Experten

Telekom-Deal dürfte in USA harte Kartellprüfung bevorstehen

21.03.2011
Die Übernahme des US-Mobilfunkgeschäfts der Deutschen Telekom durch den Branchenriesen AT&T ist nach Experteneinschätzung noch nicht in trockenen Tüchern.
Randall Stephenson, CEO AT&T
Randall Stephenson, CEO AT&T
Foto: AT&T

Analysten erwarten, dass die Wettbewerbshüter in den Vereinigten Staaten den geplanten Zusammenschluss genau unter die Lupe nehmen werden. Die meisten Wortmeldungen bei einer kurzfristig anberaumten Konferenz in New York drehten sich um die Frage, ob AT&T das Geschäft glatt durchbekommt.

"Wir sind sehr zuversichtlich, dass wir die Genehmigung der Wettbewerbsbehörden erhalten", entgegnete AT&T-Chefjustiziar Wayne Watts am Montag. Er musste allerdings einräumen, dass es bisher noch keinerlei Signale aus Washington gebe. Neben dem Justizministerium wird auch der Netzregulierer FCC zu bewerten haben, ob die Megaübernahme den Wettbewerb behindert. AT&T und T-Mobile kombiniert werden rund 40 Prozent des US-Mobilfunkmarkts beherrschen.

"US-Mobilfunkmarkt sehr wettbewerbsintensiv"

"Es wird auch nach dem Geschäft einen großen Wettbewerb geben", versicherte Watts. Schließlich gebe es neben den drei verbleibenden großen Mobilfunkanbietern AT&T, Verizon und Sprint auch noch viele lokale Betreiber. "Der US-Mobilfunkmarkt ist einer der wettbewerbsintensivsten der Welt." Daran werde die Übernahme nichts ändern. T-Mobile ist bis dato die Nummer vier mit etwa zwölf Prozent Marktanteil.

Die Analysten erwarten, dass AT&T einige Auflagen schlucken muss, um die Übernahme genehmigt zu bekommen. So war es bereits, als Verizon den fünftgrößten Anbieter Alltel aufgekauft hatte und damit zum unumstrittenen Branchenprimus in den USA aufgestiegen war. Verizon musste auf Drängen der Wettbewerbshüter rund 1,6 Millionen Kunden an AT&T abgeben. Die Kartellprüfung dauerte mehr als ein Jahr - und auch AT&T rechnet damit, den Kauf erst in zwölf Monaten abzuschließen.

Mobil telefonieren in USA: Ein Abenteuer

Die USA sind das Land des Apple iPhone und der abbrechenden Telefonate. In wenigen Ländern der Welt ist die Verbreitung der datenhungrigen Smartphones so groß und gleichzeitig - beziehungsweise gerade deshalb - das Netz so wackelig. Insgesamt 234 Millionen Menschen ab 13 Jahre telefonieren nach Angaben des Marktforschers Comscore mobil; schon beinahe jeder Dritte nutzt dabei ein Smartphone.

Das iPhone von Apple war lange den Kunden von AT&T vorbehalten, seit kurzem können auch die Nutzer von Verizon das Kulthandy kaufen. Die kleineren Anbieter Sprint und T-Mobile USA mussten auf weniger begehrte Modelle ausweichen. Angesichts ihrer ebenfalls sehr löchrigen Netzabdeckung im ländlichen Raum locken sie ihre Kunden meist über den Preis. Besonders T-Mobile gilt als verhältnismäßig günstig.

Nach Comscore-Daten vom Dezember ist Verizon mit mehr als 31 Prozent Marktanteil die Nummer eins der Mobilfunkanbieter in den Vereinigten Staaten, es folgt AT&T mit knapp 27 Prozent. Sprint kommt demnach auf 16 Prozent und T-Mobile auf gut 12 Prozent. Daneben gibt es eine Reihe von lokalen Anbietern.

"Die Zusammenlegung wird die Netzqualität verbessern", versprach AT&T-Chef Randall Stephenson. Das von der iPhone-Datenflut mitgenommene AT&T-Netz würde entlastet und T-Mobile-Handys bekämen besseren Empfang auf dem Land. T-Mobile stellte gegenüber seinen amerikanischen Kunden aber schon mal vorsichtshalber klar: Ein iPhone gibt es auch weiterhin nicht.

AT&T-Chef Randall Stephenson geht indes nicht davon aus, dass es harte Auflagen geben wird, und verteidigte den Megazukauf: "Das ist eine absolut einmalige Gelegenheit." Mit der Eingliederung von T-Mobile USA will Stephenson die Qualität des AT&T-Netzes verbessern und sich für das massiv steigende Datenaufkommen wappnen. AT&T will 95 Prozent der US-Amerikaner mit dem schnellen Mobilfunknetz 4G erreichen. "Das hätte keines der Unternehmen alleine geschafft." (dpa/tc)