In bestimmten Neubaugebieten

Telekom will reine Drahtlos-Anschlüsse testen

21.05.2013
Ist ein Drahtlos-Anschluss genauso gut wie Festnetz? Die Telekom will jetzt in einem Pilotversuch herausfinden, ob sie künftig in bestimmten Neubaugebieten auf feste Leitungen verzichten kann. Berliner Politiker sind jedoch skeptisch.
Techniker der Deutschen Telekom bei der Arbeit auf einem LTE-Sendemasten
Techniker der Deutschen Telekom bei der Arbeit auf einem LTE-Sendemasten
Foto: Deutsche Telekom

Die Deutsche Telekom will testen, ob sie in einzelnen Neubaugebieten Festnetzanschlüsse durch drahtlose Anschlüsse ersetzen kann. Dies werde für Neubaugebiete überlegt, in denen sich eine Festnetzversorgung im Vergleich zu einer drahtlosen Lösung als unwirtschaftlich erweise, teilte der Bonner Konzern am Wochenende auf dpa-Anfrage mit.

"Voraussetzung dafür (..) ist jedoch, dass sich in der Qualität der Versorgung durch einen drahtlosen Anschluss nichts ändert und auch die Kosten für den Kunden nicht höher sind", so das Unternehmen weiter. Im Einvernehmen mit der Bundesnetzagentur und den kommunalen Spitzenverbänden solle es demnächst einen Pilotversuch mit freiwilliger Teilnahme geben.

Wo, wann und mit wie viel Teilnehmern - das sei noch unklar, sagte Telekom-Sprecher Georg von Wagner der dpa. Der Pilotversuch soll mindestens ein Jahr laufen. Die betroffenen Neubaugebiete sollen währenddessen parallel mit Festnetz wie bisher auch ausgebaut werden. Erst nach dem Test soll festgestellt werden, ob sich ein drahtloser Anschluss als gleichwertige Alternative eignet. Laut von Wagner geht es bei den Überlegungen nur um kleine oder abgelegene Neubaugebiete. Er betonte, dass die Telekom auf dem Land auch weiterhin das Festnetz ausbauen werde.

Bei dem Pilotversuch soll das bisherige Telefongerät weiter genutzt werden können. Auch alle anderen Funktionen des Festnetzanschlusses sollen verfügbar bleiben. "Saarbrücker Zeitung", "Nordsee-Zeitung" und "Westdeutsche Zeitung" (Samstag) hatten zuerst über die Pläne berichtet. Die Bundesnetzagentur in Bonn bestätigte am Montag die Planungen. "Jetzt geht es darum, die konkreten Rahmenbedingungen abzustecken", sagte ein Sprecher der Behörde.

Wie die Zeitungen berichteten, stoßen die Pläne auf Kritik bei Bundespolitikern: Die Telekom habe nicht nachgewiesen, dass das Mobilangebot gleichwertig mit dem Festnetz sei. "Da bestehen hohe Zweifel", sagte Bernhard Kaster (CDU), parlamentarischer Geschäftsführer der Union im Bundestag, den Zeitungen. Kaster ist auch Mitglied des Beirats bei der Bundesnetzagentur. "Wir werden darauf pochen, dass es zu keiner Verschlechterung kommt."

Die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag, Bärbel Höhn, sagte den Zeitungen: "Was nicht eintreten darf, ist, dass die Kunden für weniger Qualität mehr bezahlen müssen."

Laut "Nordsee-Zeitung" ist der Konzern gemäß Telekommunikationsgesetz bundesweit zur Mindestversorgung verpflichtet. Darin heißt es, "der Anschluss an ein öffentliches Telekommunikationsnetz an einem festen Standort (..)" gehöre zu sogenannten Universaldienstleistungen. Diese wiederum werden als "Mindestangebot an Diensten für die Öffentlichkeit" beschrieben. (dpa/tc)