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Telekom verprellt Anleger mit Dividendenkürzung

19.03.2002

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Die Deutsche Telekom will entgegen früheren Angaben eine geringere Dividende ausgeben: Nachdem der Konzern im vergangenen Jahr das schlechteste Ergebnis seit seinem Börsengang 1996 verbuchte, soll die Gewinnbeteiligung statt 62 Cent pro Aktie im Vorjahr nur 37 Cent je Anteil betragen. Die gezahlte Dividende war bisher ein wichtiger Anreiz für die Anleger der "Volksaktie", von der Senkung ist insbesondere der Bund betroffen, der mit rund 43 Prozent an der Telekom beteiligt ist. Wie Konzernchef Ron Sommer mitteilte, ist die rund 40-prozentige Kürzung Teil eines Sparprogramms, mit dessen Hilfe nach dem geplatzten TV-Kabelverkauf die hohe Verschuldung reduziert werden soll. Das Bundeskartellamt hatte im Februar die Veräußerung von sechs Kabelnetzen an das US-Unternehmen Liberty Media für rund 5,5 Milliarden Euro untersagt (Computerwoche online berichtete). Die Telekom bekräftigte nun ihre Absicht, den Verkauf des Kabelnetzes weiter voranzutreiben.

Als weitere Maßnahmen sollen unter anderem die Investitionen in Sachanlagen in diesem Jahr von 9,9 Milliarden auf neun Milliarden Euro sinken. Das Unternehmen will sich außerdem von nicht-strategischen Beteiligungen trennen. Trotz dieser Schritte halte man an den bisherigen Wachstums- und Ergebnisprognosen fest. Das Bonner Unternehmen beschloss weiterhin, den Börsengang der Mobilfunktochter T-Mobile auf unbestimmte Zeit zu verschieben. Mit dem IPO der Konzerntochter wollte rund zehn Milliarden Euro zur Reduzierung seines Schuldenbergs erlösen.

Trotz der umfassenden Maßnahmen sieht sich die Telekom allerdings nicht in der Lage, wie angekündigt, noch in diesem Jahr die Verbindlichkeiten von 62,1 Milliarden auf 50 Milliarden Euro zu reduzieren. Das Erreichen des Ziels wurde statt dessen auf Ende 2003 verschoben. Aufgrund des verzögerten Schuldenabbaus droht der Telekom nun eine Herabstufung ihrer Kreditwürdigkeit durch Rating-Agenturen. Die Folge wären um 80 bis 120 Millionen Euro höhere Zinsaufwendungen jährlich. (mb)