Transportbörse setzt auf Glasfaser

Timocom realisiert ausfallsichere ITK-Infrastruktur

Dieter Hoffmann ist freier Journalist in Mainz.
Eine ständige Verfügbarkeit der eigenen Webseite ist für Timocom, dem Betreiber einer Tauschbörse für Frachten, ein Grundvoraussetzung. Dementsprechend viel Wert legt das Unternehmen auf ein redundante Infrastruktur.
Neben seiner Online-Transportbörse bietet TimoCom auch eine Ausschrei-bungsplattform.
Neben seiner Online-Transportbörse bietet TimoCom auch eine Ausschrei-bungsplattform.
Foto: Timocom

Der geschäftliche Erfolg der Timocom Soft- und Hardware GmbH basiert auf einer Grundvoraussetzung: ihre Dienste müssen rund um die Uhr verfügbar sein. Das in Düsseldorf ansässige Unternehmen bietet auf seiner Webseite eine Tauschbörse für Frachten sowie eine Plattform für Transport-Ausschreibungen. Beides wird europaweit genutzt, doch das Internet ermöglicht nicht nur ein räumlich unbegrenztes Angebot, sondern erfordert auch eine zeitlich uneingeschränkte Verfügbarkeit. Timocom, das Unternehmen begann 1997 als Start-up und entwickelte sich einem mittelständischen Unternehmen mit 400 Mitarbeitern, beschloss aus diesem Grund, eine hochverfügbare ITK-Architektur auf dem aktuellen Stand der Technik zu schaffen.

Besonders die Spiegelung zweier räumlich getrennter Rechenzentren sind die Basis, um hunderttausende von Fracht- und Laderaumangeboten für 85.000 Nutzer in 44 Ländern Europas jederzeit zugänglich zu halten. Dabei werden jährlich Aufträge mit einem Volumen von über 500 Millionen Tonnen Fracht vermittelt. Nach eigenen Angaben betreibt das Unternehmen heute eine der größten Börse Europas zur Vermittlung von Frachtraum und Ladungen. Das Internet-Unternehmen benötigt hierzu eine Infrastruktur, die sein Geschäftsmodell absichert. Wenn die Webseite nicht erreichbar ist, bedeutet dies nicht nur finanzielle Einbußen, es kann auch schnell zu einer Existenzfrage werden.

Physische und informationstechnische Vorkehrungen sorgen für Sicherheit und ständige Verfügbarkeit: Blick in den Serverraum.
Physische und informationstechnische Vorkehrungen sorgen für Sicherheit und ständige Verfügbarkeit: Blick in den Serverraum.
Foto: Timocom

Timocom hatte lange Zeit ein regelmäßiges Backup seines Systems in ein Rechenzentrum in Hamburg durchgeführt. Mit dem technischen Fortschritt und der steigenden Nutzung des Angebots entwickelte sich die Forderung, eine leistungsfähigere und solide technische Basis einzurichten. "Aufgrund der gestiegenen Verfügbarkeitsanforderung war ein reines Backup-Rechenzentrum nicht mehr ausreichend", erklärt IT-Leiter Marco Haack. Wie sich darüber hinaus zeigte, war die geographische Entfernung zum Backup bei akut nötigen Arbeiten an den ITK-Systemen zu groß. "Wir beschlossen, ein Metrocluster einzurichten. Durch eine synchrone Spiegelung in zwei unabhängigen Rechenzentren wollten wir eine redundante Infrastruktur schaffen, die uns einerseits Sicherheit, andererseits die Möglichkeit gibt, den Betrieb weitgehend mit eigenen Mitteln durchzuführen", ergänzt Haack. Das Herzstück ist die Verbindung des Netzes und seiner Elemente mittels WDM (Wavelength Division Multiplexing) und LWL (Lichtwellenleiter).

An erster Stelle der Anforderungen steht die Ausfallsicherheit. Das Internet ist ebenso schnelllebig wie die Transportbranche, als maximal erträgliche Zeitspanne, während der den Nutzern das Angebot nicht zur Verfügung stehen könnte, gelten bei Timocom fünf Minuten. Eine maximale Leistungsfähigkeit der Datenverbindungen bei angemessenen Kosten war ebenso ein Auswahlkriterium wie die Fähigkeit, eine Ringverbindung zwischen den Standorten in Düsseldorf aufzubauen. Darüber hinaus wurde vorausgesetzt, die eigenen Provider problemlos integrieren und ständig neue Anbindungen einrichten zu können, wozu im Bedarfsfall auch der schnelle Austausch der Carrier gehört. Hinsichtlich der Redundanz war auch an deren wirtschaftliche Unabhängigkeit voneinander zu denken. Schließlich erwartete Timocom die nötige Lösungskompetenz für die Realisierung des Projekts. Dessen Komplexität zeigt sich etwa darin, dass ein gutes halbes Dutzend Anbieter mit einzubinden waren, von Hard- und Softwarelieferanten bis hin zu den Betreibern von Rechenzentren und Telefongesellschaften sowie Internet-Providern. Letztlich entschieden sich die Düsseldorfer für euNetworks mit Hauptsitz in Frankfurt am Main. Das Unternehmen betreibt eine eigene Glasfaserinfrastruktur und ermöglicht unter anderem die Spiegelung von LANs und SANs.

