G1

T-Mobile und Google starten Umverteilungsschlacht auf Mobilfunkmarkt

20.01.2009
Die schwerste Wirtschaftskrise der deutschen Nachkriegsgeschichte ist kein guter Moment, um ein neues teures Handy auf den Markt zu bringen.

Verbraucher und Unternehmen halten ihr Geld zusammen, die Branche rechnet erstmals seit Jahren mit einem weltweiten Absatzrückgang. Doch T-Mobile und den Internet-Konzern Google bremst das nicht. Das erste Google-Handy "G1", seit Herbst bisher nur in den USA und Großbritannien erhältlich, kommt am 2. Februar auch in Deutschland auf den Markt. Auch in anderen europäischen Ländern wie Österreich wird es um diese Zeit erhältlich sein. Damit der "gefühlte Preis" für die Verbraucher hierzulande nicht zu hoch erscheint, gibt T-Mobile das G1 schon für einen Euro ab, wenn die Kunden einen Zweijahresvertrag für die größeren Tarife "Combi M" und "L" buchen.

Das G1 basiert auf der von Google angestoßenen Android-Plattform.
Das G1 basiert auf der von Google angestoßenen Android-Plattform.

Die Beharrlichkeit von T-Mobile und Google dürfte sich damit erklären, dass das G1 mehr ist als nur ein neues Handy, mit dem man ins Internet gehen kann. Letztlich geht es um die Neuaufteilung des milliardenschweren Mobilfunkmarktes, um zukünftige Geschäftsmodelle und Gewinne, möglicherweise sogar um eine Schlüsselposition im künftigen Internet-Geschäft. Da fällt die Marktschwäche eines Jahres nicht zu sehr ins Gewicht.

Das G1 ist das erste Handy einer Allianz von mehr als 40 Mobilfunk-Anbietern, Handy-Herstellern und Branchenzulieferern - und Google. Der Internet-Konzern gilt als Initiator des breit aufgestellten Bündnisses. Einige Branchenexperten sagen unverhohlen, das Ziel des Suchmaschinen-Riesen sei, die Dominanz bei den Werbeeinnahmen im Web auf den mobilen Bereich auszuweiten.

Denn die Branchenstrategen sind überzeugt: Mobiltelefonie und Internet-Nutzung werden zusammenwachsen. Das heißt, wer zukunftsfest sein will, muss das mobile Web erobern. Der Markt steht erst am Anfang: 2007 war gerade einmal jedes zehnte verkaufte Handy ein Smartphone, wie die Mischung aus Mobiltelefon und Mini-Computer genannt wird - und das nach einem Wachstum von 60 Prozent. 2008 würgte die Finanzkrise den Durchmarsch ab. Im dritten Quartal verlangsamte sich die Wachstumsrate auf nur noch elf Prozent, die vergangenen drei Monate dürften noch schwächer ausgefallen sein.

Doch die Branche glaubt nur an einen kurzfristigen Aussetzer. Zum Jahr 2013 werde der weltweite Anteil der Smartphones 60 Prozent erreichen. Derzeit gibt es bereits drei Milliarden Handy-Nutzer in der Welt. Bis dahin dürfte es mindestens eine Milliarde mehr sein. Es gibt also viel Neuland zu verteilen. Und heutige Stärken sind kein Garant für die Zukunft. Der finnische Handy-Weltmarktführer Nokia mag derzeit mit seinem Betriebssystem Symbian die Hälfte des Smartphone-Marktes kontrollieren - doch verglichen mit der Zahl der High-Tech-Telefone, die in den kommenden Jahren verkauft werden, bedeutet das nicht viel.

Apple macht seit 2006 mit seinem iPhone vor, wie einfach und nützlich die mobile Nutzung des Internets sein kann. In dieser Zeit schaffte es Apple von null auf Platz drei im Smartphone-Markt mit einem Marktanteil von 13 Prozent. Einige Analysten sagten, im dritten Quartal sei das Absatzplus in dem Bereich praktisch nur vom iPhone getrieben worden. Ein Marktforscher wagte jüngst die Prognose, dass Apple in vier Jahren Nokia an der Spitze des Smartphone-Marktes abgelöst haben wird.

Ein gewichtiges Element des iPhone-Erfolgs: Der App Store, in dem man Programme kostenlos oder für meist geringe Beträge herunterladen kann. Mit ihnen kann das Telefon nahezu alles sein, von einer Spielmaschine bis zum wissenschaftlichen Rechengerät. Auch für Android wurde ein solcher Software-Marktplatz aufgebaut, inzwischen seien 700 kostenlose Programme im Angebot. Absatzzahlen aus den ersten Verkaufsmonaten des G1 in Amerika und Großbritannien gibt es noch nicht, sie dürften erst in nächster Zeit kommen. Ein Faktor: Bei Google mit seinen rund 20.000 Mitarbeitern gab es im vergangenen Jahr statt der bisher üblichen Prämien von mehreren tausend Dollar ein G1 geschenkt.

Für T-Mobile bedeutet die Markteinführung des Google-Handys einen Spagat. Das Unternehmen ist Mitglied der Android-Allianz und zugleich exklusiver Vertriebsagent des iPhone im mehreren Ländern. T-Mobile-Chef Hamid Akhavan betonte bei der Vorstellung in Hamburg immer wieder, das G1 biete "das beste mobile Internet-Erlebnis überhaupt". Eine gewisse Übertreibung angesichts der im direkten Vergleich doch intuitiveren Bedienung des Apple-Telefons. (dpa/tc)