Softwareentwicklung als IT-Service

Tipps für erfolgreiches Offshoring

15.05.2013 | von 
Bernhard Steppan
Bernhard Steppan schreibt auf Computerwoche zu den Themen Software-Infrastruktur und IT-Strategie. Als IT-Architekt verfügt er über 20 Jahre IT-Erfahrung. Bernhard Steppan ist Leading Consultant bei SYRACOM Consulting AG und arbeitet hauptsächlich im JEE und SOA-Bereich. Er hat zahlreiche Artikel und Bücher verfasst. Anfang 2015 erscheint sein neuestes Buch über RCP-Programmierung im  Hanser Verlag
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In der Softwareentwicklung gilt Offshoring als kosteneffizient und flexibel. Lesen Sie, wann sich Offshoring lohnt und was es bei dieser Form des Outsourcing zu beachten gibt.
Foto: violetkaipa, Shutterstock.com

Ein Outsourcing der Softwareentwicklung kann für mehr Kostentransparenz und Flexibilität sorgen. Im Offshoring, einem Spezialfall des Outsourcing, versprechen sich Unternehmen neben diesen Vorteilen zusätzlich auch starke Kosteneinsparungen. Betriebe, die also überlegen, ihre Softwareentwicklung ins Ausland zu verlagern, sollten zunächst den Hauptvorteil des Offshoring im Vergleich zum Outsourcing verifizieren: die Kosteneinsparungen.

Grobkalkulation der Kosten vornehmen

Über Kosteneinsparungen lässt sich nur diskutieren, wenn man weiß, von welchem Volumen bei der Softwareentwicklung auszugehen ist. Dazu sind zunächst folgende Fragen zu beantworten:

Welche Teile der Softwareentwicklung können überhaupt ausgelagert werden?

Welche Teile der Softwareentwicklung behält ein Unternehmen aus strategischen und sicherheitsbedingten Überlegungen im Haus?

Erst wenn diese Fragen geklärt sind, kann im Dialog mit einem Offshoring-Experten sondiert werden, ob sich Offshoring lohnt. Dabei ist unbedingt darauf zu achten, dass auch versteckte Kosten berücksichtigt werden. Solche Kosten sind zum Beispiel die Abfindung interner Mitarbeiter, Offshore-Beratungsleistung, Reisen zum Entwicklungsteam, Wartungskosten, Entwicklertests und nicht zuletzt die Programmdokumentation (Konzept und Sourcecode). Gerade die Beurteilung und Preisfindung für eine gute Dokumentation ist alles andere als trivial. Was hilft eine kostengünstige Entwicklung, wenn die Wartungskosten nach kurzer Zeit explodieren, weil niemand mehr den Programmaufbau nachvollziehen kann?

Bei der Kostenkalkulation ist ferner zu beachten, dass der deutsche Markt auf den Preisdruck durch Offshoring reagiert hat. So arbeiten einige hiesige Software- und Beratungshäuser zum Beispiel mit einer "verlängerten Werkbank" im näheren Ausland. Sie lagern also selbst Teile der Entwicklung aus, bieten Kunden damit günstigere Preise und nehmen ihren Kunden den kritischen Prozess der Auslagerung ab. Andere Softwarehäuser haben sich wiederum darauf spezialisiert, einfache, wiederkehrende Probleme kostengünstiger mit der Hilfe von Softwaregeneratoren zu lösen. Alles in allem bedeutet das, dass viele Programmierarbeiten auch hierzulande nicht unbedingt extrem teuer sein müssen. Zu bedenken ist außerdem, dass der Kommunikation eine Schlüsselrolle zufällt. Hier haben deutsche Anbieter, die mit Offshore-Partnern arbeiten, einen Vorteil, weil die so kritische Kommunikation vorwiegend in deutscher Sprache abläuft.

Risiken im Offshoring

Ist die Entscheidung für das Offshoring der Softwareentwicklung gefallen, stellt sich unmittelbar die Frage nach dem Auslagerungsprozess sowie dessen Steuerung. Zu bedenken ist, dass Offshoring natürlich sozialen Sprengstoff birgt, weil es zum Abbau von Arbeitsplätzen führt. Deshalb ist unbedingt die Beratung eines Rechtsspezialisten erforderlich, der klären muss, ob und inwieweit betriebsbedingte Kündigungen überhaupt zulässig sind. Ist ein Betriebsrat vorhanden, muss dieser selbstverständlich informiert werden.

Im Zuge des Auslagerungsprozesses muss auch unter Berücksichtigung der Aspekte Betriebsteilstilllegung, Kündigungsschutz und Sozialauswahl entschieden werden, welche Mitarbeiter das Unternehmen verlassen sollen und wer im Betreib verbleibt, um das Offshoring zu steuern. Es ist aber davon auszugehen, dass verbliebene Mitarbeiten nicht besonders motiviert sind, die Maßnahmen pro Offshoring mitzutragen. Aber gerade nach dieser Entscheidung werden verlässliche Spezialisten benötigt, die die Schnittstelle zum Offshoring-Dienstleister bilden. Alle Personalentscheidungen haben deshalb einen starken Einfluss auf die Rentabilität des Offshorings.

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Der Autor

Bernhard Steppan ist als IT-Berater und IT-Architekt in Wiesbaden tätig. Er verfügt über langjährige Erfahrung im Offshore-Bereich.
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