Ein Blick auf die Tech-Trends

The Next Big Thing

Oliver Blüher ist  Geschäftsführer  für  Deutschland,  Österreich,  Schweiz  sowie  die skandinavischen  Länder  bei  Dropbox.  Er  ist  für  die  Führung  der  laufenden  Geschäfte sowie  für  Vertrieb,  Marketing  und  Partnerschaften  zuständig.  Dazu  gehört  neben  der Weiterentwicklung  des  Privatkundengeschäfts  insbesondere  der  Ausbau  des  B2B-Geschäfts mit den Produktlinien Dropbox Business und Dropbox Enterprise. Bevor er zu Dropbox kam, war Oliver Blüher als Mitglied der Geschäftsleitung verantwortlich für das Geschäft  mit  Cloud und Line  of Business  Solutions  bei SAP  Deutschland. Zuvor war er bei der SAP als Chief Operating Officer für die Region Russland und GUS sowie als Chief of Staff für den CEO tätig.
Neues Jahr, neue Trends: Die technologische Agenda 2016 von Forrester, Gartner und Co. ist lang. Doch was steckt genau hinter den Top-Themen? Und gibt es einen gemeinsamen Nenner?

Jedes Jahr wirft die Techbranche gern einen Blick auf die Megatrends und großen Branchenentwicklungen. Prognosen und Vorhersagen stehen hoch im Kurs. Alles dreht sich um "The Next Big Thing".

Ein großes Netzwerk von Menschen und Maschinen. In diese Richtung blicken die Analysten.
Ein großes Netzwerk von Menschen und Maschinen. In diese Richtung blicken die Analysten.
Foto: Rachael Arnott - www.shutterstock.com

Für Forrester rücken die Themen Konnektivität und Customer Experience in den Fokus. Gemäß den US-Analysten befinden wir uns heute im Zeitalter des hypervernetzten Kunden, der durch das Internet, mobile Geräte und Social Media so vernetzt und mobil ist wie nie zuvor. Im sogenannten "Age of the Customer" müssten sich Innovationen komplett auf den Kunden ausrichten, so Forrester.

Gartner malt ein ähnliches Bild für die Zukunft. In einem ultimativen Endgeräte-Netzwerk, dem sogenannten "Device Mesh", müssen Anbieter von Services und Gadgets die Interoperabilität dieses "Mischmasches" aus Smartphone, iPad, Wearables, und Geräten für das vernetzte Zuhause sicherstellen. Dabei komme es im Zeitalter des "Information of Everything" darauf an, Informationen in ihrem Kontext und nicht mehr isoliert zu betrachten.

Größter wirtschaftlicher Wandel seit dem 19. Jahrhundert

Das deutsche Analystenhaus Crisp Research reiht sich zu den US-Kollegen ein und spricht von einer wachsenden "Machine Intelligence" im "Age of Understanding", einer Ära der super-intelligenten und super-mobilen IT. Auch Accenture hat kürzlich seine Trend-Prognose für 2016 vorgestellt. Für die IT-Consultants dreht sich alles um die fünf Pfeiler: Automation, digitale Plattformen, vorhersehbare Disruption, "Liquid Workforce" und digitales Vertrauen.

Die Umfrage von weltweit mehr als 3.100 Business- und IT-Entscheidern hat ergeben, dass die große Mehrheit (86 Prozent der Befragten) in den kommenden drei Jahren Veränderungen erwartet, die schneller und tiefgreifender sein werden als je zuvor. Spannendes Detail: Führende Unternehmen nutzen plattformbasierte Geschäftsmodelle aus der Cloud, um neue Geschäftszweige zu erschließen. Damit treiben sie laut Accenture den größten wirtschaftlichen Wandel seit der industriellen Revolution voran.

Super-mobil, super-digital, super-vernetzt

Für die Analysten-Häuser ist klar: Unsere Zukunft wird hyper-mobil, hyper-digital, hyper-vernetzt. De facto ist sie die logische Fortführung einer Entwicklung, die bereits Mitte der Neunziger Jahre ihren leisen Anfang unter dem in die Jahre gekommenen Begriff der Konvergenz hatte - und heute unter prominenten Buzzwords wie Mobile Cloud und Ubiquituous Computing für Schlagzeilen sorgt. Das Learning für die Zukunft ist wohl: "Alles" produziert Daten. Schon heute verdoppelt sich das weltweite Datenvolumen alle zwei Jahre. Bis 2020 ist laut aktuellen Studien mit einem globalen Datenvolumen von 44 Zettabyte zu rechnen - eine Zahl mit 21 Nullen, deren Dimension und Konsequenz sich umso mehr entfaltet, wenn man sie auf den einzelnen Datenbyte runterrechnet: 44.000.000.000.000.000.000.000 Bytes!

"Information of Everything" ohne die Cloud?

Durch die Informationsflut der vergangenen zwei Jahrzehnte müssen IT-Verantwortliche in deutschen Unternehmen schnell reagieren, um ihre traditionelle Infrastruktur auf den neuesten Stand zu bringen. In einer Umgebung, in der alles und jeder Daten produziert, sind das intelligente Management und der simple und sichere Austausch von Daten ein alles beherrschender und zugleich herausfordernder Megatrend. In diesem Zusammenhang wird Cloud Computing eine wesentliche Rolle zuteil.

Während noch im Jahre 2009 drei von vier IT-Entscheidern die Cloud tatsächlich kein Begriff war, greifen mittlerweile mehr als 80 Prozent der deutschen Unternehmen mit mehr als 100 Mitarbeitern auf den Speicher aus der Wolke zurück. Der IDC Worldwide Content Collaboration Forecast 2015-2019 geht von einem Wachstum von 23,1 Prozent für den Cloud Content und Collaboration Markt bis 2019 gegenüber 0,9 Prozent (!) Wachstum für den On-Premise-Markt.

Die Relevanz der Cloud als disruptiver Megatrend wird umso deutlicher bei den folgenden Fragen: Wie würde die Welt heute ohne das Internet, ohne das Smartphone und eben ohne die Filehosting-Technologie aussehen? Und wäre die Vision von Gartner von einer hypervernetzten IT in einem Zeitalter des "Information of Everything" ohne die Cloud tatsächlich möglich? Die Antwort auf die letzte Frage lautet mit 99,9 Prozentiger Wahrscheinlichkeit: Nein. (bw)