Bandbreiten-Upgrade vermeiden

Tipps zur WAN-Optimierung

05.02.2009
Eine erfolgreiche WAN-Optimierung setzt voraus, dass die Anwender ihr Verkehrsaufkommen im WAN kennen und dann den Einsatz der geeignetsten Technik abwägen.

Die Bedeutung des Themas WAN-Optimierung ist heute, im Zeitalter der IP-Kommunikation in Echtzeit, unumstritten. Allerdings ist der Leidensdruck von Unternehmen zu Unternehmen unterschiedlich. Während in Europa den Managern laut Markus Ernsten von Ipanema Technologies eher die Komplexität ihrer WANs Kopfzerbrechen bereitet, plagt sie auf den Datenverbindungen nach Asien häufig die Geschwätzigkeit des CIFS-Protokolls, was "ein Riesenthema ist", so Ernsten weiter. Und genau hier beginnen die praktischen Probleme einer WAN-Optimierung.

"Allgemein stellen die Unternehmen einen Handlungsbedarf fest, weil ihre Anwendungen nicht mehr rund laufen oder die Weitverkehrsverbindungen verstopft sind", berichtet Dietmar Schnabel, Region Director bei Bluecoat, aus der Praxis. Fälle wie eine extreme Youtube-Nutzung oder File-Sharing stechen dabei als Ursachen für einen Engpass noch relativ schnell ins Auge. "Ansonsten wissen die Unternehmen aber häufig nicht, welcher Verkehr auf ihren Netzen läuft", erzählt der Bluecoat-Manager aus dem beruflichen Alltag. Eine Erfahrung, die auch andere WAN-Acceleration-Spezialisten gemacht haben und die sich mit den Ergebnissen der Ovum-Studie "The Adaption of WAN Optimization" deckt: Von 150 Großunternehmen überwachten nicht einmal 40 Prozent die Performance ihrer Business-Anwendungen kontinuierlich.

Experten sind sich deshalb einig, dass am Anfang eines erfolgreichen Optimierungsprojekts zwei Punkte stehen sollten:

  • eine Untersuchung, wo die User der Schuh drückt,

  • sowie eine Analyse des Datenverkehrs im Netz, um zu eruieren, was wirklich übertragen wird.

Werde dies beachtet und auf die Anforderungen der Nutzer gehört, lohne sich eines solches Projekt immer, sagen Analysten und Consultants. Denn die Anwender könnten produktiver arbeiten, und die IT-Abteilung erhalte die Chance, neue Anwendungen einzuführen, ohne dass ein kostspieliges WAN-Upgrade erforderlich ist.

Der erste Schritt zu mehr Performance ist die Analyse des Netzverkehrs.
Der erste Schritt zu mehr Performance ist die Analyse des Netzverkehrs.

Deshalb empfehlen Experten wie Thomas Boele, Senior Engineer bei Riverbed, in einem ersten Projektschritt die angepeilten Optimierungsziele zu definieren, bevor versucht wird, Bandbreite freizuschaufeln. Gerade bei größeren Unternehmen und Netzen ist darauf zu achten, dass sich die Anforderungen von Standort zu Standort unterscheiden können. So kann etwa für eine Niederlassung im Ausland, die ihre Dateien vor Ort zwischenspeichert, ein kürzeres Backup-Fenster im Vordergrund stehen, während die Zweigstelle im Inland einen schnelleren Zugriff auf die zentralen File-Server fordert, da sie ihre Daten nur zentral speichert. Und die Kollegen, die auf einem anderen Kontinent arbeiten, erwarten möglicherweise eine kürzere Latenzzeit, um endlich problemlos per VoIP im Corporate Network zu telefonieren. Die zentrale IT-Abteilung will eventuell schlichtweg mehr freie Bandbreite, um ein neues CRM-System einzuführen.