SSL-Transport

Telekom und United Internet wollen mit "sicherer E-Mail" punkten

09.08.2013
Die Konkurrenten Deutsche Telekom und United Internet (Web.de, GMX) wollen ihren Kunden gemeinsam einen sicheren E-Mail-Verkehr anbieten.

Unter dem Motto "E-Mail Made in Germany" stellten die Chefs der beiden Unternehmen am Freitag eine entsprechende Initiative vor. Dabei werden Mails auf ihrem Weg zwischen den Rechenzentren der Unternehmen mit dem Netzwerkprotokoll SSL verschlüsselt. Zudem würden alle Daten "in sicheren Rechenzentren in Deutschland" gespeichert, erklärten die Unternehmen. Das mache die Mail-Kommunikation in Deutschland sicherer, sagte René Obermann von der Telekom.

Ralph Dommermuth und René Obermann mailen sich nur noch SSL-verschlüsselt. Was ist eigentlich mit De-Mail?
Ralph Dommermuth und René Obermann mailen sich nur noch SSL-verschlüsselt. Was ist eigentlich mit De-Mail?
Foto: Telekom

Damit reagieren die Telekom und United Internet auf wachsende Verunsicherung bei Nutzern nach den Enthüllungen über umfassende und praktisch grenzenlose Ausspähmöglichkeiten der Geheimdienste. Die Internetbranche verzeichnete seit Beginn der Berichte über die Überwachung von Internetverkehr und Telefondaten einen deutlichen Vertrauenseinbruch.

Der Chaos Computer Club (CCC) wertet die Initiative in einer Stellungnahme als "Sommermärchen". Warum die zugrundeliegende Technologie, die immerhin seit Ende der 1990er Jahre existiert, nicht schon seit Jahren Anwendung finde, verrieten die Anbieter nicht, so die Experten. Was bei Konkurrenten schon seit Jahren zum Standard gehöre – eine erzwungene Verschlüsselung beim Zugriff auf das eigene E-Mail-Konto –, werde nun werbewirksam als technologischer Vorstoß und Novum verkauft.

Das Anpreisen der Neuerungen unter dem Namen "E-Mail Made in Germany" klinge nach dem etwas verzweifelten Versuch, das grandios gescheiterte Projekt "De-Mail" wieder ins Rampenlicht zu rücken, so der CCC weiter. Der angebliche Vorstoß sei in Wahrheit wohl nur ein schamloses Spiel mit dem gesteigerten Problembewusstsein der Nutzer, das sich durch den NSA-Skandal verändert habe. "Dass die E-Mail-Anbieter nun mit dieser betagten Technologie um die Ecke kommen und sie als bahnbrechende Innovation verkaufen wollen, hat allenfalls aber einen gewissen humoristischen Effekt", schreiben die Netzurgesteine und empfehlen eine echte Ende-zu-Ende-Verschlüsselung mit GnuPG / PGP oder S/MIME. (dpa/tc)