Verkauf wackelt

Telekom fehlen positive Optionen inden USA

25.11.2011
Falls der Verkauf von T-Mobile USA an AT&T scheitert, muss sich die Deutsche Telekom etwas Neues für ihr US-Geschäft einfallen lassen.
Ladengeschäft von T-Mobile USA auf der Market Street in San Francisco
Ladengeschäft von T-Mobile USA auf der Market Street in San Francisco
Foto: Thomas Cloer (CC BY-NC-SA 2.0)

Die Optionen sehen allerdings weniger attraktiv aus als das, was Telekom mit AT&T vereinbart hatte: 28 Milliarden Euro Kaufpreis, davon 18 Milliarden in bar, den Rest in Aktien von AT&T. Damit wäre die Telekom am künftigen US-Marktführer beteiligt. Dementsprechend euphorisch war im März die Reaktion auf die Ankündigung des Verkaufs des Sorgenkindes. Telekom-Chef René Obermann wurde für sein Verhandlungsgeschick gefeiert. Umso größer ist nun die Sorge, dass der Deal wegen des Widerstands der US-Wettbewerbshüter und der Telekomregulierer scheitern könnte.

Was Obermann mit Sicherheit in der Hand hätte, wäre die Entschädigungszahlung von AT&T, wenn der Deal ins Wasser fällt: drei Milliarden Dollar und ein zusätzliches Mobilfunkfrequenzspektrum. Doch was tun mit T-Mobile USA? Die Probleme wären dieselben, mit denen sich die Telekom bisher in den USA herumschlägt: Schwache Profitabilität, Kundenexodus und Engpässe bei der Netzabdeckung.

Bei allen Sorgen in den Vereinigten Staaten, dass die Verringerung der Anzahl großer Mobilfunkanbieter von vier auf drei den Wettbewerb beschränken würde, ist unklar, ob der Markt auf Dauer vier flächendeckende Anbieter ernähren kann. Der Grund liegt in der milliardenschweren Erhaltung und Erneuerung der Netze. Besonders die als Heilsbringer der Branche gefeierte mobile Internetnutzung erfordert Bandbreiten, die noch vor wenigen Jahren unvorstellbar waren.

Telekom-Chef René Obermann: Im März wurde er noch für sein Verhandlungsgeschick gefeiert.
Telekom-Chef René Obermann: Im März wurde er noch für sein Verhandlungsgeschick gefeiert.
Foto: Deutsche Telekom

Macht Obermann alleine weiter, wird es also teuer. Der Ausbau des Netzes auf den Mobilfunkstandard der vierten Generation würde Experten zufolge mindestens fünf Milliarden Dollar kosten. Dieses Geld hat der hochverschuldete Konzern nicht auf der hohen Kante. Im Gegenteil: Von den erwarteten Milliarden aus dem Verkauf wollten die Bonner mit 18 Milliarden Euro den Löwenanteil in den Schuldenabbau und Rückkauf eigener Aktien stecken. Platzt das Geschäft, stünde der Telekom wohl eine Abwertung ihrer Kreditwürdigkeit ins Haus.

Eine weitere Option wäre, sich die Netze mit einem Konkurrenten zu teilen. Neben AT&T wären der derzeitige Marktführer Verizon Wireless oder die Nummer drei Sprint Nextel mögliche Partner. Für eine Kooperation würden die Wettbewerbshüter die Hürden mit Sicherheit niedriger legen als für einen Komplettverkauf. Ein Schulterschluss beim Netz brächte beiden Beteiligten etwas. Allerdings ist fraglich, ob damit die Flucht der gewinnbringenden Intensivnutzer von Telefonie und mobilem Internet zur Konkurrenz aufgehalten werden kann.

Alternativ kann die Telekom versuchen, sich neues Kapital zu beschaffen - etwa durch einen Börsengang von T-Mobile USA oder den Einstieg eines Finanzinvestors. Das würde den Bonnern etwas Luft verschaffen. An den Schwierigkeiten, die das Geschäft auf eigene Faust mit sich bringt, ändert es aber nichts.

Sollte Obermann versuchen, die US-Sparte an einen kleineren Konkurrenten wie Sprint zu verkaufen, würde er wohl erheblich weniger Geld bekommen als von AT&T. Sprint fehlt das Geld für eine solch große Übernahme. Und die Sprint-Aktie als Währung hat in den vergangenen Monaten stark an Wert verloren. Für Obermann wäre ein Einstieg bei Sprint über einen Verkauf des eigenen US-Geschäfts ohnehin kein Wunschszenario. Sein Wahlspruch lautet: "Lieber an der Nummer eins beteiligt, als 100 Prozent an der Nummer vier." Bei Sprint hätte er mit einem Verkauf einen großen Anteil - aber eben nur an der Nummer drei. (dpa/tc)