US-Kundenoffensive kostet Geld

Telekom schafft Umsatzwende

08.08.2013
Die Deutsche Telekom hat nach jahrelangen Rückgängen den Weg zurück zu Wachstum gefunden.
Telekom-Chef René Obermann (r.) und sein designierter Nachfolger Timotheus Höttges
Telekom-Chef René Obermann (r.) und sein designierter Nachfolger Timotheus Höttges
Foto: Telekom

Die Umsatzwende im zweiten Quartal verdanken die Bonner in erster Linie der Übernahme des US-Regionalanbieters MetroPCS. Aber auch ohne Zukäufe und Währungseffekte wären die Erlöse wegen des verstärkten Kundenzustroms in den USA, Deutschland und Europa gestiegen. "Wir erleben einen Kundenansturm auf beiden Seiten des Atlantiks", sagte Vorstandschef Rene Obermann am Donnerstag. Die Nachrichten kamen bei Anlegern gut an. Zum Handelsstart legte die T-Aktie um rund 3,5 Prozent zu.

Gestärkt durch die Übernahme wollen die Bonner in den USA nun eine Kundenoffensive fahren. Statt die Zahl der Kunden nur zu stabilisieren, peilen sie eine Steigerung um 1 bis 1,2 Millionen an. Das kostet Geld. Daher erwartet die Telekom beim Gewinn vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen und Sonderposten (bereinigtes EBITDA) in diesem Jahr statt 18 Milliarden nur noch 17,5 Milliarden Euro. In beiden Prognosen wurde MetroPCS für acht Monate berücksichtigt. Der freie Barmittelzufluss soll statt fünf Milliarden Euro nur noch 4,5 Milliarden Euro betragen.

Insgesamt stieg der Umsatz im zweiten Quartal um 5,4 Prozent auf 15,16 Milliarden Euro. Dabei fällt ins Gewicht, dass die amerikanische Mobilfunksparte T-Mobile USA zum 1. Mai MetroPCS übernommen hatte und deren Erlöse für zwei Monate des Quartals in den Konzernumsatz eingingen. Einen weiteren Teil des Umsatzschubs verdankt die Telekom dem Verkauf von Handys. Das lockt Kunden in die Verträge, doch zunächst kostet es Geld. Daher sank das bereinigte EBITDA um sechs Prozent auf 4,4 Milliarden Euro. Unterm Strich wuchs der Überschuss dank geringerer Abschreibungen um zehn Prozent auf 530 Millionen Euro.

Seit Mitte April kann auch T-Mobile USA seinen Kunden endlich das begehrte iPhone anbieten.
Seit Mitte April kann auch T-Mobile USA seinen Kunden endlich das begehrte iPhone anbieten.
Foto: T-Mobile USA

In der US-Sparte, lange Zeit das Sorgenkind der Bonner, beginnt es rund zu laufen. Der Startschuss für die Trendwende fiel im April, als T-Mobile USA den Hauptgrund für den Kundenschwund abstellen konnte: Als letzter der vier großen landesweiten Anbieter nahm die Telekom-Tochter das begehrte iPhone ins Programm. Seit der Übernahme von MetroPCS im Mai steht die Netzqualität auf dem Programm. Dazu wird das LTE-Netz ausgebaut. In der Folge kamen im abgelaufenen Quartal unterm Strich 688.000 neue Vertragskunden hinzu. Vor einem Jahr hatte T-Mobile noch mehr als eine halbe Million dieser lukrativen Kunden verloren. Einschließlich MetroPCS kann T-Mobile nun 44 Millionen US-Kunden vorweisen.

Im wichtigen Heimatgeschäft konnte die Telekom ihre starke Position dank hoher Werbeausgaben und Investitionen ins eigene Netz gegen die Konkurrenz aus Mobilfunkern und Kabelnetzbetreibern behaupten. Die Anzahl ihrer Handy-Kunden legte im Jahresvergleich von 35,5 Millionen auf 37,5 Millionen zu, der Löwenanteil davon sind wertvolle Vertragskunden. Zwar gingen Umsatz und Gewinn leicht zurück, doch kann sich das Ergebnis im Vergleich zur Konkurrenz sehen lassen. Wie bisher zieht die Telekom mit 2,28 Milliarden Euro die Hälfte ihres operativen Gewinns aus dem Heimatmarkt.

In der gebeutelten Europa-Sparte konnte die Telekom die Rückgänge in Grenzen halten. In mehreren südeuropäischen Ländern hatten Regulierer niedrigere Preise erzwungen. Auch zeigen sich Kunden angesichts des Konjunktureinbruchs wegen der Schuldenkrise knauseriger. Umsatz und operativer Gewinn schrumpften. Mit der IT-Sparte sackte zwar der Umsatz nach unten. Doch trotzt T-Systems dem Preisdruck in der Branche, holte Aufträge über zwei Milliarden Euro herein und steigerte die Gewinnspanne. (dpa/tc)