Zwölf Monate Zeit einkalkulieren

Tipps für Führungskräfte auf Stellensuche

Renate Oettinger ist Diplom-Kauffrau Dr. rer. pol. und arbeitet als freiberufliche Autorin, Lektorin und Textchefin in München. Ihre Fachbereiche sind Wirtschaft, Recht und IT.

Zu ihren Kunden zählen neben den IDG-Redaktionen CIO, Computerwoche, TecChannel und ChannelPartner auch Siemens, Daimler und HypoVereinsbank sowie die Verlage Campus, Springer und Wolters Kluwer.
Wie Manager einen neuen Job finden und warum sie sich dabei oft selbst im Weg stehen, beschreibt Andreas Wollny.

Die Adensam Personalberater, Ludwigshafen, ermittelte anhand von Managerbiografien, wie mittlere und obere Führungskräfte bei der Suche nach einer neuen Stelle vorgehen sollten.

"Das wird schon gut gehen. Irgendeine gleichwertige Stelle werde ich schon finden." Nach dieser Maxime agieren Führungskräfte, die in ihren Unternehmen eine exponierte Position innehaben, oft, wenn sich bei ihnen ein Stellenverlust anbahnt - unabhängig davon, ob es sich bei ihnen um Geschäftsführer von mittelständischen Unternehmen oder Bereichsleiter von Konzernen handelt.

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Ein Grund für ihre Zuversicht ist: Sie hegen meist viel Vertrauen in ihr berufliches Netzwerk. Oft zur Unrecht! Zu diesem Ergebnis kam die Adensam Die Personalberater GmbH, Ludwigshafen, bei einer Analyse der beruflichen Biographien von 87 Führungskräften, die vor ihrer Entlassung eine Top-Position in ihrem Unternehmen innehatten und im Zeitraum August 2008 bis Juli 2009 auf Stellensuche waren.

Dabei zeigt sich unter anderem: Obere Führungskräfte registrieren es meist früh, wenn die Zeit reif für einen Wechsel wäre. Zum Beispiel, weil sich im Unternehmen weitreichende Veränderungen ankündigen. Doch oft nehmen sie dann nicht konsequent genug ihr berufliches Schicksal in die Hand. Für das Abwarten nannten die Manager laut Frank Adensam, Geschäftsführender Gesellschafter der Adensam Die Personalberater GmbH, Ludwigshafen, oft folgenden Grund: Ihnen waren bezüglich eines aktiven Sich-Bewerbens weitgehend die Hände gebunden. Zum Beispiel, weil ihr Arbeitgeber nicht zu früh von ihren Absichten erfahren durfte. Oder weil das Bekanntwerden ihrer Intention für das Unternehmen schädlich gewesen wäre. Oder weil sie aufgrund ihrer Position in der Branche jeder kannte.

Deshalb ließen die Betroffenen zuweilen Monate tatenlos verstreichen. Und oft trösteten sie sich mit dem Gedanken: Wenn das endgültige Aus kommt, erhalte ich zumindest eine hohe Abfindung. Also habe ich dann noch ausreichend Zeit, mir eine neue Stelle zu suchen.

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