Breitband-Konkurrenzkampf

Telekom startet Angriff auf Kabelnetzbetreiber

10.02.2011
Auf die deutschen Kabelnetzbetreiber ist Telekom-Chef Rene Obermann nicht gut zu sprechen.
Telekom-Chef René Obermann
Telekom-Chef René Obermann
Foto: Deutsche Telekom

Dass die drei regionalen Monopolisten Kabel Deutschland , Kabel Baden-Württemberg und Unitymedia frei von jeder Regulierung am Markt agieren, stört den Manager. Mit hohen Übertragungsgeschwindigkeiten und attraktiven Preisen für Internet, Telefonie und TV ("Triple Play") graben sie den Telekommunikationsunternehmen zunehmend das Wasser ab. Zuletzt verzeichnete beispielsweise Telekom-Konkurrent Vodafone wegen des harten Wettbewerbs bei DSL-Anschlüssen Kundenverluste.

Jetzt holt die Telekom zum Gegenschlag aus und kündigt den Einstieg ins Kabelgeschäft an. "Wir wollen Sand im Getriebe der Kabelnetzbetreiber werden", sagt Marc Sausen, Pressesprecher und Kabelexperte der Telekom, über die neueste Kabelstrategie des Konzerns. Mit dem angeschlagenen Pay-TV-Sender Sky Deutschland haben die Bonner einen Vertrag zur Einspeisung von Sky-Angeboten über die Telekom-Infrastruktur geschlossen.

Als Ansprechpartner sieht die Telekom in ihrem neuen Geschäftsfeld vor allem Wohnungsbaugesellschaften und Stadtnetzbetreiber. Dabei geht es um die vollständige TV-Versorgung, genauso wie bei einem Kabelnetzbetreiber. Das TV-Signal mit den klassisch verfügbaren Kabelprogrammen reicht die Telekom am Übergabepunkt an die Wohnungswirtschaft oder den Stadtnetzbetreiber weiter, die es zum Endkunden transportieren. Und diese haben dann die Möglichkeit, zusätzlich die gesamte Bandbreite an Sky-Produkten wie Fußball- Bundesliga, Formel 1 oder Tennis zu abonnieren. "Dort, wo es nötig ist, werden wir die Netze bis zum Übergabepunkt ausbauen", heißt es bei der Telekom.

Über den Kabelanschluss läuft längst auch Breitband-Internet und Telefonie ("Triple Play")
Über den Kabelanschluss läuft längst auch Breitband-Internet und Telefonie ("Triple Play")

Die Telekom sieht ihre Kabelaktivitäten vorläufig noch als "kleines Geschäft". Es handele sich um ein klassisches Vorleistungsprodukt. Jetzt müssen erst einmal die Gesellschaften der Wohnungswirtschaft als Partner gewonnen werden. Diese hingen oft aber in festen Verträgen, die kurzfristig nicht einfach gekündigt werden können. Und ins Geschäft kommt die Telekom ohnehin nur, wenn sie es macht wie die Kabelnetzbetreiber: Mit günstigen Preisen die Konkurrenz ausstechen.

Mit der vereinbarten Kooperation kehrt die Telekom gewissermaßen in ein altes Geschäftsfeld zurück - wenn auch unter anderen Vorzeichen. Aus Wettbewerbsgründen mussten die Bonner einst Kabelnetze verkaufen, weil sie mit dem Telefonnetz eine Monopolstellung in gleich zwei Infrastrukturen besaßen. Für mehrere Milliarden Euro gingen die Kabelnetze schließlich an Kabel Deutschland, Kabel Baden-Württemberg und Unitymedia (früher Kabel NRW).

Die neuen Eigentümer rüsteten die maroden Netze massiv zu Hochgeschwindigkeits-Datenautobahnen auf. "Mit 128 Megabit pro Sekunde erreichen wir eine Spitzenposition", sagt Johannes Fuxjäger von Unitymedia. Die Telekom kommt mit ihrem schnellen VDSL-Netz auf 50 Megabit, arbeitet aber am Ausbau von Glasfaseranschlüssen.

So mausern sich die lange Zeit unterschätzten Kabelnetzbetreiber immer mehr zu einer ernsten Bedrohung für die Telekom und andere Breitbandanbieter. Ende 2010 versorgten sie nach Angaben des Branchenverbandes ANGA rund 3 Millionen Haushalte mit schnellen Internetzugängen. Das war ein Zuwachs von 30 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Und es gibt noch Potenzial nach oben. Fast jeder zweite Neukunde im Breitbandgeschäft entscheidet sich für einen Kabelnetzbetreiber. Damit liegen sie in etwa gleichauf mit der Telekom. Insgesamt haben in Deutschland knapp 20 Millionen Haushalte einen Kabelanschluss.

Der Chef von Sky Deutschland, Brian Sullivan, verspricht sich von der Kooperation mit der Telekom einen neuen Kundenschub. Am Ende des vierten Quartals 2010 hatte der Sender 2,6 Millionen Kunden - braucht aber dringend mehr Abonnenten, um in die schwarzen Zahlen zu kommen. (dpa/tc)