Berufsstart mit Rückenwind

Trainee-Programme für Informatiker

06.05.2013
Peter Ilg ist freier Journalist in Aalen.
Die meisten Unternehmen versprechen Direkteinsteigern dieselben Karrierechancen wie den Teilnehmern von Trainee-Programmen. Deren Vorteil liegt in der besseren Ausgangsposition. Um Karriere zu machen, müssen aber auch Trainees zeigen, was sie können.
Viele Berufseinsteiger starten als Trainees und erhalten so besondere Einblicke in den Job.
Viele Berufseinsteiger starten als Trainees und erhalten so besondere Einblicke in den Job.
Foto: goodluz - Fotolia.com

Bangalore ist mit über acht Millionen Einwohnern die drittgrößte Stadt Indiens, Zentrum der IT-Branche und wird häufig als das Silicon Valley Asiens bezeichnet. Alle großen Computerfirmen haben dort eine Niederlassung. IT ist allgegenwärtig im Mekka der Bits und Bytes. Monish Ananthu ist in Bangalore geboren und hat in seiner Heimatstadt Informatik mit Bachelor-Abschluss studiert. Was sonst? Wohl deshalb musste noch etwas anderes kommen.

Vor fünf Jahren zog der heute 28-jährige aus dem Süden Indiens ins bayrische Hof, um an der Hochschule einen Master in „Software Engineering for Industrial Applications“ zu machen. Mitte 2009 hatte er seinen zweiten Titel und einen Job bei einem IT-Dienstleister, der Konfiguratoren für Autos entwickelt, damit es Käufer am PC zusammenstellen können. Zwei Jahre hat er als Entwickler und Projektmanager gearbeitet. „Der Job war gut, doch die mittelständische Firma zu klein, um international tätig sein zu können.“ Ananthu suchte nach einer Alternative und fand sie im Trainee-Programm „CAReer“ bei Daimler. Seit Dezember 2011 ist er Teilnehmer des Programms.

Von Anfang an volles Gehalt

Rund 500 Trainees stellt Daimler in diesem Jahr ein. Jeder Zehnte ist Informatiker. „Unsere Trainees bekommen neben einem unbefristeten Arbeitsvertrag von Anfang an ein volles Gehalt“, sagt Peter Berg, Leiter Global Talent Acquisition & Development. „CAReer“ ist das konzernweite Trainee-Programm von Daimler. Innerhalb von zwölf bis 15 Monaten lernen die Teilnehmer in drei Stationen verschiedene Bereiche des Unternehmens kennen. Eine davon führt sie ins Ausland.

Ananthu hat seine Trainee-Ausbildung im After-Sales begonnen: „Ich war in einer Abteilung, die IT-Lösungen für Werkstattsysteme entwickelt.“ Datenbanken für Ersatzteile zum Beispiel. Dann wechselte er zur Sportwagentochter AMG, um ein Software-Tool zu entwerfen, mit dem Besprechungen protokolliert werden und das eine Erinnerungsfunktion enthält. Mitte November schließlich flog er nach Sao Paolo. In Brasilien unterstützt er seine Kollegen bei der Einführung eines Garantiesystems für Trucks. Das ist seine letzte Station und im März 2013 wird er seine Trainee-Ausbildung beenden. Ananthu wird dahin zurückkehren, wo er sie begonnen hat. Regelmäßig trafen sich die Trainees, die mit ihm im selben Monat angefangen hatten, für interkulturelle Trainings und Soft-Skill-Seminare. „Ich bin positiv überrascht,“ sagt Ananthu, „wie viel ich in kurzer Zeit von dem großen Konzern kennen gelernt habe und wie intensiv der Austausch mit Trainees aus aller Herren Länder ist.“ Er hat gefunden, was er suchte.

Erfolgsgarant Trainee-Programm?

Immer mehr Absolventen wollen als Trainee starten, hat eine Studie der Unternehmensgruppe Haniel in Kooperation mit Kienbaum ergeben. 94 Prozent der Hochschulabsolventen in Deutschland können sich vorstellen, als Trainee ins Berufsleben zu starten. Ein Jahr vorher waren es noch 84 Prozent. Befragt wurden für die „Traineestudie 2011/2012“ rund 400 Unternehmen und 350 Absolventen. Aber während 2010 noch 86 Prozent der Firmen Trainee-Programme anboten, waren es 2011 nur noch 78 Prozent. Angebot und Nachfrage driften auseinander. Vielleicht ist die Nachfrage so stark, weil viele meinen, ein Trainee-Programm sei ein Karrieregarant. Ist es nicht, es liefert aber eine bessere Ausgangsposition. Dazu Daimler-Mann Peter Berg: „Für Trainees gilt das Gleiche wie für alle Nachwuchskräfte. Die berufliche Entwicklung im Hinblick auf Richtung und Geschwindigkeit hängt entscheidend von der fachlichen und persönlichen Leistung sowie vom Engagement ab.“ Ein Trainee-Programm ist Rückenwind für die Karriere.

