Interview zu Office 2013

"Tablets werden Office-Clients erster Klasse"

Wolfgang Miedl arbeitet Autor und Berater mit Schwerpunkt IT und Business. Daneben publiziert er auf der Website Sharepoint360.de regelmäßig rund um Microsoft SharePoint, Office und Social Collaboration.
Am 16. Juli startete Steve Ballmer in San Francisco die nun öffentliche Testphase der künftigen Office-2013-Familie. Der Schwerpunkt der für Anfang 2013 erwarteten neuen Office-Generation liegt auf Cloud-Diensten und einer engen Integration in die Metro-Tablet-Oberfläche von Windows 8.

Wir haben in San Francisco mit PJ Hough, Vice President Microsoft Office Division, über die Neuausrichtung des Office-Systems und die Bedeutung für Unternehmen gesprochen.

Bei der Präsentation der Office 2013 Customer Preview haben Sie einen großen Schwerpunkt auf Cloud-Services wie Office 365 gelegt. Werden Services bei Microsoft zukünftig Priorität haben vor den On-Premises-Produkten?

Microsoft-Manager PJ Hough bei Q&A mit internationalen Journalisten
Microsoft-Manager PJ Hough bei Q&A mit internationalen Journalisten
Foto: Wolfgang Miedl

PJ Hough: Alles, was wir über Office 2013 ankündigen, gilt sowohl für die lokalen Client- und Serverprodukte wie auch für die Services. Natürlich haben wir in einigen Bereichen die Services stark ausgebaut - Exchange, Lync und Sharepoint Online erhalten viele neue Funktionen und ziehen in manchen Bereichen mit den Server-Pendants gleich. Für viele Kunden wird es deshalb zukünftig der einfachere Weg sein, gewünschte Funktionen in Form eines Services zu beziehen.

Gehen Sie davon aus, dass Microsoft in absehbarer Zeit nur noch Cloud-Services anbieten wird und haben Sie dafür einen Fahrplan?

Hough: Uns ist weiterhin wichtig, dass Kunden die Wahl haben, ob und in welchem Umfang sie Cloud-Dienste einsetzen. Die Besonderheit der Microsoft-Plattform ist ja, dass Kunden unsere Software entweder on premise, als Cloud-Service oder in einer Hybrid-Umgebung einsetzen können. Wir werden deshalb auch weiterhin in unsere Server- und Clientprodukte für Unternehmen investieren, während wir parallel dazu die Services ausbauen. Die Kunden haben die Wahl und können von beiden Optionen profitieren.

Die Marke "Office" steht ja nun überraschend für "Office 365" - also für die Cloud-Suite. Ist Office ab Version 2013 nun eine Cloud-Suite, und müssen Ihre Kunden bald komplett auf die Cloud migrieren?

Hough: Wir haben Kunden mit hunderttausenden Desktop-PCs. Die Vorstellung, dass solche Anwender auf einen Schlag in die Cloud migrieren könnten, wäre unsinnig. Die Migration in die Cloud ist eine Reise, und es wird auch zukünftig lokale und hybride Anwendungsszenarien geben. Schnelle Migrationen in die Cloud sind generell unrealistisch - kein Unternehmen wird am Freitag seine Server abstellen und am Montag in der Cloud starten.

Mit Office 2007 haben Sie die anfangs sehr umstrittene Ribbon-Oberfläche eingeführt. Nun nehmen Sie mit Office 2013 erneut Veränderungen vor. Was versprechen Sie sich davon?

Hough: Die Modifikationen gehen im Wesentlichen auf den Wandel zu Touch-fokussierten Geräten zurück. So steht nun in allen Office-Anwendungen ein Touch-Modus zur Verfügung, der die Zahl der Symbole im Ribbon reduziert und alle Steuerelemente fingerfreundlich vergrößert. Im Touch-Modus wird zudem das Ribbon in vielen Situationen eingeklappt sein, wenn die Benutzer die Inhalte eher konsumieren als bearbeiten. Außerdem wandern einige oft benutzte Funktionen an den linken und rechten Rand, wo man sie mit den Fingern schneller erreichen kann.

Mit dem "Surface"-Tablet haben Sie bereits im Juni Aufsehen erregt, nun gesellt sich Office 2013 mit umfangreichen Tablet-Funktionen dazu. Versucht ihr Unternehmen mit Windows 8 und Office 2013 eine Neudefinition von Personal Computing?

Hough: Wir betrachten die anstehen Neuheiten durchaus als einen großen Durchbruch, der mit Windows 95 und Office 95 vergleichbar ist. Für Personal wie auch für Enterprise-Computing bricht eine neue Ära an, und dabei spannt sich der Bogen von Bing über Windows, Hardware, Suche und Office bis Windows Phone. Diese Einzelteile fügen sich zu einem großen Ganzen zusammen und erzählen eine Geschichte, wie Menschen auf eine neue Art zusammenarbeiten und kommunizieren.

Bei der Office-2013-Präsentation haben Sie nichts zu Office RT gesagt, jener speziellen Variante für die kleineren Windows-8-Tablets mit ARM-CPU. Werden sich Nutzer von Windows RT mit einer abgespeckten Office-Version begnügen müssen?

Hough: Office RT wird die vier Anwendungen Word, Excel Powerpoint und OneNote enthalten - und zwar mit dem vollständigen Funktionsumfang der Desktop-Applikationen. Die Anwender müssen also keinerlei Kompromisse eingehen. Generell stehen bei den Office-Clients zukünftig die Services im Mittelpunkt, und Tablets wie Surface RT werden die Rolle der "First-Class-Endpoints" für Office-365-Services. Jede weitere Gerätekategorie wird gemäß ihrer Fähigkeiten mehr oder weniger Funktionen nutzen - ob das Skydrive ist, Skydrive Pro oder Roaming-Profile. Insgesamt werden aber alle Clients von unseren Cloud-Diensten profitieren und Teil des Office-Ökosystems sein.