Web

 

Telekom muss dank Hochstufung weniger Zinsen zahlen

23.06.2005

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Die Deutsche Telekom wird nach der Heraufstufung durch die Rating-Agentur Moody's weniger Zinsen für ihre Schulden zahlen müssen. In diesem Jahr würden rund 25 Millionen Euro weniger an Zinsen gezahlt, sagte ein Konzernsprecher am Donnerstag in Bonn auf Anfrage. Im kommenden Jahr liege das Volumen bei 60 Millionen Euro.

Moody's hob am Donnerstag die Kreditwürdigkeit des Bonner Konzerns gleich um drei Stufen von "Baa3" auf "A3" an. Hintergrund ist die Beteiligung des Staates an der Telekom, die nun mit in die Bewertung einfließt. Von der neuen Regelung profitierten auch andere Unternehmen mit starken staatlichen Aktionären wie France Télécom, Belgacom, Eni oder EADS. Unverändert blieb die Einstufung von Volkswagen.

Die Aktie der Telekom profitierte allerdings nur kurzfristig von der Moody's-Einschätzung. Die Sorge um das Deutschlandgeschäft setzte den Kurs erneut unter Druck. Mehrere Analysten befürchten, dass der harte Wettbewerb auf dem deutschen Breitbandmarkt tiefe Spuren in der Bilanz des größten Telekomkonzerns Europas hinterlassen könnte. Zudem sei keine Erholung der deutschen Mobilfunksparte zu erwarten, sagte Laura Mills von Merrill Lynch. Die Expertin schraubte ihre Empfehlung daher von "Kaufen" auf "Neutral" zurück.

Der Aktienkurs der Bonner befindet sich seit Monatsanfang im Abschwung. Am Donnerstagmittag gab er um 0,48 Prozent auf 14,66 Euro nach. Am Dienstag hatte die Ankündigung der Internet-Tochter T-Online, die Preise für eine DSL-Flatrate zu senken, neue Ängste geschürt.

Der Umsatz von T-Online wird 2005 nach der Preissenkung um 400 Millionen Euro geringer ausfallen als zuvor angekündigt. Nach Einschätzung von Analyst Frank Rothauge von Sal Oppenheim wird das operative Ergebnis des Telekom-Konzerns in diesem Jahr dadurch allerdings nur um 60 Millionen Euro geschmälert. Die Telekom sieht keinen Grund, ihre Prognose für das Gesamtjahr zu reduzieren.

Die Telekom steht durch die massive Konkurrenz auf ihrem Heimatmarkt unter Druck und rechnet für die kommenden Jahre mit einer leichten Erosion ihres Umsatzes. Um den Trend zu stoppen, will die Gesellschaft T-Online auf ihre Festnetzsparte T-Com verschmelzen und damit stärker vom DSL-Boom profitieren.

Die Experten der Credit Swiss First Boston (CSFB) hegen allerdings Zweifel an dem Ziel: Sie erwarten einen härteren Wettbewerb auf dem deutschen DSL-Markt und raten daher zu einer Umschichtung auf die Aktien von France Télécom. In Frankreich nehme der Konkurrenzdruck ab. (dpa/tc)