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Telekom schreibt über eine Milliarde Euro Verlust

28.11.2001
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MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Die Deutsche Telekom hat in den ersten neun Monaten des laufenden Geschäftsjahres einen Fehlbetrag von über einer Milliarde Euro ausgewiesen. Im vergleichbaren Vorjahreszeitraum hatte der Bonner Carrier noch ein Plus von 8,4 Milliarden Euro erwirtschaftet. Das jüngste Ergebnis wurde vor allem durch Goodwill-Abschreibungen von 1,8 Milliarden Euro sowie Kosten für UMTS-Lizenzen von 0,9 Milliarden Euro belastet. Der Konzernumsatz des Unternehmens stieg im Jahresvergleich hingegen um 19,7 Prozent auf 35 Milliarden Euro. Die Inlandseinnahmen wuchsen dabei von 23,9 auf 26 Milliarden Euro. Der Auslandsumsatz kletterte um 68,3 Prozent auf 8,9 Milliarden Euro, wobei 1,5 Milliarden Euro auf die US-Tochter Voicestream (inklusive Powertel) entfielen. Ohne Berücksichtigung ihrer US-Mobilfunkaktivitäten verbuchte die Telekom einen Konzernumsatzanstieg von 15 Prozent.

Positiv entwickelte sich das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Steuern, Zinsen, Abschreibungen und Amortisationen (Ebitda), das um 15 Prozent auf 11,3 Milliarden Euro zulegte. Dafür war nach Unternehmensangaben vor allem das gute Ebitda im Mobilfunkbereich verantwortlich, das im Jahresvergleich von 0,95 auf 2,2 Milliarden Euro stieg.

Gespannt hatten die Anleger und Analysten auf Nachrichten zur Verschuldung der Telekom gewartet. Die Verbindlichkeiten sind mit 65,2 Milliarden Euro zwar immer noch um über zehn Milliarden Euro höher als noch in den ersten neun Monaten des Vorjahres, konnten jedoch zwischen Juli und September 2001 um 5,8 Milliarden Euro reduziert werden. Die Telekom baute ihre Nettoschulden vor allem durch den Verkauf ihrer Anteile an dem US-Carrier Sprint PCS (1,6 Milliarden Euro) und der Veräußerung ihrer restlichen Beteiligung an dem italienischen TK-Unternehmen Wind (2,33 Milliarden Euro) ab. Weitere 0,9 Milliarden Euro flossen den Bonnern aus dem Verkauf ihrer Kabelgesellschaft Baden-Württemberg zu.

Kundenzuwachs bei T-Mobile und T-Online

Die Telekom-Tochter T-Mobile steigerte ihre Kundenzahl im dritten Geschäftsquartal 2001 um 3,7 auf 62,4 Millionen, davon entfielen 22,6 Millionen Teilnehmer auf Deutschland. Die Einnahmen im Mobilfunkgeschäft wuchsen im dritten Quartal von 2,7 auf 4,2 Milliarden Euro. Das Ebitda kletterte von 354 auf 807 Millionen Euro. Der Verlust vor Steuern stieg jedoch von 363 Millionen auf 1,6 Milliarden Euro, was der Telekom zufolge vor allem an den höheren Zinsaufwendungen liege. Diese gehen auf höhere Investitionen sowie Goodwill-Abschreibungen für die in den USA zugekauften Mobilfunk-Carrier Voicestream und Powertel (0,5 Milliarden Euro) sowie die gestiegenen UMTS-Abschreibungen (0,5 Milliarden Euro) zurück.

Die Kundenzahl von T-Online erreichte Ende September 2001 knapp zehn Millionen (9,8 Millionen), wovon im dritten Quartal 576.000 Neukunden gewonnen werden konnten. Der Umsatz der Telekom-"Säule" T-Online (inklusive DeTeMedien) kletterte von 254 auf 335 Millionen Euro, das Ebitda weitete sich von minus zwölf auf minus 15 Millionen Euro aus.

Das Festnetzgeschäft T-Com vermarktete zwischen Januar und September 2001 rund 1,4 Millionen T-DSL-Anschlüsse. Das sind 130 Prozent mehr als noch Ende 2000. Installiert sind jedoch erst 1,1 Millionen breitbandige Anschlüsse. Der T-Com-Umsatz sank im dritten Geschäftsquartal von 6,9 auf 6,5 Milliarden Euro. Die Einbußen gehen dem Unternehmen zufolge insbesondere auf den Wegfall der Einnahmen aus den dekonsolidierten Kabel-TV-Gesellschaften zurück. Das Ebitda fiel ebenfalls von 2,2 auf rund zwei Milliarden Euro.

Der IT-Dienstleistungssektor T-Systems steigerte seinen Umsatz im dritten Geschäftsquartal von 2,5 auf 3,4 Milliarden Euro, was vor allem aus der erstmaligen Einbeziehung der von der Telekom aufgekauften Debis-Systemhaus-Gruppe resultiert. Das Ebitda kletterte von 104 auf 425 Millionen Euro.

Trübe Aussichten

Für das gesamte Geschäftsjahr 2001 erwartet die Telekom zwar eine Steigerung des Konzernumsatzes von über 15 Prozent gegenüber dem Vorjahr, rechnet jedoch unter dem Strich mit einem negativen Ergebnis. Allerdings werde die Dividendenfähigkeit dadurch nicht beeinflusst, versicherte das Unternehmen seinen Anlegern.

Die Aktionäre reagierten bislang kaum auf die Nachrichten aus Bonn: Das Telekom-Papier wurde kurz nach elf Uhr am heutigen Mittwoch bei 18,53 Euro gehandelt und liegt nur um 0,4 Prozent unter seinem vorherigen Schlusskurs. (ka)