Redundanz durch Kopplung der Systeme im internen und im externen Rechenzentrum sorgt für Ausfallsicherheit.
Redundanz durch Kopplung der Systeme im internen und im externen Rechenzentrum sorgt für Ausfallsicherheit.
Foto: Timocom

Timocom betreibt seine Software in einem eigenen Rechenzentrum, das mit Klimaräumen und unterbrechungsfreier Stromversorgung ausgestattet ist. Eine identische Installation einschließlich Applikationsserver und Datenbank befindet sich in einem Rechenzentrum des Anbieters Equinix in Düsseldorf. Die 15 Kilometer zwischen beiden werden durch eine Ringleitung überbrückt. Eine Ethernet- und eine Fibre-Channel-Leitung dienen der Spiegelung für LAN und SAN (Storage Area Network). Eine weitere Leitung stellt die Verbindung mit dem Internet her. Jeweils redundante WDM-Systeme von ADVA steuern die Kopplung der Rechenzentren über die optische Verbindung. Der kaskadische Aufbau der Multiplex-Systeme hält noch Reserven beziehungsweise Wellenlängen für künftig wachsende Datenvolumina bereit. Eine im externen Rechenzentrum angebundene Leitung verbindet beide Standorte über Ethernet (VPLS) mit dem Internetknoten Decix in Frankfurt, so dass selbst beim Totalausfall eines Rechenzentrums die gespiegelte Installation innerhalb von Sekunden übernehmen kann. Die Voraussetzung für das automatische Umschalten zwischen beiden Standorten ist die sehr niedrige Latenzzeit der LWL-Verbindung.

Der Umsetzung des Projekts ging eine detaillierte Planung voraus. Die Grundlage wurde durch eine Bedarfsermittlung geschaffen, die laut IT-Leiter Haack nur sein Unternehmen vornehmen konnte: "Nichts spricht gegen eine gute Beratung durch die Anbieter, aber letztlich kann man dies nur selbst richtig einschätzen." Dabei sei es gerade für ein zügig wachsendes Unternehmen wichtig, die Infrastruktur so einzurichten, dass sie leicht skalierbar ist. Auch sollte das System möglichst einfach gehalten und auf die Hauptanforderungen ausgerichtet werden. So hat Timocom bewusst auf "Fibre Channel over Ehernet" verzichtet und die Lösung mit einer Leitung für TCP/IP und der zweiten mit FCP (Fibre-Channel-Protocol) vorgezogen. Die Reduktion der Komplexität erlaubt es, Aktualisierungen mit wenig Aufwand vornehmen sowie Tests und Notfallpläne selbst durchspielen zu können. Dies reicht von Einzelheiten wie Leitungsbezeichnungen und Schaltplänen bis hin zu Szenarien wie dem Simulieren eines Totalausfalls, um das automatische Umschalten der Rechenzentren zu prüfen. Wie so oft steckt auch hier der Teufel im Detail, erklärt Haack an einem Beispiel: "Notfallpläne nützen wenig, wenn sie sich auf dem Storage-System oder in der Cloud befinden."

Zur Vorbereitung des Projekts gehörte auch eine Prüfung der verfügbaren Technologien. Dazu zählen etwa VPN oder eine Verbindung über MPLS (Multi Protocol Label Switching). Beide wären finanziell günstiger, haben jedoch den Nachteil, dass sie als "shared medium" Angriffen durch Hacking ausgesetzt sein können. Für die Kopplung der Rechenzentren erschien eine dedizierte Glasfaserleitung zwar als die kostspieligere, aber auch sicherste Lösung. Darüber hinaus sind deren geringe Latenz- und Laufzeiten besonders für die SAN-Strecke unabdingbar. Um dies sicherzustellen, sollte die Funktionsfähigkeit der Komponenten verschiedener Hersteller getestet sein; so sind die Geräte von ADVA etwa für die bei Timocom eingesetzte Hardware zertifiziert. Schließlich warnt Haack davor, sich zu schnell auf Trends einzulassen: So ist ein Outsourcing wohl zu überlegen. Für den Metrocluster kamen etwa keine Angebote in Frage, bei denen der Support über Callcenter vermittelt werden sollte. Hier sollte man laut Haack den Fehler vermeiden, am falschen Ende zu sparen. Es sei weit vorteilhafter, durch eine gute Bedarfsanalyse die Ausgaben zu begrenzen statt den Rotstift etwa bei den Wartungsverträgen anzusetzen, kommentiert der IT-Experte: "Nichts ist teurer als der Ausfall der Infrastruktur."

Rückblickend stellt Haack fest, dass die eigenen Vorstellungen bei der Projektrealisierung weitgehend erfüllt wurden: "Ein sicherer Betrieb, kurze Zugriffszeiten auf das Rechenzentrum, zuverlässige Anbindungen - die wichtigen Anforderungen sind alle erfüllt." Die Wartung der WDM-Infrastruktur erfolgt per Remote Control durch euNetworks. Auch mit dessen Service ist Haack zufrieden: "Wenn wir zusätzliche Anforderungen haben, werden diese sofort umgesetzt, Wartezeiten sind uns unbekannt." (hi)