Taugt Apple für Unternehmen?

09.06.2009
Ist die Strategie des Springer Verlags, komplett auf Apple-Systeme umzustellen, auf andere Unternehmen übertragbar? IT-Verantwortliche winken ab.

Als der Vorstandsvorsitzende des Springer Verlags, Mathias Döpfner, im vergangenen Jahr medienwirksam via Youtube die IT-Strategie des Unternehmens und den kompletten Schwenk auf Apple-Hard- und Software verkündete, wurde das mit großer öffentlicher Aufmerksamkeit verfolgt. Viele "Will-auch-haben"-Kommentare äußerten Zustimmung zu dieser Entscheidung. Allerdings muss hier eine wesentliche Einschränkung gemacht werden: Bei den Apple-Aficionados, die ihrer Begeisterung über den Springer-Deal freien Lauf ließen, handelte es sich fast ausschließlich um Privatkonsumenten. IT-Verantwortliche aus deutschen Konzernen hielten sich zurück. "Eine Initialzündung für andere Branchen, auf Computer mit dem Apfel-Logo umzustellen, bewirkte der Springer-Deal nicht", bestätigt Techconsult-Analystin Verena Bunk.

Schick reicht nicht als IT-Strategie

Bunk bestätigt das, was man schon früher und auch nach dem Springer-Coup immer vermutet hatte: "Es gibt zwar Tätigkeitsfelder und Branchen, in denen sich der Mac im Business-Einsatz schon seit Jahren behauptet - daran hat sich wenig geändert." Vor allem Anwender, die sich als Grafik-Dienstleister verdingen oder die im Design-, Werbe- und Filmgeschäft tätig sind, nutzen Macs aufgrund der Funktionalität, Performance und Stabilität des Mac-OS-Betriebssystems nach wie vor im großen Stil - andere Firmen weniger. "Apple ist zwar mit seinen Macbooks und weiteren Produkten sehr erfolgreich im Privatkundengeschäft unterwegs. Als Beschaffungsalternative im gewerblichen Sektor sind die Hardwareprodukte – bezogen auf den Gesamtmarkt – aber noch eine vernachlässigbare Größe", sagt Axel Oppermann, Advisor bei der Experton Group.

"Ein breiter Einsatz in anderen Segmenten, wie beispielsweise im Industriebereich oder im Handel, ist bisher nicht erfolgt", resümiert auch Bonk.

Die Frage ist, ob Apple als ausgewiesene Marketing-Maschine, die den Privatkonsumenten umwirbt, das kommerzielle Feld überhaupt beackern will. So überlegt Oppermann: "Apple kann – oder will – sich aktuell im Geschäftskundenumfeld nicht so richtig etablieren." Zwar würden Werbeagenturen und etwa Architekten traditionell auf die Hardwareprodukte der Kalifornier setzen: "Die breite Masse der Geschäftskunden verzichtet jedoch noch auf Apple. Auch Leuchtturm-Projekte wie Springer konnten hieran bisher nichts ändern."

Fat Client gegen Fat Client

Die Zahlen der Marktforscher von Techconsult belegen, dass die Rechner der Mac-Company im hiesigen Berufsleben ein Nischendasein fristen. Noch am ehesten kaufen Kleinfirmen bei Apple.
Die Zahlen der Marktforscher von Techconsult belegen, dass die Rechner der Mac-Company im hiesigen Berufsleben ein Nischendasein fristen. Noch am ehesten kaufen Kleinfirmen bei Apple.

Martin Urban, IT-Verantwortlicher der Berliner Stadtreinigungsbetriebe (BSG), bläst ins gleiche Horn. Persönlich sei er zwar durchaus Mac-affin, und "nach der Ära der selbst gelöteten Rechner kamen und kommen bei mir privat nur noch Macs zum Einsatz". Für die BSR böten die sich aber flächendeckend nicht an. Natürlich verwende man Apple-Rechner für bestimmte Aufgaben wie im Marketing oder beim Web-Design. "Ansonsten aber nutzen wir Windows-Hardware, denn ich sehe keinen Vorteil darin, mit zirka 2000 Endgeräten auf die Apple-Plattform zu wechseln."

Bei zentralen Anwendungen wie etwa SAP, Microsoft Office und Open Office sei das Mac-OS-Betriebssystem als Plattform "klar zweite Wahl". Die Hardware sei zwar meist solide, die Auswahl hingegen begrenzt. Oppermann von Experton sagt, wichtig sei aus Anwendersicht "die fehlende Kompatibilität zu vieler kommerzieller Software".

