"Un-Carrier 4.0"

T-Mobile USA ködert Rekordzahl an Handykunden

09.01.2014
Die Deutsche Telekom kommt bei der Neuaufstellung ihrer amerikanischen Mobilfunktochter gut voran. T-Mobile USA hat im vergangenen Quartal so viele Kunden gewonnen wie seit Jahren nicht mehr.

T-Mobile USA schnappt den größeren amerikanischen Mobilfunkanbietern durch neue Tarife und ein verbessertes Netz zunehmend Kunden weg. Die Tochter der Deutschen Telekom konnte im vierten Quartal 1,6 Millionen Nutzer hinzugewinnen. Mehr als die Hälfte davon waren Kunden mit Zeitverträgen, die als besonders einträglich für die Anbieter gelten.

Dies sei der höchste Zuwachs seit acht Jahren, erklärte T-Mobile US am Mittwoch. "Wir haben bei den Kunden wirklich einen Nerv getroffen", sagte Firmenchef John Legere. Die Neuaufstellung des Unternehmens habe die ganze Branche auf den Kopf gestellt.

CEO John Legere sieht T-Mobile USA mittlerweile als "Un-Carrier 4.0".
CEO John Legere sieht T-Mobile USA mittlerweile als "Un-Carrier 4.0".
Foto: T-Mobile USA

T-Mobile US war im Mai mit dem Wettbewerber MetroPCS fusioniert, um Löcher im Netz zu stopfen und besser mit den größeren Mobilfunkanbietern konkurrieren zu können. Seitdem buhlt die Telekom-Tochter mit neuen, vereinfachten Tarifen aggressiv um Kunden. Das Unternehmen hat die sonst üblichen Zuschüsse beim Handykauf abgeschafft und im Gegenzug die Gebühren gesenkt.

Das Gesicht des Umbruchs ist Firmenchef Legere, der sich mit seinen langen Haaren und dem T-Shirt in der Firmenfarbe Magenta bewusst von seinen Chefkollegen absetzt. Erst am Montag machte er Schlagzeilen, als er von einer Party des Rivalen AT&T flog. Der zweitgrößte Mobilfunkanbieter der USA ist der erklärte Lieblingsgegner von Legere.

Bis zur Neuaufstellung hatte T-Mobile USA noch unter einer Abwanderung gelitten. Das vergangene Jahr brachte die Wende mit 4,4 Millionen neuen Kunden. Zum Jahreswechsel kam die Telekom-Tochter damit auf 46,7 Millionen Kunden.

Ob T-Mobile USA dies auch in einen Gewinn ummünzen konnte, will das Unternehmen bei der Vorlage der vollständigen Geschäftszahlen am 25. Februar verraten. Das aggressive Werben um die Kundschaft und der teure Netzausbau hatten zuletzt noch zu einem kleinen Verlust geführt.

T-Mobile USA nimmt weiterhin viel Geld in die Hand, um seine Nutzerzahl zu vergrößern. So kündigte Legere auf der Elektronikmesse CES in Las Vegas an, dass sein Unternehmen die Strafzahlungen übernimmt, wenn ein Kunde seinen Vertrag bei einem Konkurrenten vorzeitig kündigt.

Parallel erweitert T-Mobile US die Reichweite und Geschwindigkeit seines Netzes. Dazu hat das Unternehmen gerade erst den Kauf von Funkfrequenzen vom Marktführer Verizon Wireless bekanntgegeben. Das LTE-Netz von T-Mobile USA sei mittlerweile das schnellste im Land, versicherte Legere unter Berufung auf Tests.

Die Deutsche Telekom hatte ursprünglich versucht, ihre Tochter an AT&T zu verkaufen. Allerdings hatten die Wettbewerbshüter im Land das Geschäft untersagt, weil sie steigende Preise fürchteten. T-Mobile US ist nun selbst an der Börse notiert. Die Telekom hält nach früheren Angaben 67,5 Prozent der Anteile. (dpa/tc)