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Tiscali-Chef auf Berlusconis Spuren

01.09.2003

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Ähnlich wie den italienischen Ministerpräsidenten und Medienmogul Silvio Berlusconi zieht es nun auch Tiscali-Gründer und -CEO Renato Soru in die Politik. Der Chef des Internet-Anbieters plant Presseberichten zufolge, sein Amt niederzulegen und bereits im kommenden Frühjahr als Präsidentschaftskandidat der Mittelinks-Parteien an den Regionalwahlen seiner Heimatinsel Sardinien teilzunehmen. Seinen Posten als Tiscali-Chairman und den 29,9-prozentigen Aktienanteil werde er jedoch behalten, teilte der 46-jährige auf der Bilanzpressekonferenz in Mailand mit. Einen Interessenskonflikt sieht Soru nicht. Das Unternehmen erwirtschafte lediglich 18 Prozent seines Umsatzes in Italien und nur ein Prozent in Sardinien. Außerdem gehörten ihm weder Zeitungen noch TV-Sender.

Sorus Zeitpunkt für den Rückzug aus dem operativen Tagesgeschäft von Tiscali ist nicht ungünstig gewählt: Der sardische Online-Provider hat zwar die Gewinnschwelle noch nicht erreicht, befindet sich jedoch - wie die aktuellen Zahlen belegen - auf dem richtigen Weg dahin. So erzielte das Unternehmen im ersten Halbjahr 2003 vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) ein Plus von 33 Millionen Euro - nach einem Minus von 8,9 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Der Nettoverlust reduzierte sich von 403,8 Millionen auf 129,3 Millionen Euro. Gleichzeitig erhöhte Tiscali seinen Umsatz im Jahresvergleich um 17 Prozent auf 429,7 Millionen Euro. Der Anbieter profitierte dabei von kräftigen Zuwächsen im Breitbandgeschäft. Gleichzeitig stiegen aber auch die Einnahmen aus dem Unternehmensgeschäft um fast 60 Prozent auf 43,9 Millionen Euro.

Der drittgrößte europäische Provider nach T-Online und Wanadoo geht nun davon aus, dass bis Jahresende insgesamt 750.000 Tiscali-Kunden einen ADSL-Zugang ins Internet nutzen. Zuvor hatte das Unternehmen aus Cagliari nur 700.000 Breitband-Abonnements prognostiziert. Während Tiscali unverändert an einem Umsatzwachstum um 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr festhält, soll die EBITDA-Marge von bisher sieben auf acht Prozent ansteigen. Mit einen Nettogewinn (vor Sonderposten) rechnen die Italiener allerdings erst im Jahr 2005. (mb)