Streit bei Interconnection-Verhandlungen

Telekom-Konkurrenten schimpfen auf die Bonner

04.04.1997

Telekom-Chef Ron Sommer zeigte sich optimistisch. Für den freien Wettbewerb sieht er sein Unternehmen gewappnet, weil intensiv an der Serviceorientierung gefeilt wurde. Als Erfolg wertet er etwa, daß seine Techniker in 95 Prozent aller Fälle nur noch acht Tage benötigen, um einen Telefonanschluß zu installieren. Anfang 1996 benötigten die Telekom-Mitarbeiter noch zehn Tage.

Weitere Verbesserung soll eine elektronische Telefonrechnung bringen, die via T-Online zugestellt wird. Die Daten lassen sich laut Sommer direkt in Buchungssysteme von der SAP und der Datev importieren. Einen besonderen Service werden zudem Kunden beziehen können, die im Monat mehr als 500 Mark für das Telefonieren ausgeben.

Glaubt man den TK-Neueinsteigern, die Anfang nächsten Jahres zur flächendeckenden Versorgung Leitungen des Ex-Monopolisten anmieten müssen und somit gleichzeitig zu Kunden und Konkurrenten der Telekom werden, gehen die Sommer-Mannen mit ihren Mitbewerbern weniger zimperlich um. "Was wir bei den Interconnection-Gesprächen erleben, läßt sich nicht als Verhandlungen, sondern als Diktat beschreiben", schimpft etwa Peter Mihatsch Vorstandsvorsitzender der Mannesmann Arcor AG & Co. Die Telekom tue alles, um die Entstehung eines echten Wettbewerbs zu verhindern. So habe Mannesmann einen zweiwöchigen Rhythmus für die Zusammenkünfte vorgeschlagen, aus Bonn wurde dagegen Bereitschaft zum vierwöchigen Turnus signalisiert.

Laut Sommer führt die Telekom derzeit Verhandlungen mit etwa 25 Unternehmen, und nicht alle sollen über das notwendige Know-how verfügen, um derartige Gespräche erfolgreich abschließen zu können. "Wir wollen uns aber auch nicht über den Tisch ziehen lassen", rechtfertigt der Telekom-Boß die Vorgehensweise seiner Mannschaft. Er vermutet hinter den Attacken der Konkurrenten das Ziel, die Preise für die Verbindungen zu drücken.

Auf die Strategie der Telekom, frühzeitig mit Diensten für die Intranet- oder ATM-Nutzung Märkte zu besetzen, reagierten die neuen Carrier ihrerseits etwa mit Telematik-, Internet- und Intranet-Diensten. Beim Entwickeln eines umfassenden Produkt-Portfolios und der Anbindung an das globale TK-Netz soll die Partnerschaft mit den erfahrenen Carriern AT&T und Unisource helfen. Deren Beteiligung am Mannesmann-Konsortium, das die Geschäftsführerschaft bei Arcor ausübt, bekam kürzlich von den Kartellbehörden grünes Licht.