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T-Mobile-Chef geht in die Offensive

25.07.2005

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Deutschlands führender Mobilfunkanbieter T-Mobile geht nach einer Schwächephase in die Offensive: Mit höheren Werbeaufwendungen und aggressiveren Preisen wollen die Bonner ihre Spitzenposition in Deutschland verteidigen und im Ausland zulegen. Die Kraft dazu holt Vorstandschef Rene Obermann aus dem über Plan verlaufenden Sparprogramm, das dem Unternehmen Spielraum für Tarifsenkungen gibt.

Die Früchte ihrer Arbeit erntete die Mannschaft um Obermann bereits im zweiten Quartal, als die zuletzt schwächelnde deutsche Tochter bei der Kundenzahl die Marke von 28 Millionen übersprang. Mit einem Zuwachs von deutlich über 400.000 neuen Nutzern verzeichnete die Telekom-Tochter den höchsten Zuspruch seit acht Quartalen und stellte damit die Konkurrenz in den Schatten.

Als Grundstein des Erfolges sieht Obermann das Programm "Save for Growth", mit dem er bis Ende kommenden Jahres europaweit eine Milliarde Euro einsparen will. Die Hälfte der Summe wollen die Bonner in mehr Service, neue Produkte und Tarifsenkungen investieren. "Das Programm ist sehr wichtig, um die guten Margen zu halten und auch im harten Wettbewerb aggressiv vorgehen zu können", sagte Obermann der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX. Nach seinen Angaben wird das Einsparziel von einer halben Milliarden Euro in diesem Jahr übertroffen.

Mit dem Geld aus dem Sparprogramm will der gebürtige Krefelder nun in die Offensive gehen: "Wir sind damit einen wichtigen Schritt nach vorne gekommen, um die verschärften Wettbewerbsbedingungen aushalten zu können." Von Billiganbietern wie Simyo und Tchibo/O2 will sich T-Mobile nicht treiben lassen. "Wir können die Entwicklung bestimmen", sagt Obermann. Mit dem Markteintritt von Simyo hat sich der Preisdruck in Deutschland verschärft, und Experten halten eine Halbierung des derzeitigen Preisniveaus auf zehn Cent innerhalb eines Jahres für möglich. Dank der Einsparungen kann T-Mobile den Preiskampf zumindest zum Teil mitgehen.

Auch wenn Obermann über die Entwicklung im zweiten Quartal schweigt, so bestätigt er, dass die Werbeausgaben hochgefahren wurden. "Dies und zusätzliche Investitionen in die Kundengewinnung haben T-Mobile Deutschland ein enormes Kundenplus beschert", sagt ein Brancheninsider, der ungenannt bleiben will. Er wertet das gute Abschneiden als "Befreiungsschlag" für Obermann. Der ehemalige Eishockey-Spieler war im Telekom-Konzern wegen der schwachen Entwicklung im Auftaktquartal unter Druck geraten.

Nur 89.000 neue Verträge schloss die Telekom-Sparte im ersten Jahresviertel ab - deutlich weniger als Vodafone, E-Plus und O2. Es wäre eng geworden für den Manager, wenn die Marktführerschaft an den Konkurrenten Vodafone verloren gegangen wäre. "Daher wird T-Mobile bei der Kundengewinnung im dritten Quartal nicht nachlassen. Wir könnten also erneut hohe Zuwächse sehen", sagt der Insider.

In die Offensive gehen will Obermann auch im Ausland. "'Save for Growth' hat uns auch in diesen Ländern Luft verschafft, um im Wettbewerb aggressiv vorzugehen und vernünftige Margen zu erzielen." Bei den Margen im umkämpften britischen Mobilfunkmarkt sei T-Mobile auf dem Niveau der Platzhirsche Vodafone und O2. Offenbar denken die Bonner Strategen erstmals seit VoiceStream wieder über Zukäufe nach, um ihr Auslandsgeschäft zu stärken: Laut Branchenkreisen könnte die Telekom ihren Hut bei der Versteigerung des österreichischen Mobilfunkers Telering in den Ring werfen. Als Planspiel werde auch eine Übernahme des britischen O2-Konzerns durchgespielt.

Sicher auf der Agenda steht der Ausbau der 49-prozentigen Beteiligung an der polnischen PTC. Eine Verkauf der boomenden US-Tochter ist für Obermann undenkbar: "T-Mobile USA ist und bleibt ein integraler Bestandteil unserer Strategie". Laut Medienberichten spekulierte kürzlich Telekom-Finanzvorstand Karl-Gerhard Eick vor Investoren über einen Verkauf der Mobilfunktochter. Obermann hält die Vorteile von der Präsenz in den Vereinigten Staaten dagegen: "Wir haben in den letzten Jahren Synergieeffekte von über einer Milliarde Euro per anno generiert." So könne T-Mobile günstiger Handys einkaufen sowie Produkte entwickeln. Ohne diesen Synergiebeitrag hätten sich die Ergebnisse der Gesellschaft nicht so gut entwickelt. (dpa/tc)