Online-Videos im Business

Tipps für Web-Videos

20.02.2013 | von 
Stefan von Gagern
Stefan von Gagern ist diplomierter Medientechniker (FH) und war als Redakteur und Ressortleiter bei den Fachtiteln "Screen Busines Online" und "Page" tätig. Später lehrte er als Dozent für Medienkonzeption im Master-Studiengang "Multimedia Production" an der Fachhochschule Kiel. Heute schreibt er als freier Fachjournalist und Autor über Themen wie Publishing, Internet, Social Media und Digital Lifestyle. Parallel berät er Unternehmen bei der Konzeption und Umsetzung von Social-Media-Auftritten.
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Ob für die Unternehmenskommunikation, Produktvorstellungen oder Marketing: Nichts bringt Botschaften so elegant an die Zielgruppe wie Videos im Web. Doch nur, wenn deren Qualität stimmt. Wir geben Tipps und zeigen beliebte Stolpersteine.

Videos können Botschaften und Emotionen oft dort spielend transportieren, wo Bild und Text an ihre Grenzen kommen. Etwa wenn es darum geht, ein komplexes Produkt einfach und intuitiv in wenigen Minuten zu erklären. Oder ein Auto mitsamt der Emotion - dem wichtigsten Kriterium für oder gegen eine Kaufentscheidung - vorzustellen. Das Konsumieren von Inhalten ist gleichermaßen einfacher. "Lean back" statt "Lean forward" heißt das in der Werber-Fachsprache. Der User muss nicht lesen und Bilder betrachten - er lehnt sich zurück und ist sofort mitten in der Handlung. Ein weiterer Vorteil von Webvideos: Die Zielgruppe stößt meist aktiv und freiwillig auf sie - ganz im Gegensatz zum TV.

Videos können Produkte intuitiv und emotional erklären.
Videos können Produkte intuitiv und emotional erklären.
Foto: Stefan von Gagern / Sonos

Werbung und Branding wird oft als angenehm und im Fall von erklärenden Produktvideos auch noch als toller Service empfunden. Zudem braucht niemand ein Hollywood-Budget, um mit Videos für sein Business loszulegen. Theoretisch reichen bereits eine gute Idee und ein Smartphone für eine Web-Videoproduktion. Jedoch gibt es natürlich große Qualitätsunterschiede: Nichts ist schlimmer als peinliche Unternehmensvideos, die auch schnell den unerwünschten Gegeneffekt des massiven Imageschadens erreichen können.

Unsere Tipps helfen deshalb, die Qualität und den Erfolg sicher zu stellen.

1. Intensiv planen

Videos sind nicht nur aufwändiger auszutauschen als Text und Bilder, man sollte die knappe Geduld der Zielgruppe auch nicht mit schlecht geplanten Filmchen strapazieren (ein Klick genügt - und der Nutzer ist weg). Bestes Gegenmittel ist eine gute Planung, die sich an zwei Fragen orientieren sollte:

  • Was sind die Ziele? (zum Beispiel Produkt XY erklären, unser Alleinstellungsmerkmal darstellen, Produkte verkaufen usw.)

  • Was brauchen wir dafür? (Produkt-Prototypen, Unternehmenslogo, welche Location für den Dreh, Filmmusik etc.)

2. Klassische Entwurfstechniken nutzen

Eine klasse Anleitung für das Planen von Videos per Storyboards gibt es bei Mediamanual.at.
Eine klasse Anleitung für das Planen von Videos per Storyboards gibt es bei Mediamanual.at.
Foto: Mediamanual.at

Die Produktion guter Web-Videos unterscheidet sich eigentlich nicht von der klassischer Film- oder Videoproduktion. Eine gute Vorlage hilft auch beim Produzieren fürs Web. Drehbücher, Storyboards oder zumindest ein Konzept - wenn es zum Beispiel nur um Live-Berichte von Events geht -, geben dem Drehteam eine Vorstellung von dem, was am Ende herauskommen soll. Die textlichen Vorlagen lösen viele Probleme vor dem Dreh. Dazu gehört besonders die Planung der richtigen Länge, die Online meist knapp bemessen ist und nur wenige Minuten beträgt. Stimmungen für Werbespots lassen sich so ebenfalls schon vor der Produktion festlegen.

