Fast 1,7 Milliarden Euro Volumen geplant

Telefonica bereitet größten deutschen Börsengang seit 2007 vor

17.10.2012
Telefonica Deutschland verspricht der größte deutsche Börsengang der vergangenen fünf Jahre zu werden. Damals hatte der Motorenhersteller Tognum 2,01 Milliarden Euro eingesammelt.

Die deutsche Tochter des spanischen Telekomkonzerns, hierzulande bekannt durch ihre Marke O2, will bis zu 1,68 Milliarden Euro einnehmen. Unternehmenschef Rene Schuster setzt auf LTE, das ultraschnelle Internet über Mobilfunk. Der Ausbau des LTE-Netzes werde derzeit forciert und soll seinen Höhepunkt in den kommenden zwei Jahren haben, sagte er auf einer Pressekonferenz in Frankfurt.

Telefonica-Chef Rene Schuster plant den größten deutschen Börsengang seit fünf Jahren.
Telefonica-Chef Rene Schuster plant den größten deutschen Börsengang seit fünf Jahren.
Foto: livestream.com

Da Telefonica Deutschland als viertgrößter Mobilfunkanbieter erst spät eigene Netze der vorangegangenen Mobilfunkstandards errichtet hatte, bestehe der Ausbau weitgehend aus Softwareaktualisierung, sagte Schuster. Daher habe O2 es leichter als Teile der Konkurrenz, die bei ihren älteren Netzen Hardware auswechseln müsse. Telefonica Deutschland ist ausschließlich hierzulande aktiv. Schuster sieht darin einen Vorteil. Gerade weil der Smartphone-Anteil und der Datenumsatz hier niedriger seien als in anderen europäischen Ländern, berge der deutsche Markt hohes Potenzial.

Der Börsengang ging allerdings nicht von der deutschen Tochter aus, sondern von der hochverschuldeten spanischen Mutter Telefonica . Angesichts des Schuldenberges von 58 Milliarden Euro versilbert sie Vermögenswerte. Die Call-Center-Tochter Atento geht für gut eine Milliarde Euro an den Finanzinvestor Bain Capital. Mit dem Börsengang von O2 sollen bis zu 1,68 Milliarden Euro in die Kassen fließen.

Die Aktie soll zwischen 5,25 und 6,50 Euro kosten. Einschließlich der Mehrzuteilungsoption wollen die Spanier 23,17 Prozent der Anteile verkaufen, mit dem Rest aber Mehrheitsaktionär bleiben. Bisher gehört Telefonica Deutschland vollständig dem spanischen Mutterkonzern. Die Offerte läuft vom 17. bis zum 29. Oktober. Ein Tag später, am 30. Oktober ist die Erstnotierung an der Frankfurter Börse geplant.

Fette Dividenden geplant

Um die Aktie den Anlegern schmackhaft zu machen, verspricht Telefonica eine Dividende von 500 Millionen Euro für das Geschäftsjahr 2012 und stellt höhere Ausschüttungen für die Zukunft in Aussicht. Zum Vergleich: Im ersten Halbjahr verdiente Telefonica Deutschland unter dem Strich 55 Millionen Euro.

Telefonica Deutschland ist profitabel und wächst. Dank des Zustroms neuer Vertragskunden und des boomenden Geschäfts mit mobilem Internet gewann O2 im zweiten Quartal 190.000 neue Vertragskunden. Das starke Geschäft mit dem Herunterladen von Daten trieb den Umsatz um knapp sieben Prozent auf 1,3 Milliarden Euro. Der Kunden- und Umsatzanstieg schlug direkt auf des Ergebnis durch. Der operative Gewinn wuchs um zwölf Prozent auf 333 Millionen Euro. (dpa/sh)