Verlagerung zu T-Home

T-Systems künftig ohne Mittelstandsgeschäft?

Joachim Hackmann ist Principal Consultant bei Pierre Audin Consulting (PAC) in München. Vorher war er viele Jahre lang als leitender Redakteur und Chefreporter bei der COMPUTERWOCHE tätig.
T-Systems, die Geschäftskundentochter der Deutsche Telekom, verliert möglicherweise den Zugang zum Mittelstand. Interne Planspiele sehen vor, die Betreuung von bis zu 160.000 Kunden der Festnetzsparte T-Home zu übertragen.

Die Überlegungen, die Betreuung der mittelständischen Kunden wieder der Festnetzsparte zuzuschreiben, scheinen fortgeschritten. Mehrere interne Quellen berichten, dass der Konzern den T-Systems-Geschäftsbereich "Business Services" aus dem Geschäftskundensegment herauslösen möchte. Die Betreuung der rund 160.000 kleinen und mittelgroßen Firmenkunden, die vornehmlich TK-Leistungen beziehen, sei dem Massengeschäft wie es T-Home betreibe sehr viel näher als dem Großkundenmarkt. Damit würde die T-Systems um einen Jahresumsatz von rund vier Milliarden Euro erleichtert werden. Zudem könnten bis zu 10.000 Mitarbeiter betroffen sein, sagte ein Vertreter der Dienstleistungsgewerkschaft verdi der Wirtschaftszeitung "Euro".

T-Systems-CEO Reinhard Clemens im Interview mit CW-TV
T-Systems-CEO Reinhard Clemens im Interview mit CW-TV

Wo genau der Schnitt erfolgen soll ist indes noch unklar. T-Systems hat in den vergangenen Jahren das IT-Geschäft mit dem Mittelstand forciert und wird sicher auch künftig die interne IT-Fabrik betreiben. Doch im Vergleich zum TK-Umsatz, den T-Systems mit kleinen und mittelgroßen Kunden erzielt, ist das IT-Geschäft sehr klein. Weniger als zehn Prozent des Mittelstandumsatzes von T-Systems entfallen auf IT-Dienste. "Der Mittelstand kauft allenfalls kombinierte Festnetz- und Mobilfunk-Lösungen. Eine Nachfrage nach integrierten IT- und TK-Leistungen gibt es kaum", sagte eine Unternehmensquelle. Daher sei es konsequent, den TK-Bereichen der Telekom die Verantwortung für den Mittelstand wieder zu übertragen, zumal T-Home und T-Mobil im Vertrieb eng zusammenarbeiten.

Die Betreuung des Mittelstands hatte der damalige Telekom-CEO Kai-Uwe Ricke erst 2005 dem damaligen T-Com-Chef Walter Raizner entzogen und T-Systems übertragen. Das hat sich offenbar als Irrtum erwiesen. Zwar wurde die Geschäftskundensparte erster Ansprechpartner für diese Klientel, doch die mächtigen Telekom-Sparten Festnetz (früher T-Com, heute T-Home) und T-Mobile haben sich den Vertrieb nie komplett aus der Hand nehmen lassen. Zudem musst T-Systems TK-Leistungen von den Schwesterorganisationen einkaufen, angeblich zu marktüblichen Preisen. Allerdings beklagten Mitarbeiter immer wieder, dass die intern verschobenen TK-Leistungen überteuert seien. Im Lichte der aktuellen Planspiele lohnt zudem ein Rückblick auf die Demission des T-Systems-Managers Ulrich Kemp, Anfang dieses Jahres. Der Chef der Mittelstandsorganisation Business Services hatte das Handtuch geworfen, weil er der Reibereien um die interne Leistungsverrechnung überdrüssig war. Zudem wollte er eine bevorstehende Umstrukturierung der Kundenbetreuung nicht mittragen.