Urban fragt sich zudem, wieso die BSR von einer auf eine andere Plattform wechseln sollte. Das Ergebnis wäre "der Austausch einer Fat-Client-Architektur gegen eine andere". Apple mag da, so Urban, zwar gefälliger sein, "einen ‚ÄöBusiness Impact` kann ich aber nicht sehen. Dann sollte man schon eher ein Thin-Client-Konzept verfolgen."

Neue Softwarelizenzen kommen teuer

Auch bei einem großen deutschen Fernsehsender ist Apple kein Thema. "Viele der bei uns eingesetzten Client-Applikationen müssten bei der Umstellung auf Apple neu in Lizenz genommen werden", sagt der IT-Verantwortliche des Medienkonzerns. Zudem würden einige Legacy-Applikationen nicht mit der Apple-Plattform zusammenspielen, "eine Anpassung würde extrem hohe Kosten verursachen". Der Fernseh-Mann gibt ferner zu bedenken, dass das Zusammenwirken der Apple-Plattform mit der im Backend aufgebauten Infrastruktur zu wünschen übrig lässt: "Nach einigen Tests mussten wir feststellen, dass die Interoperabilität nicht ausreichend ist."

Ein weiteres Argument, dessentwegen sich der Einsatz von Mac-Rechnern und -Software bei dem Fernsehsender ausschließt, hat weniger mit Apple-Technik zu tun, sondern eher mit der Macht des Faktischen. Da Apple nicht sonderlich verbreitet ist im Geschäftsleben (siehe Grafik), führen auch Outsourcing-Dienstleister die Design-Rechner eher selten in ihrem Maschinenpark. Der komplette IT-Betrieb des großen Medienhauses wurde aber an einen IT-Dienstleister ausgelagert, der "ein eigenes Hardwareportfolio unterhält". Aus diesem Grund erledigte sich das Thema Apple fast schon von selbst. Das gelte insbesondere deshalb, "weil wir an einer langfristigen Partnerschaft interessiert sind. Klares Ziel ist dabei, die Kosten zu reduzieren. Erreichen wollen wir das über eine Standardisierung der IT-Plattform." Nachvollziehbar, dass bei solch einer Strategie kein Platz für Apple bleibt.

Weltweite Kundenbasis spricht gegen Apple

Bei der GfK SE in Nürnberg ist Apple schon deshalb kein Thema, weil ihre Kunden aus aller Welt stammen. "Wir benötigen deshalb eine IT-Infrastruktur, die zu 100 Prozent kompatibel mit Microsoft-Applikationen ist", sagt GfK-CIO Rainer Ostermeyer. Ein ausschlaggebendes Gegenargument sei zudem, dass ihm "keine weltumspannenden Servicekonzepte für Apple-Hardware im Business-Einsatz bekannt" seien.

Nach wie vor hinderlich für einen Durchbruch der Apple-Plattform im kommerziellen Umfeld ist der hohe Preis der Rechner. Urban von BSG relativiert die Kostenthematik zwar ein wenig: "Die Endgerätekosten machen nur einen geringen Teil der Betriebskosten über den Lebenszyklus eines Clients aus." Aber trotzdem komme da "doch einiges zusammen". Außerdem bündelt die BSG Client-Beschaffungen mit anderen Nutzern im Bundesland Berlin. Auf diese Weise ergeben sich Volumeneffekte: "Da bekommen wir Preise, die meines Erachtens nach mit Apple-Hardware nicht zu erreichen sind."

Techconsult-Analystin Bunk argumentiert ebenfalls mit der "Hochpreisigkeit der Apple-Rechner". Beschaffe ein Unternehmen neue Hardware oder stelle diese um, spielten in der Regel immer auch die Anschaffungskosten eine große Rolle: "Vor allem für kleine Unternehmen, die oft nicht einmal über ein gesondertes IT-Budget verfügen, ist dies ein Grund, beim klassischen Windows-PC zu bleiben", so Bunk.

Kultobjekt iPhone erhält einen Korb

Ganz pragmatisch hat man sich übrigens bei der Flughafen Stuttgart GmbH gegen ein Apple-Produkt entschieden, das schon vor seiner Markteinführung einen fast irrationalen Kultstatus erlangte: Apples iPhone. "Wir haben das Gerät für unsere Geschäftsführung geprüft. Aber es ist für den Consumer- und nicht für den Business-Einsatz ausgelegt", sagt Dirk Spengler, Leiter IT und CIO bei dem schwäbischen Flughafen.

Auch Apple-Rechner kommen den Airport-Verantwortlichen nicht ins Haus. Bei Computern, so Spengler, würden bestimmte Eigenschaften abgefragt, geeignete Geräte dann getestet. Die Entscheidung falle schließlich nach Preis-Leistungs-Argumenten: "Und hier war Apple noch kein Thema."