Übernahme des GSM-Netzbetreibers Powertel angekündigt

Telekom startet ein neues Abenteuer im amerikanischen Mobilfunkmarkt

01.09.2000
MÜNCHEN (CW) - Die Deutsche Telekom will den US-amerikanischen Mobilfunkbetreiber Powertel für 5,89 Milliarden Dollar übernehmen. Anders als die vor knapp vier Wochen angekündigte Akquisition von Voicestream, will der Bonner Carrier diese Transaktion komplett in Aktien zahlen.

Powertel unterhält ein Mobilfunknetz auf Basis des GSM-Standards in zwölf südöstlichen Bundesstaaten der USA. Das Unternehmen hat derzeit 727000 Kunden. Gemessen am Preis pro Kunde ist der Powertel-Erwerb für die Deutsche Telekom deutlich billiger als die geplante Übernahme von Voicestream. Für jeden Voicestream-Kunden zahlen die Bonner rund 19625 Dollar, dagegen wechselt jeder Powertel-Abonnent für rund 7900 Dollar unter das Telekom-Dach.

Formal übernimmt zunächst Voicestream den kleineren US-Mobilfunkbetreiber Powertel. Die Akquisitionsverhandlungen führte daher auch Voicestream-Chef John Stanton. Im Hintergrund wirkten jedoch die Telekom-Vorstände Karl-Gerhard Eick (für die Finanzen) und Kai-Uwe Ricke (für T-Mobil) mit. Dieses Trio vereinbarte mit Powertel folgende Modalitäten: Kommt es zur Übernahme von Voicestream durch den deutschen Carrier, erhalten die Powertel-Aktionäre Telekom-Anteilsscheine im Wert von 105 Dollar. Beide übernommenen Unternehmen werden dann in T-Mobil eingegliedert. Scheitert indes die Transaktion zwischen Voicestream und der Telekom, müssen sich die Powertel-Investoren mit 85 Dollar pro Anteilsschein bescheiden. Sie werden in Form von Voicestream-Aktien gezahlt.

Die Börse reagierte skeptisch. Die Powertel-Papieren fielen nach Bekanntwerden dieser Konstruktion kurzzeitig auf unter 80 Dollar, bevor sie sich auf gut 82 Dollar erholte. Die Wertpapierhändler dokumentierten mit diesem Votum ihren Zweifel an einer erfolgreichen Übernahmen Voicestreams durch die Telekom. Immer noch ist ungewiss, ob die US-Behörden dieser Hochzeit zustimmen werden, denn die Telekom ist zu 58 Prozent im staatlichen Besitz. In den USA dürfen jedoch nur dann Firmen übernommen werden, wenn der ausländische Käufer zu weniger als 25 Prozent in Staatsbesitz ist.

Strategisch wird die Übernahme von vielen Analysten gutgeheißen. Die Versorgungsgebiete der beiden US-Carrier überschneiden sich nicht. Bei Nutzung aller erworbener GSM-Lizenzen können Voicestream und Powertel rund 245 Millionen US-Bürger mit Mobilfunkdiensten versorgen. Laut Deutscher Telekom ist das Duo Voicestream/Powertel in 24 von 25 wichtigen US-Ballungszentren vertreten.

Allerdings ist es um die Finanzen beider Unternehmen schlecht bestellt. Voicestream musste im vergangenen Jahr einen Nettoverlust von 121 Millionen Dollar ausweisen, bei dem wesentlich kleineren Anbieter Powertel waren es mit 134 Millionen Dollar sogar mehr. Insgesamt hat Powertel eine Schuldenlast von 1,2 Milliarden Dollar angehäuft, die - sollten die Akquisitionen wie geplant vollzogen werden - von der Telekom beglichen werden muss.

Abb: Der Konzernüberschuss für das erste Halbjahr 2000 schließt Sondereinnahmen durch den Verkauf von Global One ein. Ohne diesen Zufluss ergäbe sich ein Wert von rund 700 Millionen Euro, also weniger als im Vergleichszeitraum 1999. (Quelle CW)