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T-Online hat Übernahmen und Video-on-Demand im Visier

22.05.2003

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Europas größter Internet-Anbieter T-Online erntete auf der diesjährigen Hauptversammlung von den Aktionären viel Lob. Die Anleger honorierten vor allem die anhaltenden Fortschritte des Unternehmens, profitabel zu werden. Besonderen Beifall erhielt Vorstandsvorsitzender Thomas Holtrop, der dem Beispiel von Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke folgte und die Höhe seines jährlichen Grundgehalts (700.000 Euro) offen legte. Gerügt wurde dagegen der hohe Barmittelbestand. Holtrop kündigte jedoch an, die rund 3,7 Milliarden Euro für Zukäufe in Europa zu verwenden. Konkrete Angaben über mögliche Übernahmen machte er nicht.

Ferner plant der Provider, seine Geschäfte mit kostenpflichtigen Inhalten auszubauen. Derzeit nutze fast jeder zehnte T-Online-Kunde diese Dienste, sagte Firmenchef Holtrop. Im vergangenen Jahr seien mit Bezahlinhalten knapp 17 Millionen Euro erwirtschaftet worden. Wie das "Handelsblatt" berichtet, verhandelt das Unternehmen derzeit mit Disney und anderen Filmstudios, um Video-on-Demand-Dienste anzubieten. Derzeit sei jedoch das reine Zugangsgeschäft noch die wesentliche Geldquelle des Konzerns.

Der T-Online-Chef hofft, dass sich das erfolgreiche Geschäftsmodell künftig auch im Aktienkurs niederschlagen wird. Die Tatsache, dass der Wert des Papiers innerhalb eines Jahres von rund elf auf etwa sieben Euro gesunken ist, bezeichnete er als enttäuschend. Es sei jedoch schwer, sich in dem von Kurseinbrüchen und Bilanzskandalen geprägten Börsenumfeld einem Abwärtstrend zu entziehen, so Holtrop. Die Platzierung des Aktienpaketes Anfang Dezember 2002 habe jedoch gezeigt, erklärte der Topmanager, dass T-Online für den Kapitalmarkt ein begehrtes Unternehmen sei. (mb)