Textliche Beschreibungen helfen später auch bei der Suchmaschinenoptimierung oder den Anwendern, die gern per Text eine Inhaltsbeschreibung des Clips lesen möchten. Denken Sie bei der Planung von Einstellungen und Szenen, dass die Videos heute oft auf mobilen Geräten mit kleinen Bildschirmen und stark komprimiert angesehen werden. Schnelle Kameraschwenks wirken vielleicht auf einer Kinoleinwand, hier sind hingegen eher simple Einstellungen gefragt.

3. Professionell produzieren

"Es ist doch nur fürs Web" mögen viele Unternehmen denken. Schließlich zeigt Youtube doch, dass verpixelte Smartphone-Videos völlig ausreichen… Vorsicht: Gerade Unternehmen, die ein von Qualität und Professionalität geprägtes Image oder Produkte verkaufen möchten, sollten nicht an der Produktion sparen. Die Messlatte liegt hoch: Im Web erwartet das professionelle Publikum die gleiche Top-Qualität bei Bild, Ton, Schauspielern, Sprechern, Ausstattung, Beleuchtung und vielem mehr, wie sie es von anderen Produktionen gewohnt sind.

Das klingt natürlich alles andere als einfach. Wer hat schon ein dickes Budget für ein Firmenvideo? Aber es geht tatsächlich günstiger: Der Mixerhersteller Blendtec zeigt schon seit Jahren, wie man mit minimalem Budget einen Top-Hit auf YouTube landen kann - hier ersetzt Humor an vielen Stellen die teure Ausstattung; die Qualität stimmt trotzdem.

Wer eine Produktionsfirma mit viel Werbeerfahrung holt, ist im Vorteil, denn dann stimmen nicht nur Ausrüstung, Know-How, Beleuchtung und Postproduktion. Video-Profis können oft den Plot und die ganze Produktion von vornherein an den gewünschten Budgetrahmen anpassen.

4. Interaktivität nutzen

Die Idee der personalisierten Videos bei Mercedes als Mittel zur Kundenbindung, wird in dem dazu entwickelten Beispiel-Video mit den "Klitschko-Brüdern" deutlich.
Die Idee der personalisierten Videos bei Mercedes als Mittel zur Kundenbindung, wird in dem dazu entwickelten Beispiel-Video mit den "Klitschko-Brüdern" deutlich.
Foto: Stefan von Gagern / Mercedes Benz Hamburg

Was ist der große Unterschied zwischen TV und Web-Video? Richtig, der Nutzer kann mitmischen. Der vielgepredigte Rückkanal! Die simpelste Möglichkeit: Bei Gefallen kann das Publikum einen Clip kommentieren oder weiterempfehlen. Im Clip lassen sich dafür Links einblenden, die in YouTube leicht als klickbaren Flächen zum Webangebot oder anderen Clips weiterleiten. Videos können auch komplett interaktiv gestaltet werden, so dass der Betrachter selbst den Verlauf der Handlung bestimmt. Darüber hinaus ist die Personalisierung eines Videos möglich: Mercedes Hamburg beispielsweise nutzt Web-Videos als Mittel zur Kundenbindung. Jeder Käufer eines neuen Mercedes wird vor Ort fotografiert und findet sein digitales Portrait später in einem persönlichen Willkommens-Video wieder. Mit dem personalisierten Video soll der Kunde das Gefühl bekommen, offiziell in die Mercedes-Familie aufgenommen worden zu sein.

