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Telefónica schielt auf Arcor

09.12.2005
Der spanische Telekomkonzern Telefónica hat nach Angaben aus Branchenkreisen Interesse an einer Übernahme des deutschen Festnetzbetreibers Arcor.

Mit dem Kauf des Unternehmens würde sich Telefónica mit einem Schlag in Deutschland auf Rang zwei nach der Deutschen Telekom etablieren, verlautete am Freitag aus mehreren Quellen. Die Spanier stehen bereits vor dem Erwerb des britischen Mobilfunkbetreibers O2, der auch in Deutschland aktiv ist.

Interesse an der Vodafone-Tochter haben bereits der Finanzinvestor Apax Partners und freenet.de öffentlich angemeldet. Einen Einstieg prüft den Kreisen zufolge auch France Télécom. Der zweitgrößte Festnetzanbieter Deutschlands nach der Telekom ist mit zweistelligen Wachstumsraten einer der am schnellsten wachsenden Telekommunikationsunternehmen. Sprecher von Telefónica und France Télécom lehnten einen Kommentar zu Arcor ab.

Angesichts der guten Entwicklung der Tochter sieht Vodafone derzeit keinen Zwang, Arcor schnell zu veräußern. Ein Verkauf sei nicht vor Mitte kommenden Jahres geplant, hieß es in den Kreisen. Allerdings drängen einzelne Interessenten auf eine schnelle Transaktion. Im Gespräch sei ein Übernahmepreis von über zwei Milliarden Euro. Ein Vodafone-Sprecher bestätigte, dass sich die Gesellschaft von Arcor trennen will. Der Verkauf werde jedoch nicht vor 2006 stattfinden

Der weltgrößte Mobilfunkkonzern zählt Arcor nicht zum Kerngeschäft und hatte daher mittelfristig den Verkauf angekündigt. Arcor-Chef Harald Stöber beteuerte am Freitag in der "Börsen-Zeitung", dass die Gesellschaft nicht zum "Schnäppchenpreis" abgegeben werden solle. An einem Verkauf würden auch die Deutsche Bank und die Deutsche Bahn profitieren, die 18,2 Prozent und 8,2 Prozent von Arcor kontrollieren.

Mit seiner Expansionsstrategie tritt Telefónica zunehmend in Konkurrenz zur Deutschen Telekom. So steht der spanische Konzern vor der Übernahme des Mobilfunkkonzerns O2 für 26 Milliarden Euro. O2 ist mit neun Millionen Kunden zwar der kleinste Netzbetreiber in Deutschland, stellte derzeit aber beim Kundenwachstum die Wettbewerber in den Schatten. Mit dem Einstieg bei O2 schafft Telefónica zudem den Sprung nach Großbritannien, wo die Telekom über ihre Mobilfunktochter vertreten ist. Der britische Markt ist hart umkämpft. Daher befürwortet Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke eine Konsolidierung des Marktes, was nach Einschätzung von Experten derzeit unwahrscheinlich ist.

Nach Angaben mehrerer Quellen wollen die Telekom und Telefónica ihre Interessen in den einzelnen Märkten koordinieren, was die Telekom allerdings scharf dementiert. "Es gibt keine Gespräche über eine strategische Allianz", sagte ein Konzernsprecher. Auch gebe es keine Planung für eine solche Kooperation. Telefónica wollte sich nicht dazu äußern.

Überschneidungen haben die Unternehmen auch auf dem Heimatmarkt von Telefónica: Die Telekom ist über ihre Tochter T-Online auf dem spanischen DSL-Markt aktiv und baut dort mit einer aggressiven Preispolitik ihren Marktanteil stetig aus. T-Online peilt einen Marktanteil von 15 bis 20 Prozent an und will sich damit unter den führenden Anbietern nach Telefónica etablieren. Das Angebot umfasst auch Telefonie über das Internet (VoIP). (dpa/tc)