren Warenwirtschaftssystems horrende Preise verlangte. Jetzt streiten sich Marion Stölzel-Kronau, die den Einkauf bei der Kronau AG leitet, und Cord Lasselsberger, Direktor von Mant Odea & Partner, heftig um Kennzahlen. Korda soll schlichten, doch seine leisen Versuche verhallen im Streit der beiden Kontrahenten ungehört.

Eine neue Form der Schulung hat die CPC Unternehmensberatung entwickelt: kein Frontalunterricht, sondern Simulation realer Vorgänge.
Eine neue Form der Schulung hat die CPC Unternehmensberatung entwickelt: kein Frontalunterricht, sondern Simulation realer Vorgänge.

Sein Engagement ist enorm - dabei ist die Kronau AG nicht real, sondern nur eine Trainingsumgebung. Die Verhandlungen und der Streit sind nur gespielt, Stölzel-Kronau und Lasselsberger sind im wahren Leben Berater der CPC Unternehmens-Management AG, der Verhandlungspartner der Softwarefirma ist ein gebürtiger Russe, der ausländische Projekte für die Beratungsfirma übernimmt. Hinter dem Szenario steckt eine neue Trainingsmethode für Führungskräfte, Projekt-Manager, Vertriebsspezialisten und Berater: das Reality- Training.

Das von CPC entwickelte Konzept beginnt dort, wo Workshops, Seminare und Rollenspiele aufhören: in der Realität. Die CPC mietet dazu in einem Fabrikgebäude über mehrere Stockwerke Räume an und baut eine fiktive Firma komplett nach, inklusive Büroräumen, Mitarbeitern, Produkten und Firmengeschichte. Damit dies auch real wirkt, wird an jedes Detail gedacht: Die Büros sind mit Ordnern, Stofftieren, Glücksbringern und Postern ausgestattet, ein Hausmeister schaut nach dem Rechten. Unter den Mitarbeitern gibt es alle Arten sozialer Beziehungen, Freund- und Feindschaften. Der innovative IT-Leiter wird ebenso verkörpert wie die engagierte Personalleiterin, der umtriebige Vertriebler oder der wertkonservative Betriebsratsvorsitzende.

Drei Tage Intensivtraining

Peter Korda gehört zu den Trainingsteilnehmern. Insgesamt machen bis zu 60 Personen das Reality-Training mit. Sie werden in bis zu acht Teams eingeteilt und müssen - im Wettbewerb mit den anderen ? typische berufliche Aufgaben erfüllen. Das kann ein Kundenprojekt, die Führung von Mitarbeiterteams oder ein Entwicklungsvorhaben sein.

CPC achtet darauf, dass alles ganz real wirkt. Die kleinen und großen Feindseligkeiten der Kronau-Mitarbeiter werden teils unterschwellig, teils offen ausgetragen, die Trainingsteilnehmer werden mit Ängsten, Ehrgeiz, Streitereien, Klüngelei und fehlerhafter Arbeit konfrontiert. Sogar abends bei einem kleinen Cocktailempfang zu Ehren des Vertriebsleiters und Enkels der Firmeninhaberin plaudern die CPC-Berater zwar entspannt mit den Trainingsteilnehmern, doch ihre Rolle behalten sie bei. "Das Reality-Training kommt der Wirklichkeit extrem nahe. Ich selbst habe solche Situationen schon erlebt, aber natürlich nicht in drei Tagen komprimiert", meint ein Teilnehmer, der bei einem internationalen Technologiekonzern arbeitet.

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