Videos können hervorragend Produkte verkaufen, wie es der Weinshop TVino.de demonstriert.
Videos können hervorragend Produkte verkaufen, wie es der Weinshop TVino.de demonstriert.
Foto: Stefan von Gagern / TVino

Eine weitere interaktive Möglichkeit für den Zuschauer stellt der Warenkauf direkt aus dem Videoclip heraus dar. Diese "Video-Commerce" getaufte Methode lässt sich gut im Wein-Shop TVino.de nachvollziehen - dort stellt ein Meister-Sommelier in Video-Episoden Weine vor, die als Einblendungen mit einem Klick in den Warenkorb gepackt werden können.

5. Mobil denken

In diesem Jahr wird das Internet endgültig mobil: Die Nutzungsdauer soll laut Studien die vom Desktop überholen. Eine wachsende Zahl von Nutzern schaut Web-Videos nunmehr auf Smartphone oder Tablet - gemütlich vom Sofa aus. Das bringt einen Haken mit sich: Da viele Web-Videos immer noch per Flash eingebunden sind, sind Mobilgeräte hier für die Anzeige außen vor. Denken Sie also an Alternativen wie eine HTML5-Variante oder eine eigene Video-App. Wem das zu aufwändig ist, pflegt zumindest seinen eigenen Youtube-Kanal.

6. Für Verbreitung sorgen

Die Firma Blendtec schaffte es mit witzig-sympathischen Videoepisoden dank viraler Power von der Fast-Pleite-Firma zum weltweiten YouTube-Hit.
Die Firma Blendtec schaffte es mit witzig-sympathischen Videoepisoden dank viraler Power von der Fast-Pleite-Firma zum weltweiten YouTube-Hit.
Foto: Stefan von Gagern / Blendtec

Das Video ist fertig, toll geworden und steht jetzt auf der eigenen Unternehmens-Website. Ein paar Besucher werden es sicher dort auch finden. Doch wer sein Werk jetzt nicht bewirbt, verschenkt eine Menge Reichweite und Wirkung. Bei originellen Inhalten können virale Effekte Videos verbreiten wie ein Lauffeuer. Das beste Beispiel ist die bereits erwähnte Firma Blendtec. Diese hat nur ein Produkt im Programm: einen schwer verkäuflichen Haushaltsmixer, der so ziemlich alles zerkleinern kann. Als es schlecht für die Firma aussah, kam ein findiger Marketing-Mitarbeiter auf die Idee, Video-Episoden zu drehen, in dem alles Mögliche - vom Golfschläger bis zum neuen iPhone - im Mixer geschreddert wird. Die Episoden schafften es an die Spitze der YouTube-Hitlisten. Blendtec ist heute weltweit bekannt und verkauft 700 Prozent mehr Produkte.

Laden Sie das Video auf YouTube und andere Portale wie Vimeo hoch. Vergessen Sie dabei nicht die Suchoptimierung mit Stichwörtern und Beschreibungen. Ist ein Podcast auf iTunes möglich? Posten Sie Links zu den Videos auf Facebook und Twitter. Unter dem Video sollten sich auch auf Ihrer Website Buttons zum Weiterempfehlen befinden. Erlauben Sie Kommentare. Nutzen Sie bestehende Kommunikationskanäle wie RSS-Feeds, Newsletter, Pressemappen und Co. Denken Sie - wenn sinnvoll - über eine Schaltung des Videos als Werbung in Kino, TV und auf YouTube nach. (sh)

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Der Autor

Stefan von Gagern ist diplomierter Medientechniker (FH) und war als Redakteur und Ressortleiter bei den Fachtiteln "Screen Busines Online" und "Page" tätig. Später lehrte er als Dozent für Medienkonzeption im Master-Studiengang "Multimedia Production" an der Fachhochschule Kiel. Heute schreibt er als freier Fachjournalist und Autor über Themen wie Publishing, Internet, Social Media und Digital Lifestyle. Parallel berät er Unternehmen bei der Konzeption und Umsetzung von Social-Media-Auftritten.
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