O2 profitiert von Hansenet

Telefonica verfehlt trotz Gewinnsprung die Erwartungen

11.11.2010
Die spanische Telekomgesellschaft Telefonica hat wegen guter Geschäfte in Lateinamerika Umsatz und Gewinn in den ersten neun Monaten des Jahres gesteigert.
Die Telefonica-Zentrale in Madrid
Die Telefonica-Zentrale in Madrid
Foto: Telefonica

Allerdings verfehlte der Konzern die Markterwartungen. Der Konkurrent der Deutschen Telekom bekräftigte am Donnerstag in Madrid dennoch seine Ziele für 2012, wonach die Dividende zu dem Zeitpunkt mindestens 1,75 Euro und der Überschuss 2,10 Euro je Aktie betragen soll.

An der Madrider Börse wurden die Geschäftszahlen mit Enttäuschung aufgenommen. Die Aktie fiel um 1,72 Prozent auf 17,99 Euro und war damit unter den schwächsten Werten im EuroStoxx 50 zu finden.

Der Umsatz wuchs zwischen Januar und September im Vergleich zum Vorjahr von 41,76 auf 44,28 Milliarden Euro. Inzwischen macht das stark wachsende Lateinamerika-Geschäft 42 Prozent der Erlöse aus, Europa nur noch 25 Prozent. Der operative Gewinn vor Abschreibungen (OIBDA) legte wegen der Neubewertung der Beteiligung am brasilianischen Mobilfunker Vivo von 16,63 auf 20,37 Milliarden Euro zu. Negativ schlugen allerdings Umbaukosten in Deutschland zu Buche. Die OIBDA-Marge verbesserte sich von 39,8 auf 46,0 Prozent. Unterm Strich stieg der Gewinn von 5,34 auf 8,84 Milliarden Euro.

Telefonica gelang es, dank des Mobilfunkgeschäfts den Umsatzrückgang im spanischen Heimatmarkt trotz des wirtschaftlichen Abschwungs zu verlangsamen. Insgesamt verfügt der Konzern über 215 Millionen Mobilfunkkunden. Die Kundenzahl erhöhte sich damit organisch um 9,2 Prozent. Wegen Treue-Programmen für die Bestandskunden konnte Telefonica die Abwanderungsquote mit 2,3 Prozent gering halten. Im lukrativen mobilen Breitbandgeschäft schraubten die Spanier die Kundenzahl mit aggressiven Angeboten um knapp drei Viertel auf 19 Millionen herauf.

Deutsche Tochter profitiert von Hansenet-Übernahme

Der O2-Tower in München
Der O2-Tower in München
Foto: Thomas Cloer (CC BY-NC-SA 2.0)

Der Telekommunikations-Anbieter Telefonica O2 Germany hat im dritten Quartal dank der Übernahme von Hansenet mehr umgesetzt und verdient. Der Umsatz legte von 966 Millionen auf 1,242 Milliarden Euro zu, wie die Telefonica-Tochter am Donnerstag in München mitteilte. Das organische Wachstum lag bei 4,7 Prozent. Für die Integration von Hansenet stellte das Unternehmen 202 Millionen Euro zurück. Ohne diesen Posten stieg der bereinigte Gewinn vor Zinsen und Steuern um 29 Prozent auf 303 Millionen Euro.

Die Kundenbasis weitete sich im Jahresvergleich um 22 Prozent auf 19,07 Millionen. Im Mobilfunk erhöhte O2 den Kundenstamm um acht Prozent.

In den nächsten ein bis zwei Jahren werde beinahe jedes Telefon in Deutschland ein Smartphone sein, sagte Unternehmenschef René Schuster bei einer Telefonkonferenz. Insbesondere das Datengeschäft dürfte spürbar zulegen. Das kürzlich ins Programm aufgenommene iPhone sei ein Erfolg. Derzeit verkaufe das Unternehmen mehr als 4000 iPhones am Tag und liege damit über den eigenen Zielwerten.

O2 will weiterhin die Platzhirsche T-Mobile und Vodafone herausfordern. Dafür baut O2 bereits das Mobilfunknetz der vierten Generation (LTE) aus. Seit Jahresbeginn gab O2 bislang 1,8 Milliarden Euro aus, den Löwenanteil davon für zusätzliches Frequenzspektrum für den Ausbau des LTE-Netzes. (dpa/tc)