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"The Great Firewall" mal wieder ein Stück höher

Tibet: China zensiert Google News und YouTube

17.03.2008
Angesichts des aktuellen Aufstands in Tibet hat die chinesische Regierung ihre Zensur des Internets verschärft.

Unter anderem ist im "Reich der Mitte" derzeit kein Zugriff auf Google News und die gleichfalls zu Google gehörende Video-Seite YouTube möglich. China will offensichtlich verhindern, dass Bewegtbilder der Unruhen in mehrere tibetischen Städten, darunter der Hauptstadt Lhasa, an die Weltöffentlichkeit gelangen.

Eine junge Tibeterin macht ein Friedenszeichen. (Q: Wikimedia Commons)
Eine junge Tibeterin macht ein Friedenszeichen. (Q: Wikimedia Commons)

Nach Angaben der tibetischen Exilregierung hat der Aufstand schon mehr als 80 Todesopfer gefordert. Die Demonstrationen in Lhasa begannen am 10. März zum Gedenken an den Tibetaufstand aus dem Jahr 1959, infolgedessen das spirituelle Oberhaupt, der Dalai Lama, nach Indien geflohen war. China hatte Tibet in den 1950er Jahren gewaltsam annektiert. Die Zugehörigkeit Tibets zur Volksrepublik China ist in der breiten Öffentlichkeit umstritten, obwohl es weltweit keinen Staat gibt, der dies auf diplomatischer und politischer Ebene offiziell in Frage stellt.

In der Volksrepublik China gibt es bis auf die Sonderverwaltungszonen Hongkong und Macao keinen freien Zugang zum Internet. Zur Kontrolle der Netzverbindungen hat das Ministerium für Öffentliche Sicherheit in Peking ein gigantisches Filtersystem errichten lassen, dass außerhalb Chinas in Anspielung auf die Chinesische Mauer als "The Great Firewall" bezeichnet wird.

Mit der "Great Firewall" sperren die Machthaber in Peking zum einen gezielt unliebsame Webangebote wie jetzt auch YouTube, das Filme aus Tibet verbreitet, oder routinemäßig die Nachrichten des britischen Senders BBC und Webseiten von Menschenrechtsgruppen. Um einen Zugriff unmöglich zu machen, wird unter anderem verhindert, dass Browser-Eingaben mit einem sogenannten Domain Name Server (DNS) in die technisch notwendige Zieladresse in Form einer IP-Adresse (212.58.251.202) übersetzt werden. Gleichzeitig wird der Zugriff auf diese Server-Adressen blockiert, so dass Internet-Anwender auch mit der direkten Eingabe der IP-Adresse nicht zum Ziel kommen. Die beiden Methoden, DNS-Filter und IP-Blocker, sind technisch gesehen vergleichsweise einfach umzusetzen.

Mit einem deutlich höheren Aufwand versuchen die chinesischen Behörden aber auch kleinere und weitgehend unbekannte Internet-Angebote zu blockieren. Dazu werden nicht nur die Webadressen (URL) nach Schlüsselwörtern wie Tibet untersucht. Der Filter erfasst den gesamten Netzverkehr, der in den Datenpaketen des Internet-Protokolls TCP/IP erfolgt. Damit scannt die "Great Firewall" nicht nur den Aufruf von Webseiten (Protokoll HTTP), sondern auch Dateiübertragungen (FTP) oder die Übertragung von E-Mails (POP).

Von besonderer Bedeutung für die Internet-Zensur in China sind Suchmaschinen. Wie der heimische Anbieter Baidu unterwerfen sich auch ausländische Unternehmen wie Google einer umstrittenen Selbstzensur, in dem sie eigenhändig systemkritische Inhalte aus den Suchergebnissen herausfiltern, um in China weiterhin Geschäft machen zu können. (tc)