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Telekom will sich von weiteren Kabelanteilen trennen

24.08.2000
T-Com wird vierte Konzernsparte

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Die Deutsche Telekom steht offenbar kurz vor dem Verkauf der Mehrheit an zwei ihrer regionalen Kabelgesellschaften. Wie die "Financial Times" in ihrer Online-Ausgabe berichtet, sollen 55 Prozent der Telekom-Anteile an Rheinland Palatinate an die United Pan-Europe Communications (UPC), Europas zweitgrößten Kabelkonzern, veräußert werden. Außerdem plant der Bonner Carrier, 75 Prozent der Kabelgesellschaft in Bayern an E-Cable abzugeben. Dabei handelt es sich um ein Konsortium unter der Führung von Bayerischer Landesbank, an dem auch die HypoVereinsbank, Viag Interkom und die Deutsche-Bank-Tochter DB Invest beteiligt sind. Palatinate zählt eins bis 1,5 Millionen Kunden, die bayerische Kabelgesellschaft 2,5 Millionen. Dem Bericht zufolge könnten die Verträge schon im nächsten Monat unterzeichnet werden. Der Umfang des Geschäfts liegt nach Expertenschätzungen

zwischen 7,6 und 8,7 Milliarden Mark. Schon mehrfach hatte die Telekom angekündigt, sich noch in diesem Jahr von Anteilen an ihren Kabelgesellschaften zu trennen. Sollten die Deals zustande kommen, wäre es das erste Mal, dass der TK-Konzern die Kontrolle über ein Kabelnetz an direkte Konkurrenten abgibt. Im Februar dieses Jahres hatten die Bonner 55 Prozent ihrer Anteile an der nordrhein-westfälischen Landesgesellschaft an die private Investorengruppe Callahan Associates International verkauft (Computerwoche.de berichtete).

Darüber hinaus hat die Telekom angekündigt, ihre analogen und digitalen Festnetzaktivitäten künftig unter dem Namen T-Com zusammenzufassen. Der Bereich werde Angebote für Privatkunden und mittelständische Firmen umfassen. Zu einem späteren Zeitpunkt sei geplant, aus der Geschäftssparte ein eigenes Unternehmen mit dem Namen T-Com International AG zu machen. Ein genauer Zeitplan sowie konkrete Absichten zu einem möglichen Börsengang stehen bislang noch nicht fest, so ein Unternehmenssprecher. Den Aufbau- und Integrationsprozess der T-Com soll Telekom-Vertriebsvorstand Josef Brauner in den kommenden zwölf Monaten hauptverantwortlich leiten. Der neue Geschäftsbereich vervollständigt die anderen drei Sparten des Konzerns. Bereits Anfang des Jahres hatte die Telekom mit T-Online International, dem Sektor für das Internet-Geschäft mit Privatkunden, und mit T-Mobile International, dem Bereich für mobile Kommunikation, zwei wesentliche

Firmenbestandteile in eigene Unternehmen ausgegliedert. Des weiteren planen die Bonner, alle Aktivitäten des Geschäftsbereichs Datenkommunikation/IP/Systeme, der hauptsächlich Systemlösungen für multinationale Großkonzerne erarbeitet, unter dem Dach der T-Systems zu vereinen.