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T-Online soll heim zur Telekom

11.10.2004

Die Deutsche Telekom macht mit ihrem Plan Ernst, die Internet-Tochter T-Online von der Börse zu nehmen und wieder komplett einzugliedern. Wie der TK-Konzern am Samstag mitteilte, will er den Anlegern den Umtausch der T-Online-Anteile in Telekom-Aktien anbieten. Alternativ beabsichtigt das Bonner Unternehmen, ihnen ein freiwilliges Barangebot zu einem Preis von 8,99 Euro je T-Online-Aktie zu unterbreiten, das entspricht dem Schlusskurs vom vergangenen Freitag.

Strategisch ist die Rückführung von T-Online in den Mutterkonzern nach der Schaffung der Sparte Breitband/Festnetz nur konsequent. Diese soll der aus Kundensicht intransparenten und verwirrenden Aufteilung des Breitbandgeschäfts zwischen T-Com und T-Online ein Ende bereiten.

Für die Anleger der ersten Stunde ist eine Barabfindung von knapp neun Euro pro Aktie dagegen ein schlechtes Geschäft: So hatte die Telekom die T-Online-Aktie im Frühjahr 2000 zu einem Ausgabepreis von 27 Euro an die Börse gebracht. Wer einige Monate später, zum Höhepunkt der Dotcom-Euphorie Mitte 2000, Anteile kaufte, verliert durch die Barabfindung sogar fast 40 Euro je Aktie. Die deutsche Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz (DSW) empfiehlt T-Online-Anlegern, das erste Angebot von 8,99 Euro pro Anteil auszuschlagen. In den meisten Fällen werde die Offerte bei mangelnder Akzeptanz nachgebessert. Aktuell notiert T-Online bei über neun Euro pro Aktie.

Wie die Telekom mitteilte, werden der Verschmelzungsvertrag und das Umtauschverhältnis vermutlich nicht vor Januar 2005 verfügbar sein. Die Unterlagen zum freiwilligen Kaufangebot könnten bereits im November veröffentlicht werden.

Für eine komplette Wiedereingliederung der Internet-Tochter müsste die Telekom ihren Anteil von derzeit 73,9 auf mindestens 95 Prozent ausbauen. Anschließend wäre es dem TK-Riesen gestattet, die verbliebenen Aktionäre mit einem so genannten Squeeze-Out aus dem Unternehmen zu drängen. (mb)