Thin Clients - reif für große Aufgaben

Ludger Schmitz ist freiberuflicher IT-Journalist in Kelheim. Er ist spezialisiert auf Open Source und neue Open-Initiativen.
Gegen den Branchentrend verdienen die Anbieter von Thin Clients prächtig. Mehrere Faktoren haben dazu beigetragen, dass Server-based Computing seit wenigen Jahren attraktiv geworden ist.

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  • welchen Absatzboom die Thin-Client-Anbieter derzeit erleben;

  • auf welche Faktoren diese Entwicklung zurückzuführen ist;

  • was unverändert die Verbreitung von Thin Clients behindert.

Die Hersteller von Thin Clients verdienen gut. Um mehr als 20 Prozent gestiegene Umsätze und mehr als 30 Prozent Plus bei den Gewinnen sind nicht die Ausnahme, sondern die Regel. Das hat sicher mit einer relativ bescheidenen Basis zu tun: Weltweit wurden im vergangenen Jahr nach Angaben von IDC gerade einmal 1,6 Millionen Thin Clients verkauft. Doch die Marktforscher erwarten für die Jahre bis 2009 Zunahmen zwischen 18 und 26 Prozent. Auch eine Prognose von Gartner stimmt dem zu: "Das Wachstum der Thin-Client-Auslieferungen wird weltweit bis 2006 im Durchschnitt 20 bis 25 Prozent betragen."

Dieser Erfolg hat mehrere Gründe. Thin Clients sind die logische Folge des "Server-based Computing" (SBC). Nach diesem IT-Konzept liegen auf einem zentralen System alle Applikationen und alle Daten, während auf den Client-Endgeräten idealerweise keine lokalen Speicher und nur eng eingeschränkte Schnittstellen vorhanden sind, um Daten zu exportieren oder zu importieren. Es gibt nach der reinen Lehre keine Möglichkeiten, unter Umgehung des Servers Anwendungen auf den Thin Clients zu starten.

Das unterscheidet Thin Clients von PCs. "Personal Computer sind ein offenes Scheunentor", bringt es Andreas Jung, stellvertretender Geschäftsführer des Distributors Esesix, einst Hersteller der inzwischen von Neoware aufgekauften Thin-Client-Reihe "Thintune", auf den Punkt. "Ein PC erfordert viel teurere und personell aufwändigere Sicherungsmaßnahmen als ein Thin Client."

Kaum günstiger als PCs

Die Anbieter der smarten Endgeräte haben noch mehr Argumente: Das erste heißt Total Cost of Ownership (TCO) - und ist auf den ersten Blick nicht überzeugend. Thin Clients kosten zwischen 200 Euro in der Einstiegsklasse und 550 Euro für ein Modell mit gehobener Ausstattung. "Die Preisunterschiede zwischen PCs und Thin Clients sind marginal", gibt unumwunden Wolfgang Stähle zu, General Manager Europa, Naher Osten und Afrika beim weltweit führenden Hersteller Wyse.