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Bernd Leukert über SAP S/4HANA

Traditionelle Datenbanken reichen nicht mehr aus

Bernd Leukert ist Mitglied des Vorstands und Global Managing Board der SAP SE mit globaler Verantwortlichkeit für die Entwicklung und Auslieferung aller Produkte des gesamten Produktportfolios einschließlich Anwendungen, Analytics, Cloud, Datenbanken & Technologie sowie mobilen Technologien. Er ist außerdem verantwortlich für Design und End-user-Experience bei SAP. Leukert ist seit 1994 bei SAP und hatte seitdem verschiedene Führungspositionen in der Anwendungs-, Technologie- und Softwareentwicklung sowie Prozesssteuerung inne. Er hat einen Abschluss als Diplom-Wirtschaftsingenieur von der Universität Karlsruhe und studierte darüber hinaus ein Jahr am Trinity College in Dublin, Irland.
SAP S/4HANA basiert vollständig auf der In-Memory-Plattform SAP HANA und ist durchgängig sowohl auf Desktops als auch mobilen Geräten verwendbar. Die neue Generation der Business Suite soll Unternehmen fürs digitale Zeitalter rüsten. SAP-Vorstand Bernd Leukert beantwortet die wichtigsten Fragen.

Was war der Grund für den Marktstart von SAP S/4HANA?

Als wir vor fünf Jahren SAP HANA auf den Markt brachten, war uns klar, dass wir unsere Business Suite eines Tages rundum erneuern müssen, um Kunden für das digitale Zeitalter fit zu machen. Nie gab es so viele Daten wie heute. Nie war unsere Welt so vernetzt. Digitale Dienste ersetzen physische Produkte. Und um wettbewerbsfähig zu bleiben, müssen Unternehmen nicht nur Unmengen an Daten auswerten und nutzbar machen, sondern auch ständig neue Märkte erschließen und ihre Kunden über diverse Kanäle erreichen. Die größte Herausforderung, der sich Unternehmen heute stellen müssen, ist Komplexität.

Bernd Leukert, Mitglied des Vorstands bei SAP
Bernd Leukert, Mitglied des Vorstands bei SAP
Foto: SAP SE

Was unterscheidet SAP S/4HANA von einer traditionellen Datenbank?

Disk-basierte Datenbanken können Herausforderungen wie Big Data, das Internet der Dinge oder weitreichende Analysen nicht mehr lösen. Traditionelle Datenbanken speichern Informationen lediglich. So verfügen Unternehmen zwar über eine Unmenge von Daten, nutzen sie aber nicht. SAP S/4HANA beinhaltet umfassende Funktionalitäten für Vorhersagen und Analysen. Das System gibt dem Anwender auf Prognosen basierende Handlungsempfehlungen und ermöglicht so neue Geschäftsmodelle.

Was ist neu an SAP S/4HANA?

SAP S/4HANA zeichnet sich durch drei Merkmale aus: ein signifikant vereinfachtes Datenmodell, eine komplett neue Oberfläche dank SAP Fiori User Interface (UX) sowie eine systemgeführte Einführung. Das vereinfachte Datenmodell verbessert die IT-Effizienz und ermöglicht neue Geschäftsprozesse, weil sich Mitarbeiter, Endgeräte und Geschäftsnetzwerke in Echtzeit miteinander verknüpfen lassen. Dank SAP Fiori läuft die Suite durchgängig auf mobilen Geräten. Die Oberfläche kann nutzer- und rollenbasiert angepasst werden. Der gesteuerte Konfigurationsprozess ermöglicht die einfache Implementierung und reduziert Implementierungszeiten signifikant. Dabei entscheidet das Unternehmen, ob es SAP S/4HANA On-Premise, als Managed Cloud und in der Public Cloud betreiben möchte.

Wie profitieren Unternehmen vom Einsatz von SAP S/4HANA?

Vom Einsatz von SAP S4/HANA profitieren Unternehmen sowohl aus der Geschäfts- als auch aus der IT-Sicht. Unternehmen können sich mit Menschen, Geräten und Geschäftsnetzwerken schnell verbinden und so Mehrwerte für ihre Kunden schaffen. Das Internet der Dinge und Big Data stehen jedem Unternehmen zur Verfügung. Gleichzeitig lassen sich Prozesse vereinfachen und schnell und leicht anpassen. Anwender können auf Basis sämtlicher verfügbarer Daten Entscheidungen in Echtzeit treffen - und das System gibt zudem Handlungsempfehlungen.

Je nach der Funktion im Unternehmen benötigen Mitarbeiter Zugang zu diversen Datenquellen und sollten diese an einem Ort zusammenführen können. So kann es etwa in der Logistik sinnvoll sein, auch Finanz- und Verkaufskennzahlen in die Entscheidung für die Beschaffung von Bauteilen mit einzubeziehen. SAP S/4HANA ermöglicht es, sämtliche Datensets in einem einzigen System zusammenzuführen, und reduziert so das Datenaufkommen. Weil alle Daten in einer einzigen Quelle vorgehalten werden, entfallen mögliche Dateninkonsistenzen zwischen den einzelnen Systemen.

Gibt es schon ein paar Beispiele aus der Praxis?

Bei SAP setzen wir SAP S/4HANA bereits selbst ein und sehen eine Reduktion des Datenvolumens um den Faktor 10; denkbar ist sogar eine Verringerung bis um den Faktor 30. Das hat erhebliche Auswirkungen auf die Gesamtbetriebskosten, wie etwa Hardware, Netzwerk oder Backup. Selbst größte Systeme lassen sich in Echtzeit betreiben. Gleichzeitig erhöht sich der Durchsatz der Systeme, weil das klassische Aggregieren von Daten und die Erstellung von Indizes wegfallen. Zwischenrechnungen sind nicht mehr nötig, Datensätze lassen sich parallel bearbeiten, und auch die Trennung von transaktionalen und analytischen Daten entfällt.

Wie lange dauert die Implementierung von SAP S/4HANA?

Gemeinsam mit unseren langjährigen Partnern unterstützen wir unsere Kunden auf ihrem Weg, die Komplexität ihrer vorhandenen IT-Systemlandschaft mit SAP S/4HANA zu reduzieren. Der größte Schritt für Kunden, die noch nicht auf SAP HANA setzen, ist die Migration auf die neue Plattform. Die eigentliche Implementierung von SAP S/4HANA kann dank vorgefertigter Migrations- und Implementierungspakete innerhalb weniger Tage durchgeführt werden, was für eine schnelle Wertschöpfung sorgt. SAP S/4HANA integriert das Cloud-Portfolio der SAP, unter anderem von Ariba, Fieldglass und SuccessFactors. Dank des umfassenden Angebots können Kunden selbst bestimmen, in welchem Tempo sie auf die Cloud umsteigen möchten, während sie weiterhin von sämtlichen Vorteilen ihrer implementierten SAP-Lösungen profitieren.