Den erhofft sich auch Fabian Metzger, 27, durch seine Teilnahme an „CAReer“. Er hat an der Universität Stuttgart Softwaretechnik studiert und als Diplom-Informatiker abgeschlossen. Er begann gleich nach dem Studium als Trainee. Seine Stationen führten ihn zur Mercedes-Benz-Bank, in das Produktionswerk Ungarn und die zentrale Vertriebsorganisation in Berlin. Das Netzwerk, das er nun hat, ist Gold wert. Im März 2011 war er fertig und hat nicht wie sonst üblich, dort angefangen, wo er eingestiegen ist, sondern in der Produktionssteuerung. „Das Projekt in der Produktion hat mir großen Spaß gemacht,“ erzählt er. Metzger arbeitet seit April 2011 in der IT-Produktionssteuerung. Er entwickelt Software für optimale Produktionssequenzen an Rohkarossen entsprechend der individuellen Fahrzeugkonfiguration. Sein berufliches Ziel ist es, weiterhin spannende Projekte zu betreuen. Ob Metzgers Trainee-Zeit ein Karriereturbo war, wird die Zeit zeigen.

Trainee-Gehälter - Programme - Stellen

Auf der Seite www.trainee-gefluester.de stehen Informationen rund um Trainee-Programme. So liefert eine Datenbank detaillierte Infos über die Programme hunderter Unternehmen oder es kann Wissenswertes über die Gehälter von Trainees nachgelesen werden. Zudem veröffentlichen Mittelständler und Konzerne aus unterschiedlichen Branchen und allen Regionen Deutschlands Trainee-Stellen.

Benjamin Seifert stieg bei Computacenter als Trainee ein.
Benjamin Seifert stieg bei Computacenter als Trainee ein.

Benjamin Seifert, 29 und Umweltinformatiker mit Master-Abschluss an der HTW Berlin wollte in die Beratung. Mit seinem Abschluss war das nicht ganz leicht, weil viele Firmen Wirtschaftsinformatiker bevorzugen. Und weil er viel theoretisches, aber kaum praktisches Wissen hatte, suchte er eine Trainee-Stelle. Er fand sie beim IT-Dienstleister Computacenter, Kerpen. In den sechs Monaten seiner Trainee-Zeit fanden Vorträge über das Unternehmen, dessen Philosophie und Dienstleistungsangebot statt, Seifert lernte die anderen Trainees kennen, nahm an Seminaren zu Projekt-, Zeit- und Selbstmanagement teil und wurde intensiv in Netzwerktechnologie geschult.

Seit September 2012 ist Seiferts Trainee-Zeit vorbei. Jetzt arbeitet er bei einem Kunden in einem Netzwerkprojekt in Hamburg. „Für mich war dieses halbe Jahr der optimale Berufseinstieg. Ich habe viele Leute und unterschiedliche Themen kennen gelernt. Beim Direkteinstieg hätte ich diese Chancen nicht gehabt“, so sein Resümee. Seifert ist inzwischen Technology Associate. Wann er vom Junior zum Senior Berater aufsteigt, darüber entscheidet seine Leistung und nicht die Art seines Berufseinstiegs.

Unbefristete Arbeitsverträge für Trainees

Pro Jahr stellt Computacenter zwischen 20 und 30 Trainees ein. „Der Trend zeigt, dass sich die Anzahl auf diesem Niveau halten wird“, sagt HR-Consultant Melanie Reiche. Die Ausbildung beginnt immer zum 1. April eines Jahres; es ist eine Fachausbildung. Die Ausbildungsinhalte sind an Berufseinsteigern ausgerichtet, die kaum Erfahrung in der technologischen Beratung haben. Trainees bekommen einen unbefristeten Arbeitsvertrag und „selbstverständlich honorieren Erfahrung und Expertise die Bezahlung“. Das Gehalt berufserfahrener Direkteinsteiger ist deshalb höher als das von Trainees. (kf)

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