Gefallene Giganten

Technik-Riesen aus vergangenen Zeiten

31.08.2016
Von Josh Fruhlinger
Es gibt Giganten der Technikgeschichte, die irgendwann den Anschluss verloren haben. Und entweder längst untergangen sind oder nur noch ein Schattendasein führen. Wir stellen einige dieser gescheiterten IT-Riesen vor.
Diese Unternehmen konnten sich nicht an der Spitze ihres Marktes behaupten.
Diese Unternehmen konnten sich nicht an der Spitze ihres Marktes behaupten.
Foto: Africa Studio - shutterstock.com

Die Technik-Geschichte ist voll mit Unternehmen und Produkten, die in ihrer Branche einst unangefochten waren, dann aber durch zu starke und clevere Konkurrenz oder einen veränderten Konsumenten-Geschmack schließlich gescheitert sind. Wir stellen einige solcher gescheiterten IT-Giganten vor.

Wang

In den 1970er Jahren automatisierte Wang den Schreibvorgang durch die Massenherstellung von eigenständigen Textverarbeitungsrechnern, welche den Text auf ein Band lagerten und es somit erlaubten Seiteninhalte zu ändern, ohne diese aufwändig neu zu drucken. In den 1980er Jahren war Wangs auf Textverarbeitung fokusiertes Office Informationssystem in 80 Prozent der größten Unternehmen vertreten.

Allerdings war der Gründer An Wang so auf seine Rivalität mit IBM fixiert, dass er sich weigerte, sich mit den aufkommenden IBM-kompatiblen PCs zu beschäftigen. Das Ergebnis: Innerhalb weniger Jahre hatten diese universeller einsetzbaren Geräte Wangs "Textverarbeiter" von dem Markt, den diese vorher dominierten, vertrieben. Das Unternehmen ging 1992 Bankrott.

Netscape

Für die erste Generation der Internetnutzer außerhalb der akademischen Welt in der Mitte der 1990er Jahre war der Netscape Navigator das Internet (vereinfacht gesagt). Im Jahr 1996 nutzten 70 bis 80 Prozent der User den Netscape-Browser. Aber diese Überlegenheit ließ rasant nach, Microsofts Internet-Explorer überholte Netscape schnell. 1998 verlor der Navigator die Führung an den Internet-Explorer. 2002 fiel der Marktanteil des einstigen Marktführers in den einstelligen Bereich.

IBM als PC-Hersteller

1981 startete IBM in den noch jungen Mikrocomputer-Markt mit dem PC und hatte dort mehr Erfolg als selbst die firmeneigenen Manager erwartet hatten. 1983 nahme IBM ein Viertel des Marktes ein und schlug damit Apple vollkommen. Aber das Ende des Geräts war sein Design: Um es schnell auf den Markt zu bringen, hat IBM es fast ausschließlich aus handelsüblichen Teilen gefertigt.

Der einzige firmeneigene Aspekt, das BIOS, wurde von Konkurrenten entwickelt, die dann schnell damit begannen eigene PC-Klone zu verkaufen. Schließlich verlor IBM den PC-Markt völlig. Das Unternehmen IBM gibt es heute zwar noch, aber eben nicht mehr als führenden PC-Hersteller.

WordPerfect

Als MS-DOS die PCs beherrschte war WordPerfect von WordPerfect Corporation das dominierende Textverarbeitungsprogramm. Es war in den 1980er Jahre seinen Gegenspielern um Längen voraus war und schaffte es Benutzerfreundlichkeit und Leistung in ein Text-basiertes Umfeld zu packen. Aber WordPerfect schaffte es nicht sich den wechselnden Anforderungen anzupassen. Es dauerte Jahre, um eine ordentliche Windows-Version von WordPerfect herauszubringen und als es so weit war, waren viele seiner beliebten Tastaturkürzel von Windows-Standards überschrieben worden.

Einige vermuten, dass Windows versteckte APIs nutzte, um seinem eigenen bald vorherrschenden Word einen unfairen Vorteil zu gewähren. Heute wird WordPerfect nur noch in Nischenmärkten, wie zum Beispiel in Anwaltskanzleien genutzt, während Word den Markt beherrscht. Und nur noch durch LibreOffice beziehungsweise OpenOffice Konkurrenz bekommt.