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Toshiba beerdigt 3G-Kooperation mit Siemens

07.12.2001
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MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Aus der geplanten Kooperation von Toshiba und Siemens bei Entwicklung und Vertrieb von UMTS-Handys wird nichts: Die Japaner haben sich aufgrund von Verzögerungen beim Start der 3G-Netze zurückgezogen, wollen ihre eigenen Geräte aber nichtsdestotrotz auch in Europa auf den Markt bringen. Bereits Anfang kommenden Jahres will Toshiba eigenen Angaben zufolge erste GPRS-Telefone (General Packet Radio Service) auf den hiesigen Markt bringen.

"Wir haben unsere Zusammenarbeit mit Siemens in der vergangenen Woche beendet, die Sache ist gegessen", erklärte Toshiba-Sprecherin Midori Suzuki. "Wir können bei der Entwicklung nicht voneinander profitieren, weil sich der Launch der 3G-Dienst verzögert." Die eigentlich für 2002 vorgesehene UMTS-Einführung verschiebe sich wohl bis zum Jahr 2004. Unter diesen Umständen und angesichts der "platzenden IT-Blase" biete eine Kooperation keine Vorteile mehr, so Suzuki weiter.

Siemens bezeichnete Suzukis Stellungnahme als "sehr hart" und sieht weiterhin Raum für eine künftige Zusammenarbeit mit dem japanischen Konzern. "Wir haben die gemeinsame Entwicklung aufgrund unterschiedlicher Ansätze gestoppt. Gestoppt heißt aber nicht beendet - die Sache liegt auf Eis", kommentierte ICM-Sprecher Axel Heim. "Toshiba will sich stärker auf den heimischen Markt fokussieren, und bei uns steht Europa stärker im Mittelpunkt." Konzernchef Heinrich von Pierer erklärte, Siemens verhandele nun mit anderen möglichen Partnern über eine Entwicklungskooperation.

Aus Sicht der TK-Analystin Eirwen Nichols von Ovum in London schafft Toshiba mit seiner Argumentation eine "Henne-und-Ei"-Situation: "Von den Netzanbietern hört man, sie verschöben den Start ihrer Dienste deswegen, weil keine Endgeräte verfügbar sind. Nun drehen die Handyhersteller den Spieß plötzlich um", wundert sich die Fachfrau. Allerdings sei ein späterer Start eher im Sinne der Verbraucher, meint Nichols, die erste Dienste im Jahr 2003 und 3G als Massenprodukt für 2004 erwartet: "Die Netzbetreiber haben mit ihrer Verschiebung recht - die Nutzer warten nicht auf diese Dienste. Sie haben jetzt erst einmal GPRS, um sich an schnellere Datenverbindungen zu gewöhnen und dann herauszufinden, was sie wirklich brauchen." (tc)