Test: Linux-Frontend Gnome gibt Gas

Schulze ist freier Autor der Website CIO.de und dem CIO-Magazin.
Neue Desktop-Lösung startet erheblich schneller als die Vorgängerversion.

Mit dem Gnome-Release 2.14 wurden manche Schwächen des Desktops beseitigt und auch einige neue Funktionen integriert. Alte Tugenden - oder je nach Standpunkt Ärgernisse - finden sich ebenso wieder.

Gnome per Tastatur

Auch in der neuen Version kommt man um einige Tastatur-Short-Cuts nicht herum:

Strg+L Direkte Zieleingabe im Datei-Manager.

Strg+H Zeigt versteckte Dateien an.

Strg+R Aktualisiert die Ansicht.

Strg+T Verschiebt ein Objekt in den Mülleimer.

Strg+F Startet die Dateisuche.

Strg+N Legt ein neues Verzeichnis an.

Strg+M Eine Verknüpfung zum markierten Objekt anlegen.

Alt+ Pfeil nach oben In das nächsthöhere Verzeichnis wechseln.

Alt+Pos1 In das Home-Verzeichnis wechseln.

Auffällig für den geübten Gnome-User ist zunächst der beschleunigte Start. Hier konnte das Entwicklerteam gegenüber der Vorversion 2.12 viel Boden gutmachen. Der neue Gnome wird nach dem Einloggen in wenigen Sekunden geladen. Auch reagiert der Desktop nun agiler auf Mausbefehle: Das Hauptmenü baut sich nun viel rascher auf. Auch starten viele Anwendungen nun merklich schneller.

Sehr viel hat sich auch bei den integrierten Anwendungen selbst getan. Beim Groupware-Client "Evolution" 2.6 haben die Entwickler die Annäherung an Microsofts "Outlook" weiter vorangetrieben und eine Notizfunktion integriert. Gerade Umsteiger von Windows mussten sich oft erst daran gewöhnen, dass Notizen unter den bisherigen Gnome-Umgebungen nicht direkt in Evolution angelegt und bearbeitet werden konnten, sondern nur mit - teilweise sehr mächtigen - Werkzeugen wie "Tomboy". Und auch für Besitzer eines Palm gibt es hier gute Nachricht: Die Synchronisations-Conduits wurde um die neue Notizfunktion erweitert.

VoIP-Unterstützung

Ebenfalls neu in Evolution ist die Unterstützung öffentlicher Kalender über das CalDAV-Protokoll. Dieses kommt inzwischen bei vielen Groupware-Servern wie zum Beispiel "Hula" zum Einsatz.

Viele Benutzer dürften sich ebenso über die neue Anwendung "Ekiga" freuen, die Weiterentwicklung von "Gnome Meeting". Ekiga ist im Gegensatz zu seinem Vorgänger ein Voice-over-IP-Client, der die Protokolle H.323 und SIP beherrscht. Gnome Meeting dagegen war auf Videokonferenzen mit H.323 spezialisiert.

Bessere Desktop-Suche

Zwar war die Suchmaschine Beagle bereits Bestandteil von Gnome 2.12, doch hatte die darin enthaltene Programmversion noch einige Kinderkrankheiten. Beagle ist nun ein integraler Bestandteil des Desktops. Wie gewohnt kann die Suche aus dem Datei-Manager "Nautilus" heraus mit der Tastenkombination Strg+F gestartet werden.

Auch Administratoren profitieren vom neuen Gnome:Die Entwickler haben das Partitionierungs-Frontend "Gparted" in die Systemwerkzeuge integriert. Das Tool ermöglicht das bequeme Anlegen und Editieren von Partitionen. Lediglich über LVM (Logical Volume Manager) verwaltete Festplattenbereiche lassen sich nicht mit Gparted bearbeiten.

Die PC-Verwaltung wurde durch grafische Werkzeuge verbessert. Gnome 2.14 besitzt einen Lockdown-Editor namens "Pessulus", mit dem bestimmte Funktionen für die Benutzer vom Administrator komfortabel gesperrt werden können.

Profileditor

Damit lässt sich zum Beispiel festlegen, ob die Benutzer den Rechner herunterfahren können, welche Protokolle der Web-Browser benutzen darf und welche Applets den Usern zur Verfügung stehen. Neu an Bord ist auch ein Profileditor ("Sabayon"), der die Einrich- tung von Benutzerprofilen erleichtert.

Allen Neuerungen zum Trotz sind auch in der aktuellen Version Merkmale enthalten, an denen sich die Geister schon seit geraumer Zeit scheiden. Dazu gehört die Benutzung des Datei-Managers Nautilus: Es ist beispielsweise noch immer nicht möglich, in der Listenansicht mehrere Dateien oder Ordner durch Aufziehen eines Rahmens mit der Maus zu markieren. Dies funktioniert nur in der Symbolansicht. Auch lassen sich einige Optionen nach wie vor nicht als Vorgabe festlegen, zum Beispiel die Anzeige einer Adresszeile unter der Symbolleiste. Wie bei Nautilus üblich, hilft bei der Navigation durch die Dateisysteme standardmäßig eine Reihe von Schaltflächen, über die einzelne Verzeichnisse zugänglich sind. Der Anwender muss sich also durch den ganzen Pfad bis zum gesuchten Objekt klicken. Die direkte Eingabe des Ziels ist nur möglich, wenn mit der Tastenkombination Strg+L die Adresszeile eingeblendet wird. Die Kritik, die sich häufig an diesen Eigenschaften entzündete, hat gewirkt: In der neuesten Version kann der Benutzer diese hilfreiche Funktion fest in seinen Präferenzen vorgeben.

Fazit

Im Vergleich zur Vorversion hat sich Gnome 2.14 für Anwender und Administratoren positiv weiterentwickelt. Bislang werden zwar nur wenige Linux-Distributionen mit dem aktuellen Release ausgeliefert, aber ein Update sollte sich für die meisten Benutzer lohnen. (fn)