"Technisch eine Katastrophe"

19.04.2007
Weil ihm keine Jobsuchmaschine gefiel, hat der Münchner Wissenschaftler Franz Guenthner eine neue entwickelt: In der CW erläutert er, wie Jobanova.de die Suche nach dem richtigen Job beschleunigt.

CW: Warum haben Sie eine Jobsuchmaschine entwickelt, wenn es schon Hunderte im Web gibt?

Jobanova.de

Seit einigen Monaten können Bewerber unter www.jobanova.de nach Arbeitsmöglichkeiten Ausschau halten. Die Suchmaschine bietet rund 40 000 Stellenangebote an. Im Gegensatz zu anderen Suchmaschinen ist die Suche bei Jobanova immun gegenüber Schreibfehlern, und die Resultate werden schon angezeigt, während der Benutzer seine Frage formuliert. Jobsucher werden, so ist Betreiber Franz Guenthner überzeugt, um ein Vielfaches schneller fündig.

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GUENTHNER: Obwohl es so viele Suchmaschinen gibt, werden die Nutzer von keiner gut bedient. Wir haben in einer Studie nachgewiesen, dass in der Regel je nach Anfragetyp weit weniger als zehn Prozent der relevanten Ergebnisse gefunden werden. Das gilt auch für Google, aber die haben andere Abdeckungsansprüche. Die Jobsuchmaschinen sind technisch eine Katastrophe. Wir hatten den Ehrgeiz, eine neuartige Suchtechnologie zu präsentieren, die auf Algorithmen für approximative Suchverfahren basiert und die wir auch als eigenständige Suchplattform vertreiben.

CW: Was gefällt Ihnen an den anderen Jobsuchmaschinen nicht?

GUENTHNER: Sie orientieren sich an den Suchmaschinen der ersten Generation, also einfache Volltextsuche ohne eine Analyse der Gegebenheiten der Jobwelt, und führen zu seltsamen Ergebnissen. Probieren Sie mal eine Suche nach "Koch", und sie bekommen Dokumente, die Passagen enthalten wie "Schicken Sie Ihre Bewerbung an Frau Renate Koch" oder Adressenteile wie Robert-Koch-Straße. Noch schlimmer: Jede Form von orthografischer oder semantischer Varianz (unterschiedliche Schreibformen oder Rechtschreibfehler und synonyme Begriffe) haben seltsame Effekte. Man findet nur einen Bruchteil der Ergebnisse: Man weiß nie, ob man die optimalen Jobs nicht gefunden hat, weil es sie nicht gibt, oder nur weil man die Frage falsch formuliert hat.

CW: Was ist bei Jobanova.de anders?

GUENTHNER: Unsere Suchmethode ist gegenüber Schreibvarianten fehlertolerant und findet in sehr großen Datenmengen binnen wenigen Millisekunden die besten Resultate. Wenn man bedenkt, dass mehr als zehn Prozent aller Eingaben auf Suchmaschinen fehlerhaft sind und dass Anfragen in verschiedenen Formen gestellt werden können, muss dem Sucher auf anderen Wegen geholfen werden, die Inhalte der zur durchsuchenden Datenbanken besser in den Griff zu bekommen. Unsere zweite Innovation besteht darin, dass die Resultate schon während des Tippens angezeigt werden. Der Benutzer sieht alle in Frage kommenden Antworten auf seinen Jobwunsch. Bei einer partiellen Eingabe wie "Berlin Heiz" tauchen alle eng verwandten Jobs in Berlin wie Heizungsmonteur, Heizungsbauer oder Zentralheizungs- und Lüftungsbauer auf. In vielen Fällen sucht man hundertmal schneller.

CW: Was haben Sie als nächstes vor?

GUENTHNER: Jobanova verfügt über das gesamte Angebot der Agentur für Arbeit und einige tausend zusätzliche eingestellte Stellen von diversen Firmen. Da wir auch über eine Technologie zum Auffinden von Stellenangeboten im Web verfügen, werden wir weitere Stellenangebote für Spezialbereiche zu unserer Datenbank hinzufügen. Wir werden aus den Texten der Anzeigen die wichtigen Begriffe extrahieren und in die Vorschlagsgenerierung einbeziehen. Wenn ein Benutzer ein Schlüsselwort verwendet, das für ein Stellenangebot relevant ist, wird sofort das Angebot vorgeschlagen. Zudem planen wird einen riesigen Synonymthesaurus für die Jobwelt, der alle Varianten von Bezeichnungen von Stellen, Branchen und Tätigkeiten kennt. Zusammen mit einer ähnlichen Synonymik für geografische Einheiten wird man dann sehr mächtige Anfragen an Jobanova stellen können, die Tausende von herkömmlichen Anfragen subsumieren.

CW: Ein Beispiel?

GUENTHNER: Wenn Sie "IT-Berater Frankfurt" eingeben, wird die Suchmaschine alle Stellen für IT-Berater in Frankfurt finden, egal ob im Angebot eine der mehr als hundert möglichen Formulierungen für diesen Beruf verwendet worden sind vom Anwendersoftwareberater bis hin zum Technical Support Consultant. Dann können sich Jobsucher darauf konzentrieren, ihre Bewerbungen auf die passenden Stellen zu schreiben.