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Terra-Lycos verliert seine Führungsspitze

02.02.2001
Terra-Lycos-Chef Robert Davis hat seinen Hut genommen. Als Grund nannte der Amerikaner Unstimmigkeiten mit der spanischen Führungsriege. Sein Nachfolger wird Joaquim Agut.

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Robert Davis, Vorstandschef von Terra-Lycos ist zurückgetreten. Als Nachfolger ist Joaquim Agut, derzeit Executive Chairman, im Gespräch. Der bisherige Finanzvorstand Ted Philip wird künftig für die strategische Planung und Zukäufe zuständig sein, an seine Stelle tritt Elias Rodriguez-Vina, ein ehemaliger Manager bei GE Capital Europe.

Damit ist der Machtkampf innerhalb des in Spanien ansässigen Internet- und Medienkonzerns entschieden. Nachdem Terra, die Internet-Tochter des spanischen Telekommunikations-Konzerns Telefónica , Lycos übernommen hatte, war dessen Gründer und Geschäftsführer Davis freie Hand bei der Leitung des Konzerns von den USA aus versprochen worden. Seinen Angaben zufolge hat sich das Telefónica-Management nicht an diese Zusage gehalten.

Der Führungswechsel trifft den Konzern zu einem denkbar schlechten Zeitpunkt, da sich Telefónica derzeit mit einer Klage des Telekommunikations-Anbieters IDT auseinandersetzen muss. IDT wirft den Spaniern vor, mit der Übernahme von Lycos gegen geschäftliche Abmachungen verstoßen zu haben. In einem Joint Venture sollte ein Internet-Service für den spanischsprachigen Markt in den USA entstehen.

Erstmals seit der Fusion gab der Internet- Spezialist auch Quartalszahlen bekannt. Der Verlust fiel geringer aus als erwartet. Auf einer Pro-Forma-Basis berechnet betrug er vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) und einmaligen Belastungen 96 Millionen Dollar oder 17 Cent pro Aktie. Analysten waren von einem Defizit von 22 Cent je Aktie ausgegangen. Die Quartalsumsätze stiegen um 76 Prozent auf 164 Millionen Dollar. Insgesamt ist der Jahresumsatz damit um 87 Prozent auf rund 526 Millionen Dollar gestiegen.

Trotz der eher positiven Bilanz sank der Aktienkurs des Internet-Anbieters am Donnerstag um 9,5 Prozent auf 16,70 Euro. Analysten zeigten sich skeptisch, ob der Konzern die spanischen und amerikanischen Aktivitäten bündeln und so die Konkurrenz effektiv angreifen kann.