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Telekom-Mitarbeiter weiter im Ausstand - ver.di informiert Bürger

25.05.2007
Im Streit um die Verlagerung von 50.000 Stellen bei der Deutschen Telekom ist nach zwei Streikwochen keine Annäherung in Sicht.

Am Donnerstag tragen nach Angaben der Gewerkschaft ver.di erneut 16.000 Beschäftigte in den Ausstand. Auch über das bevorstehende Pfingstwochenende sollen die Proteste weitergehen. SPD-Fraktionschef Peter Struck forderte eine schnelle Einigung. "Alles andere gefährdet die Zukunft des Unternehmens und damit die Zukunft der Arbeitsplätze", sagte er Deutschen Presse-Agentur dpa. Unterdessen haben sich die Auswirkungen des Streiks nach Angaben der Gewerkschaft durch Unwetter verschärft.

Vorstand will Stellung nehmen

Ver.di kündigte zugleich an, dass die Streikenden in den kommenden Tagen die Verbraucher über die Hintergründe und Absichten ihres Arbeitskampfes informieren wollen. An diesem Freitag will auch der Telekom-Vorstand vor der Presse zum derzeitigen Stand der Arbeitsniederlegungen Stellung nehmen. Dabei wird erstmals der neue Personalchef Thomas Sattelberger anwesend sein.

Ver.di hatte Aufforderungen des Vorstands zur Rückkehr an den Verhandlungstisch abgelehnt. Am Donnerstag befanden sich die Beschäftigten bereits den 14. Tag im Ausstand. Sie protestieren gegen die geplante Auslagerung von 50.000 Mitarbeitern in Service-Gesellschaften unter dem Namen T-Service. Dort sollen sie für weniger Geld länger arbeiten. Die Telekom will den Umbau jetzt im Alleingang bis Anfang Juli umsetzen.

Struck: Bund mischt sich nicht ein

Struck sagte, für ihn sei nachvollziehbar, dass sich die Beschäftigten gegen sofortige Gehaltseinschnitte wehren. Er habe aber auch Verständnis für Telekom-Vorstandschef René Obermann, das Unternehmen durch "unpopuläre Maßnahmen" zu stabilisieren. Der SPD-Fraktionschef nannte es eine Selbstverständlichkeit, dass sich weder die Bundesregierung noch der Bundestag in die Verhandlungen einmischten. "Das ist wie in allen Branchen allein Sache der Tarifpartner", betonte er. Der Bund ist nach wie vor ein Telekom-Großaktionär.

Der Bonner Konzern ist zusätzlich wegen angeblich rechtswidriger Notdienstverpflichtungen von Mitarbeitern bei ver.di in die Schusslinie der Kritik geraten. Ver.di-Bundesvorstand Lothar Schröder wandte sich gegen Vorwürfe der Telekom, Streikende verstießen gegen Notfallvereinbarungen. Auch während eines Streiks muss die Telekom den Telefonbetrieb in wichtigen Einrichtungen sicherstellen.

Für Polizei und Feuerwehr wird repariert

Wo immer Polizei, Feuerwehr, Rettungsdienste, Krankenhäuser oder vergleichbare Einrichtungen betroffen seien, stünden Monteure und Hilfskräfte bereit, sagte Schröder. "Das haben wir zugesagt, und das halten wir auch". Der Arbeitgeber müsse aufhören, die geltenden Notfallverordnungen zu unterlaufen und die Beschäftigten unter Druck zu setzen. Ein Telekom-Sprecher räumte ein, dass es sein könne, das die eine oder andere Führungskraft den Bogen überspanne, "systematisch tun wir das aber nicht".

Nach dem Unwetter gebe es zum Teil erhebliche Beeinträchtigungen in Bayern, Rheinland-Pfalz und Ostdeutschland, weil die Schäden an Telekomanlagen nicht beseitigt würden, sagte ver.di-Streikleiter Ado Wilhelm. Reparaturen gebe es nur dort, wo lebenswichtige Einrichtungen wie Krankenhäuser und Rettungskräfte beeinträchtigt seien. Die Telekom äußerte sich nicht zum Umfang der Auswirkungen, räumte aber Beeinträchtigungen im Betriebsablauf ein. (dpa/tc)