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T-Mobile greift vorsichtig die Festnetz-Mutter an

12.01.2006
Deutschlands führender Mobilfunkanbieter T-Mobile will mit neuen Produkten seinen Marktanteil auf Kosten der Konkurrenz erhöhen.

"Wir wollen unsere Marktposition ausbauen. Also Marktanteile hinzugewinnen", sagte der Chef von T-Mobile Deutschland, Philipp Humm, am Mittwoch in Bonn. Dabei helfen soll ein mobiler Festnetzanschluss, der Anfang kommender Woche starten soll.

In einem festgelegten Gebiet kann der Kunde dann mit seinem Handy zu günstigeren Konditionen telefonieren und ist über eine eigene Festnetz-Telefonnummer erreichbar -O2 bietet dergleichen mit "Genion" schon seit Jahren, Vodafone hat ebenfalls schon sein "Zuhause" im Angebot. Für den Tarif rechnet Humm innerhalb eines Jahres mit einer Million Kunden.

"Wir gehen davon aus, dass davon ein sehr großer Anteil Bestandskunden sein werden." Nur ein kleiner Teil würden neue Nutzer sein. Der monatliche Aufpreis für den mobilen Festnetzzugang beträgt fünf Euro und der Minutenpreis für Telefonate in das Festnetz liegt bei vier Cent. T-Mobile hatte das Festnetz-Handy im vergangenen September auf der Internationalen Funkausstellung in Berlin angekündigt.

Die Telekom-Tochter rechnet 2006 mit einer Abschwächung des branchenweiten Wachstums im Vergleich zu den vorigen Jahren. Der Umsatz der Mobilfunkbranche soll nach Angaben von Humm in diesem Jahr um 3,7 Prozent zulegen sowie 2007 und 2008 jeweils um 3,1 Prozent. T-Mobile Deutschland wolle schneller als die Branche wachsen, sagte Humm.

In den ersten drei Quartalen 2005 hatte die Gesellschaft allerdings noch einen Umsatzrückgang verzeichnet. T-Mobile Deutschland hatte Ende September 28,7 Millionen Kunden unter Vertrag und kam damit auf einen Marktanteil von knapp 38 Prozent. Der Rivale Vodafone folgt mit 28,3 Millionen Nutzern.

Bei der Ausweitung des Geschäfts setzt T-Mobile neben dem mobilen Festnetzangebot auf Datendienste und Bündelangebot mit festgelegten Minutenpaketen. Von der Vernetzung von Mobilfunk- und Festnetz verspricht sich Humm eine höhere Nutzung des Handys. Dadurch werde der monatliche Umsatz pro Kunde von derzeit 23 Euro steigen.

Einen Konflikt mit der Telekom-Festnetzsparte T-Com sieht Humm nicht. "Für den Gesamtkonzern wird sich dies positiv auswirken." In den kommenden Wochen will T-Com ebenfalls eine mobile Festnetzlösung präsentieren.

Mit der Kombination aus Festnetz und Mobilfunk will die Deutsche Telekom dem Umsatzrückgang im deutschen Festnetzgeschäft entgegentreten. Neben alternativen Festnetzanbietern wie Arcor und Colt setzen die Mobilfunkkonkurrenten O2 und Vodafone dem Branchenprimus mit eigenen mobilen Festnetzzugängen zu. O2 und Vodafone jagten der Telekom bereits mehrere Hunderttausend Kunden ab. Pro Monat verliert die Telekom nach Angaben von Vorstandschef Kai-Uwe Ricke durchschnittlich 100.000 Kunden an die Konkurrenz. (dpa/tc)