GVT

Telefonica will Vivendi brasilianische Festnetzsparte abkaufen

05.08.2014
Schwieriges Unterfangen: Der spanische Telekomkonzern Telefonica will sein Geschäft in Brasilien ausbauen und gleichzeitig die Regulierer in dem Land beschwichtigen.

Für den brasilianischen Festnetzanbieter Global Village Telecom (GVT) des Medienkonzerns Vivendi bieten die Spanier insgesamt rund 6,7 Milliarden Euro in bar und Aktien, wie der Konzern am Dienstag in Madrid mitteilte. Vivendi will das Angebot prüfen - das Unternehmen stellte aber klar, keine Eile zu haben. Die Offerte steht zunächst bis zum 3. September. Unklar ist, ob sich die brasilianischen Kartellbehörden überzeugen lassen.

Telefonica-Zentrale in Madrid - größter Markt der Spanier ist aber längst Lateinamerika...
Telefonica-Zentrale in Madrid - größter Markt der Spanier ist aber längst Lateinamerika...
Foto: Telefonica

Um den Wettbewerbshütern entgegenzukommen, will Telefonica daher aus der Beteiligung an Telecom Italia aussteigen. Telefonica ist der größte Mobilfunkanbieter in Brasilien - die Italiener sind mit der eigenen Tochter Tim Brasil die Nummer zwei im Land. In der jüngeren Vergangenheit war die Marktmacht von Telefonica daher von den Behörden scharf kritisiert worden.

Im Zuge des Angebots für GVT bieten die Spanier Vivendi gut acht Prozent der Anteile an Telecom Italia an. In der Holding-Gesellschaft Telco SpA hält Telefonica zusammen mit dem Versicherer Generali und den Banken Intesa Sanpaolo sowie Mediobanca gut 22 Prozent an Telecom Italia.

Durch die Fusion mit der auf Internetbreitband spezialisierten GVT will Telefonica in Brasilien Kosten sparen. Der Kaufpreis soll zu gut 3,9 Milliarden Euro in bar erfolgen, außerdem erhielte Vivendi über eine Kapitalerhöhung zwölf Prozent der Aktien am neuen Unternehmen. Telefonica-Aktien gaben am Vormittag fast zwei Prozent nach, Vivendi legten mehr als drei Prozent zu.

Lateinamerika ist für Telefonica bereits der größte Markt, das Unternehmen kämpfte hier aber zuletzt wegen des starken Euro mit negativen Wechselkurseffekten. In Europa und vor allem auf dem spanischen Heimatmarkt leidet das Unternehmen unter scharfer Konkurrenz, im Wachstumsmarkt Brasilien dagegen lässt die Nachfrage nach Breitbandverbindungen für datenintensive Anwendungen wie etwa Video die Erlöse sprudeln.

Auf den angestammten Märkten versucht Telefonica durch Größe Kosten zu sparen. In Deutschland übernimmt der Ableger Telefonica Deutschland (O2) derzeit für 8,65 Milliarden Euro E-Plus. Vivendi stößt derweil Beteiligungen aus dem Telekombereich ab - zuletzt den zweitgrößten französischen Mobilfunker SFR, davor den marokkanischen Anbieter Maroc Telecom. (dpa/tc)