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Tourismus-Konzerne setzen auf das Internet

19.09.2006
Die großen deutschen Tourismuskonzerne TUI und Thomas Cook setzen immer stärker auf das Internet.

"Wir stehen hier vor radikalen Veränderungen", sagte der Vorstandschef des Branchenführers TUI, Michael Frenzel, am Dienstag auf dem FVW-Tourismuskongress in Köln. "Wir bekommen eine neue Generation, die mit der Technologie ganz anders umgeht", sagte auch der Vorstandsvorsitzende von Europas zweitgrößtem Touristikkonzern Thomas Cook, Thomas Holtrop, am Rande der Veranstaltung.

Allein von 2006 auf 2007 werde der Online-Reiseumsatz in Europa um fast 40 Prozent auf 57 Milliarden Euro steigen, sagte Frenzel in seinem Grundsatzreferat vor rund 700 Branchenvertretern. Dabei würden allerdings die reinen Online-Reisebüros an Bedeutung verlieren. Vielmehr gingen die Kunden verstärkt direkt auf Angebote von Veranstaltern, Fluggesellschaften oder Hotels. Diese hätten sich inzwischen die Kompetenzen für das Internet-Marketing angeeignet und könnten den Online-Vertrieb mit ihrer Produkterfahrung verbinden.

Thomas Cook zeigte sich mit der Akzeptanz seines vor einer Woche neu gestalteten Online-Reisebüros zufrieden. Die Buchungsumsätze über das Internet seien rund zweieinhalb Mal so hoch wie vor einem Jahr. Holtrop räumte allerdings ein, dass der Auftritt nicht unbedingt der modernste sei. Hier seien Verbesserungen geplant.

Holtrop verglich den Online-Vertrieb von Reisen mit der Einführung der Geldautomaten. Damals habe zunächst auch niemand geglaubt, dass heute 97 Prozent der Bargeld-Abhebungen automatisiert abliefen. Reisebüros würden aber nicht abgeschafft, sondern seien künftig wie Bankschalter für Beratungen notwendig.

Die Tourismuswirtschaft in Deutschland steht nach den Worten von Frenzel unter anderem durch Billigflieger, das Internet oder auch die hohen Kerosinpreise unter massivem Druck. "Diese Branche verdient in der Struktur, wie sie aufgestellt ist, zu wenig Geld", sagte Frenzel. Konzerne wie TUI, Thomas Cook oder Rewe wollten derzeit alle ihre bekannten Marken in die Welt des Internets bringen. Zugleich führe das Internet aber zu neuen Wachstumschancen. In Anspielung auf den Begriff "Web 2.0", der für neue Internet-Dienste steht, sprach Frenzel von "Touristik 2.0". (dpa/tc)